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Internat bestätigt Misshandlungen
Peitschen- und Stockschläge in Windsbach

Missbrauch-Skandal an der Odenwaldschule
Missbrauch-Skandal an der Odenwaldschule FOTO: ddp
Windsbach (RPO). Im Windsbacher Knabeninternat mit seinem weltberühmten Chor hat es früher gravierende Misshandlungen von Schülern und Chorsängern gegeben. Nachforschungen hätten "sehr bedrückende" Momentaufnahmen vor allem aus den 50er und 60er Jahren gezeigt, sagte Internatsleiter Thomas Miederer am Freitag.

Sollten sich neue, noch nicht verjährte Vorwürfe ergeben, würden diese sofort an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Zwei seiner Vorgänger sowie ein Chorleiter hätten die Kinder und Jugendlichen in dem fränkischen Internat mit Peitschen- und Rohstockschlägen sowie Ohrfeigen malträtiert. Es sei zwar nicht systematisch misshandelt worden, aber Betroffene und Zeugen hätten über "massive Grenzüberschreitungen" in Einzelfällen berichtet.

Der von 1946 bis 1977 tätige Chorleiter habe auch Sänger gedemütigt und vor anderen bloßgestellt. "Ich bedaure das Geschehene zutiefst und entschuldige mich bei den Opfern", sagte Miederer, der das Internat seit 2001 leitet.

In den 50er Jahren habe sich ein im Chor eingesetzter Hospitant sexuell an Schülern vergangen. Er sei aber schon nach kurzer Zeit von der Schule verwiesen und verurteilt worden. Im Jahr 2000 oder 2001 sei es zu Übergriffen eines Praktikanten gekommen; auch er sei verurteilt worden.

"Null Toleranz"

Jüngere Schüler seien auch immer wieder von älteren misshandelt worden. "Darunter haben offensichtlich viele gelitten", sagte er. Für die heutige Schulleitung "gibt es solchen Übergriffen gegenüber null Toleranz", betonte Miederer.

Nicht bestätigen könne er, dass drei Selbstmorde von Schülern mit den Erziehungsmethoden in Windsbach zu tun gehabt hätten. In allen drei Fällen hätten sich andere Motive ergeben.

Bei der als externe Ansprechpartnerin eingesetzten Psychologin Ulrike Winkler von Mohrenfels hatten sich in den vergangenen Tagen 18 der 2.000 ehemaligen Internatsschüler telefonisch gemeldet. Die meisten bestätigten psychische oder körperliche Gewalttaten. Aber es könne nicht abgeleitet werden, dass die Misshandlungen flächendeckend stattgefunden hätten, sagte Mohrenfels. "Einige sagten auch, sie hätten nichts dergleichen erlebt oder beobachtet, und für sie sei es die schönste Zeit in ihrem Leben gewesen."

(AP/nbe)
 
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