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Fast-Crash in Hamburg: Piloten erheben Vorwürfe gegen Flughafen

zuletzt aktualisiert: 03.03.2008 - 14:28

Hamburg (RPO). Der Fast-Crash am Flughafen Hamburg hat ein Nachspiel. Piloten der Vereinigung Cockpit stellen kritische Nachfragen. Sie wollen wissen, warum bei dem starken Wind die Landebahn 2-3 gewählt worden ist. Die war offenbar für ihre Windanfälligkeit bekannt. Einem Medienbericht zufolge ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in derselben Angelegenheit.

Cockpit-Vizepräsident Niels Stüben sagte am Montag, auf der zweiten Bahn 3-3 sei die Landung der Lufthansa-Maschine am Samstag anschließend ja problemlos gelungen. Der Pilot bekomme die Landebahn von Flughafen und Flugsicherung zugewiesen.

Die Piloten des Airbus A320 seien beim Anflug wohl "mental schon auf Durchstarten vorbereitet" gewesen, sagte Stüben. Dieses Manöver werde im Simulator immer wieder geübt und sei von den Piloten "sehr professionell durchgeführt" worden. Als die Flügelspitze der A320 von einer Böe auf den Boden gedrückt wurde, sei die Entscheidung zum Durchstarten offenbar schon gefallen gewesen. Die Triebwerke benötigten zwei Sekunden, um von Leerlauf auf Volllast umzuschalten.

Zu der Frage, ob der Flugkapitän bei dem Sturm vielleicht ganz auf eine Landung hätte verzichten müssen, äußerte sich der VC-Vizepräsident nicht. Er wies darauf hin, dass der Hersteller des Flugzeugs für jedes Modell Limits für solche Situationen festgelegt habe, deren Einhaltung die Pflicht jedes Piloten sei.

Wie Spiegel-Online berichtet, ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in derselben Angelegenheit. Experten prüfen, warum der gesamte Flugbetrieb auf dem Hamburg Airport auf der Landebahn 2-3 und nicht auf der günstigeren Rollbahn 3-3 abgewickelt worden sei, so BFU-Experte Lothar Müller.

Das Amateurvideo von dem Fast-Crash erregte in ganz Deutschland großes Aufsehen. Es zeigt den Passagierjet LH 044 München - Hamburg im Orkan Emma. Unmitteolbar vor dem Aufsetzen erfasste die Maschine eine starke Windböe. 131 Passagiere an Bord zitterten um ihr Leben. Das Reaktionsvermögen des Piloten verhinderte die Katastrophe.

"Professionelles Manöver"

Lufthansasprecher Wolfgang Weber bestätigt am Montag, wie knapp es war: "Das war eine brenzlige Situation." Dank eines hervorragenden Manövers der Piloten sei die Maschine dennoch sicher gelandet. Die Passagiere blieben unverletzt.

Bei dem Unfall sei der Airbus A320 bei Tempo 250 ins Schlingern geraten, vom Sturm zur Seite gerissen worden und habe mit einer Tragfläche leicht den Boden der Landebahn berührt, sagte Weber: Den Piloten sei es aber gelungen, mit einem "absolut professionellen Manöver" das Flugzeug zu stabilisieren und durchzustarten.

Wenig später konnte die Maschine laut Weber sicher landen. Die Passagiere seien mit dem Schrecken davon gekommen. Einige von ihnen hätten allerdings psychologisch betreut werden müssen.

Training am Simulator bewährt sich

Dass eine Tragfläche den Boden berühre, sei eine sehr besondere Situation, sagte Weber. Die Piloten hätten jedoch hervorragend reagiert. Am Simulator würden solche Fälle trainiert, in der Realität sei es aber dann doch etwas anderes: "Die Piloten haben einen supertollen Job gemacht." Die Maschine sei bereits am Sonntag repariert worden und wieder im Dienst. Laut Weber gab es mehrere Durchstarts in Hamburg zu der Zeit des Unfalls.

Pilot Oliver A. äußert sich in der Bild-Zeitung. Er übt sich in Bescheidenheit. "Beim Aufsetzen drückte eine Böe die linke Tragfläche in Richtung Boden. Wir leiteten sofort das Durchstarten ein - ein Verfahren, das in der Ausbildung oft trainiert wird. Ein anspruchsvoller Anflug ..."

Das Video des Zufallsfilmers von Hamburg ist am Montag überall zu sehen. Auf den Nachrichtensendern im Fernsehen. Im Internet. Auf der Titelseite der Bild-Zeitung. Schon am Sonntag tauchte der Film auf dem Internetportal Live-Leak auf (Wir berichteten).

Der Schrecken wird untermalt durch die Kommentare des Amateurfilmers, der hörbar um Fassung ringt.  In unserer Fotostrecke zeigen wir Ihnen die entscheidenden Momente des Beinahe-Crashs auf dem Hamburger Flughafen.

Quelle: ap

 
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