Boeing landet in Gran Canaria: Pilot überlistet Flugzeug-Entführer
zuletzt aktualisiert: 16.02.2007 - 19:29Nouakchott (RPO). Mit einem Trick hat ein Air-Mauritania-Pilot einer Boeing die Entführung seiner Maschine verhindert. In mehreren Gesprächen versicherte er sich, dass der Entführer kein Französisch spricht. Er verständigte die Passagiere über Bordfunk auf Französisch über sein Vorhaben und konnte so den Marokanner mit Hilfe von Passagieren überwältigen.
Dem Entführer, einem 32-jährigen Marokkaner aus der Westsahara, wurde nach Angaben des spanischen Innenministeriums mitgeteilt, dass für einen Flug nach Frankreich der Treibstoff nicht ausreiche. Daraufhin flog die Maschine wie ursprünglich geplant nach Las Palmas und steuerte den Militärflughafen der Kanareninsel an.
Der Pilot teilte den Passagieren über Bordfunk mit, dass er nach der Landung hart bremsen und dann sofort wieder stark beschleunigen werde. Dies dürfte den im vorderen Gang stehenden Mann zu Fall bringen. Besatzungsmitglieder würden sich dann sofort auf ihn stürzen, und starke männliche Passagiere sollten ihnen nach Möglichkeit dabei helfen, den Luftpiraten zu überwältigen. Außerdem forderte der Pilot Frauen und Kinder auf, sich unauffällig in den hinteren Teil des Flugzeugs zu begeben.
Der Plan ging auf, wie der Pilot es sich vorgestellt hatte. Der Luftpirat fiel zu Boden und verlor dabei eine seiner beiden Handfeuerwaffen. Flugbegleiter schütteten ihm heißes Wasser aus einer Kaffeemaschinen ins Gesicht, und etwa zehn Männer stürzten sich auf ihn und hielten ihn fest. Als die Maschine zum Stillstand kam, stand die zuvor alarmierte spanische Polizei schon bereit, den Mann festzunehmen.
Die Passagiere kamen zumeist mit dem Schrecken davon. Etwa 20 von ihnen erlitten nur leichte Verletzungen, eine Schwangere stand unter Schock. «Wir hatten große Angst. Wir glaubten, es könnte sich um einen Angriff von Al-Kaida-Terroristen handeln oder von Islamisten aus Algerien, die uns die Kehle durchschneiden wollten», sagte eine 45-jährige Frau aus Mauretanien.
Die Behörden schlossen jedoch einen terroristischen Hintergrund des Luftpiraten aus. Vielmehr handele es sich um einen Einzeltäter. Er habe mehrfach ein Visum nach Frankreich beantragt, das ihm stets verweigert worden sei, erklärte die Polizei in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott. Also habe er das dort gestartete Flugzeug nach Frankreich entführen wollen, um politisches Asyl zu beantragen. Dies sie jedoch wegen mangelnden Treibstoffs nicht möglich gewesen.
Daraufhin versuchte der Mann den Angaben zufolge, das Flugzeug in die von Marokko kontrollierte Westsahara umzuleiten. Die marokkanischen Behörden erteilten dafür jedoch keine Genehmigung. Also flog die Maschine ihr ursprüngliches Ziel Las Palmas an, allerdings ohne die geplante Zwischenlandung in Nouadhibou im Norden von Mauretanien. An Bord waren acht Besatzungsmitglieder und 71 Passagiere, überwiegend Spanier und Mauretanier.
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