Sachsen: Polizei war vor Hetzjagd auf Inder gewarnt
zuletzt aktualisiert: 20.08.2007 - 20:06Mügeln (RPO). Die sächsische Polizei ist vor den Übergriffen auf eine Gruppe Inder am Wochenende beim Altstadtfest in Mügeln offenbar über mögliche Ausschreitungen informiert gewesen.
Es sei angedeutet worden, dass es Probleme geben könnte, sagte der Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse am Montag dem Fernsehsender N24. Bei dem möglicherweise ausländerfeindlich motivierten Angriff waren in der Nacht zum Sonntag acht Inder von etwa 50 Deutschen angegriffen und über den Marktplatz gejagt worden. Die Ausländer fanden schließlich Schutz in einer Pizzeria. Sie erlitten der Polizei zufolge unter anderem Blutergüsse im Gesicht.
Deuse sagte, er habe die Polizei über die Gerüchte informiert. Eine Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen in Leipzig, Ilka Peter, sagte: "Es gab Gerüchte über einen Überfall auf einen Jugendclub, und die kannten wir und sind denen auch nachgegangen, aber was Konkretes wussten wir nicht."
Alle acht Inder, vier Angreifer und zwei Polizisten wurden bei dem Vorfall verletzt. Ein Inder und ein Deutscher mussten ins Krankenhaus gebracht werden, der Deutsche wurde inzwischen wieder entlassen. Die Polizei richtete eine Sonderkommission ein. Noch in der Tatnacht wurden zwei Verdächtige, ein 21- und ein 23-Jähriger, festgenommen. Sie befinden sich wieder auf freiem Fuß, gegen sie wird aber weiter ermittelt.
Während des Angriffs seien "Ausländer raus"-Rufe laut geworden, sagte der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Steffen Bergt, am Montag. Passanten hätten nicht eingegriffen, sondern tatenlos dabei zugesehen, wie die Inder zusammengeschlagen worden seien. Die Polizei ermittele derzeit in alle Richtungen.
Auslöser der Hetzjagd war ein Streit kurz vor 01.00 Uhr auf der Tanzfläche im Festzelt, wie die Polizei mitteilte. Die Inder hätten das Zelt schließlich verlassen und seien draußen von den Deutschen attackiert worden. Gegenüber liege eine Pizzeria, die von einem Inder betrieben werde. Dorthin seien die Angegriffenen gerannt, und der Wirt habe sie durch einen Nebeneingang hereingelassen.
"Eine Gruppe von zirka 50 deutschen Veranstaltungsteilnehmern und zahlreiche Schaulustige folgten den Flüchtenden", berichtete die Polizei weiter. Einige hätten die Eingangs- und Hintertür eingetreten und das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschädigt. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben mit 70 Einsatzkräften ein und drängte die Angreifer ab. Zwei Polizisten seien ambulant behandelt worden.
Bei den Opfern handelte es sich um eine Gruppe indischer Männer, " teilweise Markthändler und hier in der Gegend lebende Personen. Die wollten einfach mitfeiern", sagte Peter.
Der Mügelner Bürgermeister Deuse äußerte im MDR die Vermutung, dass es sich bei den Tätern um Auswärtige gehandelt haben könnte. "Wenn es rechtsextreme Geschehnisse waren, dann kamen die Täter nicht aus Mügeln", sagte er. Es sei in zwölf Jahren Altstadtfest der erste derartige Vorfall gewesen. "Mügeln mit seinen 5.000 Einwohnern hat sich einen guten Ruf aufgebaut, hier gibt es keine Rechtsextremen."
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verschaffte sich am Montagabend am Ort des Geschehens einen Überblick über die Vorfälle. "Solche Gewaltausbrüche sind nicht hinnehmbar", sagte Milbradt. Die Vorfälle müssten rasch aufgeklärt werden. Den indischen Restaurantbesitzern sicherte er zu, dass die Polizei für ihren Schutz sorgen werde.
Milbradt sagte weiter, es habe erhebliche Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und der alkoholisierten Menschenmenge gegeben. Bis zu einem endgültigen Urteil müssten aber noch Zeugen gehört werden. Nach Angaben des designierten Landespolizeipräsidenten Bernd Mergetz wird zudem wegen Volksverhetzung ermittelt.
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