Mordanschlag in Passau: Polizei sucht jetzt vier Verdächtige
zuletzt aktualisiert: 23.12.2008 - 21:17Passau (RPO). Rückschlag für die Ermittlungen im Fall Alois Mannichl: Das vor einer Woche wegen Beihilfe zum versuchten Mord an dem Passauer Polizeidirektor verhaftete Neonazi-Paar ist am Dienstag freigelassen worden. Die Ermittlungen hätten ihr Alibi "eher bestätigt", teilten Staatsanwaltschaft und Polizei in Passau mit.
Der dringende Tatverdacht sei nicht mehr aufrecht zu erhalten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe der Ermittlungsrichter die Aufhebung des Haftbefehls und die sofortige Freilassung angeordnet. Die 50 Mitglieder starke Sonderkommission sucht jetzt verstärkt nach zwei Männern mit auffälligen Schlangen- und Kreuz-Tattoos, hat aber momentan keine heiße Spur mehr.
Mannichl war am 13. Dezember vor seinem Haus im Passauer Vorort Fürstenzell von einem mutmaßlichen Neonazi niedergestochen worden. Ein Zeuge hatte ausgesagt, er habe die 22-jährige Frau und den 33-jährigen Mann am Tattag in Fürstenzell mit einem Mann gesehen, auf den die Täterbeschreibung zutreffen könnte.
Handydaten überprüft und Spürhunde eingesetzt
Das dem Umkreis der extremistischen "Freien Nationalisten" zugerechnete Ehepaar aus München bestreitet das aber und benannte mehrere Alibizeugen. Die Ermittlungen hätten ihre Alibis "nicht weiter entkräftet, sondern eher bestätigt", teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Dabei seien Handydaten überprüft und Suchhunde eingesetzt worden, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Die Polizei sucht jetzt nach einer Frau und drei Männern, die am Tattag in Fürstenzell gesehen worden waren – darunter ein Mann mit grünem Schlangen-Tattoo und ein anderer mit kreuzförmiger Tätowierung. Sie könnten sich im rechten Spektrum, Punker- oder Rockermilieu oder in der Gothic-Szene aufhalten. Ob sie mit dem Überfall auf Mannichl zu tun hätten, sei offen, teilte die Polizei mit.
Mannichl dankt für Lichterdemo
Mannichl dankte den 700 Einwohnern von Fürstenzell, die am Vorabend mit einer Lichterdemo ihre Solidarität bekundet hatten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus habe er sich gut von der Messerwunde in der Brust erholt und freue sich auf Weihnachten im Kreis seiner Familie, erklärte er in einer Mitteilung der Polizei Passau.
Der Zeitung "Passauer Woche" sagte er: "Ich bin kein Held! Meine Kollegen, die rund um die Uhr arbeiten, sind für mich Helden!" Er lasse sich von den Rechtsradikalen nicht klein kriegen und wolle möglichst bald wieder arbeiten.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sagte unserer Redaktion: "Ich bin optimistisch, dass die Straftat aufgeklärt wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Wenn der Hintergrund ermittelt sei, "wird der Schrecken groß sein, was in der rechten Szene für eine Brutalität herrscht und was sich dort insgesamt angestaut hat", sagte Freiberg.
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