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Trauerfeier nach Amoklauf in Winnenden
  Foto: ddp, ddp
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Amoklauf in Winnenden: Polizei hat erste Ansatzpunkte für ein Motiv

zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 10:21

Winnenden (RPO). Fassungslosigkeit bleibt nach dem Amoklauf von Winnenden. Doch die wichtigste Frage bleibt bislang ungeklärt: Warum erschoss der Tim K. 15 Menschen und im Anschluss sich selbst? Es gebe "erste Ansatzpunkte für ein Motiv", sagte der Waiblinger Polizeichef im ZDF-Morgenmagazin. Während der ganzen Nacht sei das Umfeld des Täters ausgeleuchtet worden. Einzelheiten sollten voraussichtlich auf einer Pressekonferenz um 12.00 Uhr mitgeteilt werden.

Es ist eine Tat, die für Bürger und Ermittler nicht erklärbar ist. Bislang galt der 17-Jährige Tim K. als "völlig unauffällig", sagte Kultusminister Helmut Rau (CDU) am Mittwochabend. Nach den ersten Erkenntnissen sei er zurückhaltend gewesen, habe Sport getrieben, seit einem Jahr auch Kraftsport. Ob er einschlägige Computerspiele gespielt habe, dazu gebe es bisher keine Hinweise. Der Jugendliche habe keinen Anlass für Zukunftsängste gehabt.

Einzelgänger und Waffennarr

Unter seinen Mitschülern galt der Tim K. zudem als Waffennarr. Nach Angaben des Ministers hat der Jugendliche die Tatwaffe seinem Vater, der Mitglied in einem Waffenverein ist, entwendet. Auch die "Munition im dreistelligen Bereich" stamme aus dem Elternhaus in Leutenbach, so Rech.  Der Vater habe im Tresor des Hauses 14 Waffen deponiert, eine weitere im Schlafzimmer.

Ein großer Teil der Munition sei im Haus nicht verschlossen gewesen, fügte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder hinzu, "sodass der junge Mann Zugriff darauf hatte." Auffällig ist, dass bei dem Amoklauf in der Winnender Albertville-Realschule primär Mädchen getötet wurden. Laut Innenminister Rech könne man daraus allerdings noch kein Motiv ableiten.

Mädchen berichtet von Mobbing

Nach Aussagen Schülerin könnte zudem Mobbing als Motiv in Frage kommen. Eine zwölfjährige Teilnehmerin des Trauergottesdienstes am Mittwochabend sagte, sie habe Tim K. über einen Freund kennengelernt. Er habe ihr vor etwa drei Wochen einen Brief gezeigt. "Er schrieb seinen Eltern, dass er leidet und nicht mehr weiter kann", sagte Fabienne B. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP erklärte die Polizei, dass ihr von diesen Umständen nichts bekannt sei.

1.000 Menschen nehmen an Gedenkfeier teil

Rund 1.000 Menschen nahmen unterdessen an der Gedenkfeier für die Opfer teil. Ministerpräsident Günther Oettinger kündigte eine Trauerfeier an, die voraussichtlich Ende kommender Woche stattfinden soll. Daran sollen auch Spitzenpolitiker des Bundes teilnehmen, darunter voraussichtlich auch Bundespräsident Horst Köhler, wie Oettinger sagte.

Es gehe jetzt darum, alles zu tun, um die Betroffenen zu beraten und zu trösten. Außerdem müsse die Frage angegangen werden, wie eine solche Tat künftig vermieden werden kann. Deswegen werde der Ablauf noch einmal genau ausgewertet. "Bislang sieht es aber so aus, als sei überall rasch und richtig gehandelt worden", sagte Oettinger.

Erste Leichen werden abtransportiert

Bei dem Amoklauf erschoss der 17 Jahre alte Tim K. zunächst an seiner alten Schule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen. Laut Polizei wurden zudem neun Personen an der Schule verletzt. Bei seiner Flucht erschoss Tim K. einen Passanten, entführte ein Auto und tötete nach einer Verfolgungsjagd zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei verletzte er zwei Beamte schwer, bevor er nach Angaben der Staatsanwaltschaft verletzt wurde und sich dann offenbar selbst tötete.

Erst am Abend wurden die Leichen aus der Schule abtransportiert. Die Spurensicherung sollte noch die ganze Nacht dauern. Am Donnerstag sollten Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) hinzugezogen werden.

Alle Berichte über den Amoklauf in Winnenden

Quelle: AP

 
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