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Stadtarchiv Einsturz Ermittlungen PANORAMA 10209
  Foto: dapd, APN
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Weitere Messprotokolle manipuliert: Pfusch an Kölner U-Bahn weitet sich aus

zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 17:46

Köln (RPO). Beim Bau der neuen Kölner U-Bahn sind offenbar an zwei weiteren Baustellen Messprotokolle manipuliert worden. Dies teilte der für Technik zuständige Vorstand der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Walter Reinarz, dem Hauptausschuss des Kölner Stadtrats auf einer Sondersitzung mit.

Auf beiden Baustellen war der Polier als Urlaubsvertretung eingesetzt gewesen, gegen den wegen des Verdachts des Diebstahls von Sicherungseisen ermittelt wird. Als Konsequenz aus den neuen Erkenntnissen werden alle Stadtbahnbaustellen intensiv überprüft, auf denen der Mann noch eingesetzt war.

Angesichts der öffentlichen Empörung über den Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau hat der Baukonzern Bilfinger Berger eine gründliche und schonungslose Ursachenforschung angekündigt. Das versichterte Konzernchef Herbert Bodner dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters in einem auszugsweise veröffentlichten Brief.

"Der fehlende Einbau von Schubhaken an den Stoßstellen der Schlitzwandbewehrung ist für mich als Bauingenieur unbegreiflich und mir in meiner langjährigen Berufserfahrung noch nicht untergekommen", schrieb Bodner. 

Auch die Manipulation der Vermessungsprotokolle sei völlig unakzeptabel und müsse umfassend aufgeklärt werden. Gleichzeitig betonte Bodner, dass die U-Bahn-Bauwerke selbst unter der Annahme generell fehlender Schubhaken standsicher seien. Auch an den Schlitzwänden sei es zu keinen geometrischen Abweichungen gekommen, die die Standsicherheit gefährdeten. Vorsorglich würden jedoch in der Baugrube Heumarkt weitere Sicherungsmaßnahmen ergriffen.

Roters bezweifelt Grundsatz

Der Kölner Oberbürgermeister Roters kündigte unterdessen an, er wolle das Vertrauen der Menschen in die Arbeit und Leistungsfähigkeit der Stadt und ihrer Unternehmen zurückgewinnen. "Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, das wir sicher, solide und verlässlich für sie arbeiten", sagte er auf einer Sondersitzung des Hauptausschusses der Stadt. Das gelte für die U-Bahn-Baustelle, aber auch für alle anderen Bauvorhaben und Großprojekte.

Roters fügte hinzu, angesichts der jüngsten Vorfälle sei es Zeit, den Grundsatz "Privat vor Staat" kritisch zu hinterfragen. "Bei öffentlichen Bauten, die für viele Jahrzehnte der Daseinsvorsorge und der städtischen Infrastruktur dienen sollten, darf sich der Staat nicht weiter aus seinen hoheitlichen Aufgaben zurückziehen!", meinte er.

In dem Skandal haben die Behörden nach Ansicht des baupolitischen Sprechers der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Horst Becker, viel zu spät reagiert. Nach dem Einsturz des Stadtarchivs vor einem Jahr hätte man sofort prüfen müssen, wo die Ursachen lagen und welche Gefahrenmomente es sonst noch im gesamten U-Bahn-Bau gibt, sagte Becker am im "Deutschlandradio Kultur".

Bei einem solchen Unglück bestehe eigentlich ein hinreichender Anfangsverdacht dafür, dass an irgendeiner Stelle "nicht alles ordentlich gelaufen" sei. "Da hätte man, meine ich, längst die Frage auch der Festigkeit der Wände an anderen Stellen prüfen müssen."

Es sei auch nicht in Ordnung, dass erst Monate nach dem Unglück entdeckt wurde, dass offenbar Vermessungsprotokolle gefälscht wurden. "Es gibt 28 Protokolle, die sich teilweise bis aufs Haar gleichen. Das hätte nicht passieren dürfen, das hätte schneller gehen müssen", betonte Becker. Die Frage der Verantwortung für die Vorgänge sei nicht so leicht zu klären. "Es gibt sozusagen eine durchorganisierte Verantwortungslosigkeit." Die Baukontrolle sei letztendlich von der Bauaufsicht "auf die durchdelegiert worden, die die Bauausführung unter sich hatten".

Jetzt sei die Frage der Standsicherheit der Baustelle an verschiedenen Stellen zu klären. Die Gefahr sei, dass bei einem Hochwasser von 6,50 Metern die Baustelle am Kölner Heumarkt geflutet werden müsse. "Das würde allerdings aus meiner Sicht einen erheblichen zusätzlichen volkswirtschaftlichen Schaden bedeuten und auch im Übrigen auch weitere Verzögerungen beim Bau", warnte Becker.

Quelle: apd/ddp

 
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