Anschlag im fränkischen Ansbach: Polizei stellt Amokläufer in Schule
zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 12:47Ansbach (RPO). Ein 18-Jähriger ist mit einer Axt und Brandsätzen bewaffnet in ein Gymnasium im fränkischen Ansbach gestürmt und hat mehrere Schüler verletzt. Die Polizei hat den Angreifer festgenommen. Dabei fielen Schüsse. Der mutmaßliche Täter ist schwer verwundet, er ist derzeit nicht vernehmungsfähig. Mindestens zehn Schüler wurden bei dem Brandanschlag verletzt. Die Schule ist evakuiert.
Festnahme Bei der Festnahme wurde der Täter durch einen Polizisten mit mehreren Schüssen schwer verletzt und anschließend überwältigt. Die Polizei bestätigte, dass Schüsse gefallen sind, als die Einsatzkräfte den Täter in der Schule stellten, dem Gymnasium Carolinum im fränkischen Ansbach. Wegen seiner schweren Verwundungen Er ist derzeit aufgrund seiner schweren Verwundungen nicht ansprechbar und kann sich deshalb auch nicht zum Motiv des Amoklaufs äußern.
Ein Polizeisprecher sagte, die Schüsse seien offenbar ausschließlich von Polizisten abgegeben worden. Der junge Mann sei um 8.30 Uhr mit zwei Brandsätzen und einer Axt bewaffnet in die Schule gekommen, sagte Polizeisprecherin Elke Schönwald. Mit der Axt soll sich der Täter Zugang zur Schule verschafft haben. Anschließend wirft er Brandsätze. Die Geschehnisse sollen sich im dritten Stock abgespielt haben.
Gymnasium Carolinum
Das Gymnasium Carolinum im mittelfränkischen Ansbach ist das nach eigenen Angaben zweitälteste staatliche Gymnasium in Bayern. Gründungsjahr ist 1528, im Jahr 2003 feierte das Gymnasium sein 475-jähriges Bestehen. Die zentral in der Altstadt gelegene Schule hat rund 600 Schüler sowie einen sprachlichen und einen musischen Schwerpunkt; im Schuljahr 2006/07 wurde die verkürzte Abiturzeit G8 eingeführt.
Zehn Schüler verletzt Insgesamt zehn Schüler sind verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um drei Mädchen und sieben Jungen, darunter auch der mutmaßliche Täter. Eines der Mädchen wurde schwer verletzt, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Alle Verletzten befinden sich inzwischen zur Versorgung im Krankenhaus, Lebensgefahr besteht aber bei niemandem. Ein Mädchen wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik gebracht, berichtete n-tv.
Ob die Verletzungen der Opfer durch die Brandsätze entstanden oder ob der Täter anschließend in der Schule die Betroffenen angriff, konnte der Sprecher des Katastrophenschutzes zunächst nicht sagen. Nach Angaben der Polizei Mittelfranken handelte es sich bei den Leichtverletzten teilweise auch um Schüler, die unter Schock standen.
Laut Polizei stammen die Opfer aus der achten Jahrgangsstufe. Warum der Täter ausgerechnet die 8. Klasse stürmte, das Motiv für die Tat am dritten Tag des neuen Schuljahres in der mittelfränkischen Stadt ist noch unlar. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums wurde die Schule mit ihren rund 700 Schülern inzwischen evakuiert. Die Polizeisprecherin sagte: "Alle sind in Sicherheit."
Die Polizeiaktion Die Polizei hat augenscheinlich schnell reagiert. Die erste Warnmeldung sei um 8.35 Uhr eingegangen, die Polizei soll um 8.45 Uhr an der Schule gewesen sein. In ersten Reaktionen heißt es, man habe aus dem Amoklauf von Winnenden gelernt. Anstatt auf Spezialkräfte zu warten seien sofort Beamte aus der nächstliegenden Polizeistation zum Tatort gefahren. Feuerwehrleute und Polizisten haben nach der Festnahme des Täters die Schule durchsucht, um sicherzustellen, dass der Täter allein war. "Es spricht nichts dafür, dass ein weiterer Täter sich in dem Gebäude befindet", erklärte ein Polizeisprecher.
Der Täter Der Täter ist 18 Jahre alt und Schüler der 13. Jahrgangsstufe der betroffenen Schule, des Gymnasiums Carolinum im fränkischen Ansbach. Die Polizei hatte das Alter des Täters in ersten Meldungen mit 19 Jahren angegeben. Er sollte in diesem Schuljahr sein Abitur machen. Schüler des Carolinums bezeichneten ihren Mitschüler im Bayerischen Rundfunk als "Einzelgänger". Was ihn antrieb, warum der Täter ausgerechnet die 8. Klasse stürmte, das Motiv - all diese Fragen sind noch offen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.
Bürgertelefon für Angehörige
Für alle Angehörigen von Schülern oder Lehrkräften am Gymnasium Carolinum wurde ein Bürgertelefon eingerichtet: Unter der Nummer 0981-14970 können Betroffene sich über die aktuelle Lage informieren.
Vor Ort Zahlreiche Einsatzteams sind vor der Schule. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Betroffene Schüler sind im Gebäude des naheliegenden Arbeitsamtes untergebracht. Einige sollen auch schon nach Hause gegangen sein. Psychologen und andere Betreeungspersonen kümmern sich um die Kinder. Am Freitag fällt der Unterricht aus.
Twitter Bei Twitter schreibt ein "JuliusKramer" über den möglichen Amoklauf. Er verbreitet, dass ein Schüler der 13. Klasse in einer 8. Klasse mit einem Messer um sich gestochen hat. Er befindet sich offenbar in der Nähe, gibt aber an, kein Augenzeuge zu sein. Für seine Familie sei es gut ausgegangen. >>>mehr
Politische Reaktionen Die bayerische Justizministerin Beate Merk zeigte sich erschüttert über die Tat. Kultusminister Ludwig Spaenle kündigte für 13 Uhr eine Pressekonferenz in Ansbach an.
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