Castor-Transporte: Polizei macht Politik schwere Vorwürfe
zuletzt aktualisiert: 08.11.2010 - 15:34Harlingen (RPO). Die rund 16.000 Einsatzkräfte der Polizei stoßen bei ihren Castor-Einsätzen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Ein Teil der Beamten musste zwei Nachtschichten hintereinander schieben. Die Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen die Politik. Schon wieder werde ein gesellschaftlicher Konflikt auf ihrem Rücken ausgetragen. Regierungssprecher Seibert beschwichtigt.
Die Regierung will die Wogen glätten. Sprecher Steffen Seibert dankte den Polizisten am Montagmorgen ausdrücklich für ihren "sehr schwierigen Einsatz" im Wendland. Es sei den Mitgliedern des Kabinetts "wichtig, den Beamten ihre Hochachtung auszudrücken". Das Innenministerium betonte gleichzeitig, der Einsatz sei seit langer Zeit sehr intensiv vorbereitet worden.
16.000 Beamte im Einsatz
Dennoch sei die Polizei vor Ort besonders gefordert. "Das Demonstrationsgeschehen ist ein mannigfaltiges", sagte ein Sprecher. Von Abstimmungsproblemen sei ihm nichts bekannt. Doch brauche ein so großer Einsatz mit mehr als 16.000 Beamten immer eine Nachbereitung.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte geklagt, dass viele Beamte beim Castor-Einsatz massiv überlastet waren und noch immer sind. Teilweise hätten Einsatzkräfte 24 Stunden oder noch länger Dienst am Stück schieben müssen, erklärte der Berliner Landesbezirksvorsitzende der GdP, Michael Purper, am Montag. "
Keine Getränke, keine Suppe
Nicht nur über die endlosen Dienstzeiten haben Einsatzkräfte mit Recht Klage geführt, sondern auch darüber, dass sie in der Kälte teilweise nicht oder nur sehr spät mit heißen Getränken oder einer Suppe versorgt wurden.
Der Berliner GdP-Chef erhebt zudem schwere Vorwürfe gegen die Politik: "Wir haben seit Jahren kritisiert, dass auf dem Rücken der Polizei politische Entscheidungen und Fehler ausgetragen werden. Ob in Stuttgart oder heute im Wendland, meine Kolleginnen und Kollegen kommen wegen politischer Fehlentscheidungen nicht mehr aus ihren Einsatzanzügen."
"Wir denken teilweise genauso"
Ein Hundertschaftsführer der Polizei aus Duisburg berichtete in der Nacht, für seine Beamten sei es schon die zweite Nachtschicht in Folge ohne Schlaf. "Wir verstehen ja den Protest. Wir denken teilweise genauso", sagt der Hundertschaftsführer. Doch da die Beamten so "sanft" mit den Demonstranten umgingen, hätten sie "ein bisschen mehr Kooperationsbereitschaft" verdient.
Die mangelnde Versorgung liege aber nicht an den Versorgungskräften, die auch bis zur Erschöpfung gearbeitet hätten, "sondern daran, dass sie nicht darüber informiert wurden, wo die Einsatzkräfte im weiten Wendland stehen".
Unklarheit über Zahlen
Am Montagmittag wurde die Blockade am bei Harlingen geräumt. Die Polizei nannte die Aktion "konflikfrei". Mehrere hundert Menschen wurden nach Angaben der Beamten vorübergehend in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Die Initiative "Widersetzen" kritisierte das Vorgehen der Polizei als zu hart.
Das Umladen der Castoren auf Lastwagen sollte laut Polizei bis zu 15 Stunden dauern. Auf den Straßen zwischen Dannenberg und Gorleben bereiteten sich Atomkraftgegner am Montag auf weitere Blockaden vor. Bis zu 1500 Aktivisten hielten nach Polizeiangaben bereits seit Sonntagnachmittag friedlich die Straße am Zwischenlager Gorleben besetzt. Viele verbrachten die Nacht dort. "Der Widerstand ist noch nicht beendet", kündigte ein Initiativensprecher an.
"Castor Schottern"
Am Sonntag war es im Wendland zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und hunderten Atomkraftgegnern gekommen. Die Polizei sprach von "extrem aggressiven Personengruppen", die Beamte mit Steinen, Signalmunition und Reizgas attackiert hätten. Die Protestinitiative "Castor Schottern" wies die Darstellung zurück und warf der Polizei ihrerseits brutales Vorgehen vor.









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