Karnevalsbeginn in den Hochburgen: "Petrus muss ne Kölsche sein"
zuletzt aktualisiert: 11.11.2007 - 15:23Köln/Düsseldorf (RPO). Pünktlich um 11.11 Uhr haben zehntausende Karnevalisten mit Alaaf und Helau am Sonntag die fünfte Jahreszeit eröffnet. In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz fiel der Startschuss für die Karnevalszeit.
"Petrus muss ne Kölsche sein" - das alte Kölner Sprichwort schien sich zum Karnevalsauftakt am Sonntag wieder einmal bewahrheitet zu haben. Den ganzen Vormittag hatten heftige Regenschauer und starker Wind den rund 80.000 Jecken in der Kölner Altstadt zu schaffen gemacht. Doch als kurz vor 11.11 Uhr der Countdown zum Beginn der "fünften Jahreszeit" heruntergezählt wurde, riss die graue Wolkendecke auf, und der Regen machte zumindest Pause.
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich allerdings schon viele Jecken vor dem Wetter in die Kneipen der Altstadt geflüchtet, die wohl das Geschäft des Jahres gemacht haben. Dort war auch der Flirtfaktor hoch, und es wurde schon früh ausgiebig "gebützt" (geküsst).
Wer es dennoch draußen aushielt, konnte das neue Dreigestirn mit Prinz Rainer I., Bauer Harald und Jungfrau Albertina bei seinem ersten öffentlichen Auftritt hochleben lassen. "Wir fliegen auf Euch und auf Kölle", rief Rainer I. begeistert, was auch nicht anders zu erwarten war. Schließlich ist der Prinz im Zivilberuf Flugkapitän, zudem wird das Dreigestirn erstmals von der Karnevalsgesellschaft "Seiner Tollität Luftflotte" gestellt.
Bei den Kostümen zeigten sich viele Besucher lokalpatriotisch in den Kölner Stadtfarben Rot und Weiß - wenn auch mit Einschränkungen: Im vergangenen Jahr sei sie noch als "FC-Fan" gegangen, verriet die 17-jährige Carolin am Altermarkt. Angesichts der desolaten Leistungen der kölschen Zweit-Liga-Kicker sei ihr das aber dieses Jahr "zu peinlich" gewesen. Nur wenige Schritte weiter machten erkennbar irritierte amerikanische Reisegruppen und japanische Touristen ihre ersten Erfahrungen mit Kölsch und heimischem Kräuterschnaps. Minuten später war hier das Eis gebrochen, und die Gäste schunkelten gemeinsam mit den Einheimischen.
Mut zu Ungewöhnlichem zeigte ein Kölner Stammtisch, der sich komplett als "Säuglingsstation" ins jecke Gewühl stürzte, stilecht in überdimensionale Babystrampler, Schlabberlätzchen und Erwachsenenwindeln verpackt. Gleich mehrfach war auch die gelb geschminkte Cartoon-Familie Simpson in der Altstadt zu entdecken.
Als stummer Protest gegen das umfassende Rauchverbot in der Öffentlichkeit hatte sich eine Frau mit zahlreichen leeren Zigarettenschachteln beklebt. Weniger Tiefgang zeigte ein blond gelocktes "Teufelchen", das sich bei der schwierigen Frage "Unterwäsche Ja oder Nein?" erkennbar für die luftige Variante entschieden hat.
Auch in Düsseldorf und in Bonn starteten die Karnevalisten in die kürzeste Session dieses Jahrhunderts. In der Landeshauptstadt erwachte wie an jedem 11. November der "Hoppeditz" zu neuem Leben. Mit Pumphosen und rot-weißen Bommeln geschmückt las die Symbolfigur des Düsseldorfer Karnevals Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) die Leviten - nach Einschätzung vieler Beobachter deutlich frecher als in den Vorjahren.
Genüsslich erinnerte Thomas Bauer bei seinem ersten Auftritt als jecker Spottdichter daran, dass Erwin öfters ein Hang zu politischen Alleingängen und zu fürstlichem Gehabe unterstellt wird. In der Gegenrede wehrte sich das Stadtoberhaupt: "Ich dacht, ich wär immer brav gewesen! In ganz Düsseldorf ist auch bekannt: Ich war noch niemals arrogant."
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