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Evangelischer Kirchentag: Pizza von der Polizei

zuletzt aktualisiert: 07.06.2007 - 14:35

Köln (RPO). Köln im Zeichen des Kirchentags: Etwa 500.000 Menschen haben am Mittwoch und Donnerstag das 31. Treffen der deutschen Protestanten in der Domstadt besucht. Die Veranstaltung unter dem Motto "Lebendig und kräftig und schärfer" wurde am Mittwochabend mit vier Gottesdiensten am Rheinufer und in der Innenstadt eröffnet. Anschließend feierten rund 400.000 Menschen beim Abend der Begegnung auf den Straßen und Plätzen Kölns. Entgegen ihrer Rolle in Heiligendamm ist die Polizei in Köln als Freund und Helfer gefragt.

Während sich Polizei und Besucher beim G-8-Gipfel in Heiligendamm eher feindselig gegenüberstehen, entpuppte sich die Polizei in Köln als wahrer Freund und Helfer. Für hungrige Kirchentags-Mitarbeiter, die einen Halleneingang beaufsichtigten, fuhren Polizisten mit dem Streifenwagen zum Pizzaholen, wie Kirchentagspräsident Reinhard Höppner am Donnerstag sagte. Insgesamt seien die Rückmeldungen der Polizei und Feuerwehr bislang überaus positiv, erklärten die Organisatoren. Auch die Sanitäter hätten fast keine Einsätze gehabt.

Das Treffen solle zeigen, dass Spiritualität und Weltverantwortung zusammengehörten, erklärte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner beim Hauptgottesdienst auf den Poller Wiesen am Rheinufer vor rund 65.000 Menschen. Unter den Ehrengästen war neben dem nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und dem Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner überraschend auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Der SPD-Politiker nannte den Kirchentag ein Fest des Glaubens und des Friedens. In Köln würden Argumente ohne Gewalt und Ausschreitungen ausgetauscht, sagte er in Anspielung an den G-8-Gipfel.

Zu dem Protestantentreffen, das bis Sonntag dauert, haben sich knapp 105.000 Dauerteilnehmer angemeldet - mehr als beim letzten Kirchentag 2005 in Hannover. Außerdem rechnen die Veranstalter mit mindestens 50.000 zusätzlichen Tagesteilnehmern. Als Gäste werden unter anderen Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und Desmond Tutu erwartet.

Ein zentrales Thema des Kirchentags sind der zeitgleich stattfindende G-8-Gipfel in Heiligendamm und die damit verbundenen Fragen zur Globalisierung. So wollten die Kirchentags-Organisatoren am Donnerstagabend mit einer Live-Schaltung vom Kölner Roncalliplatz zum Konzert "Stimmen gegen Armut" in Rostock eine Brücke zum G-8-Gipfel schlagen. Zuvor hatten bereits rund 50 führende Vertreter verschiedener Religionen einen Appell an die G-8-Staaten gerichtet, in dem sie einen stärkeren Einsatz im Kampf gegen die Armut forderten.

Dialog mit dem Islam als Streitpunkt

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, erklärte bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstag, es gebe keine Alternative zur uneingeschränkten Religionsfreiheit. Diese müsse an allen Orten gelten und anerkannt werden - für Muslime in Deutschland genauso wie für Christen in der Türkei.

Zuletzt hatte es wegen einer Schrift der EKD zum Verhältnis mit den Muslimen massive Verstimmungen gegeben. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler sagte, die Muslime hätten sich von den Protestanten mehr Verständnis erhofft. Trotzdem bekräftigten beide Seiten ihren Willen, den Dialog intensiv fortzuführen.

Die Kirchentags-Organisatoren hatten bereits vorher deutlich gemacht, dass sie beim Thema Muslime nicht in allen Punkten mit der EKD übereinstimmten. Generalsekretärin Ellen Ueberschär betonte die Wichtigkeit, den alternativlosen Dialog nicht nur auf Ebene der Spitzenvertreter fortzusetzen. Höppner erklärte, der Kirchentag mache den Klimasturz im muslimisch-christlichen Dialog nicht mit.

Zugleich betonten die Veranstalter den großen Wert der Ökumene und lobten die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche sowie die Gastfreundschaft in der katholischen Hochburg Köln. Höppner erklärte, man sei zu Gast bei Christen, die sich nicht nach Konfessionen auseinander dividieren ließen. Gleichwohl haben die Laienorganisationen der beiden Kirchen derzeit keine Hoffnung auf ein gemeinsames Abendmahl. Er sehe keinen Ansatz für Bewegung bei diesem Thema, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer.


 
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