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Ehrenamtliche in Uniform
Polizeigewerkschaften kritisieren Hilfspolizei

Polizeigewerkschaft: Rainer Wendt kritisiert Hilfspolizei
Eine echte und eine "Schatten"-Polizei? Die Polizeigewerkschaften lehnen dieses Modell ab. FOTO: Archiv
Frankfurt/Main. Sie sollen in Uniform für Recht und Ordnung sorgen - sind aber keine Beamten: Polizeihelfer. Für Polizeigewerkschaften sind die ehrenamtlichen Helfer eher untauglicher Ersatz, als sinnvolle Hilfe im Alltag.

Den Einsatz ehrenamtlicher Bürger als Hilfspolizisten beobachten die Polizeigewerkschaften mit Sorge. Die Streichung von Polizeistellen dürfe nicht durch freiwillige Polizeihelfer kompensiert werden, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Rüdiger Holecek, der Deutschen Presse-Agentur. Mit Hobby-Polizisten kaschierten die Länder ein akutes Personalproblem, lösten es aber nicht. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, bezeichnete Polizeihelfer als "Billiglösungen", die dem Bürger mehr Polizeipräsenz vortäuschen sollen.

"Wir haben nichts gegen ein Engagement der Bürger wenn es um öffentliche Ordnung geht", sagte Wendt. Wenn es aber Polizeidienst genannt werde, habe es ein "Geschmäckle". "Wo Polizei drauf steht, sollte auch Polizei drin sein", forderte Wendt.

Deutschlandweit gibt es rund 2700 freiwillige Polizeihelfer. In ihrer Freizeit gehen die Männer und Frauen in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Hessen auf Streife und sollen dort für Recht und Ordnung sorgen. Für ihre Arbeit erhalten die Ehrenamtlichen in der Regel eine kleine Aufwandsentschädigung. Weil die Organisation der Polizei Aufgabe der Länder ist, haben die Hilfssheriffs unterschiedliche Befugnisse.

So genießen Polizeihelfer in Baden-Württemberg die Stellung von Polizeibeamten und dürfen etwa Pistolen und Handschellen bei sich tragen. In Bayern, Hessen und Sachsen dagegen sollen die Freiwilligen etwa in Parks oder auf Veranstaltungen Präsenz zeigen. Sie können Bürger befragen, ihre Personalien feststellen und Platzverweise aussprechen. Sie sind zur Eigensicherung vielerorts mit Pfefferspray ausgerüstet.

Aus Sicht der Gewerkschaften sind Polizeihelfer wegen ihrer Befugnisse in Bayern, Sachsen und Hessen für die Beamten eher eine Last als eine Hilfe. Polizisten müssten auf ihre freiwilligen Kollegen oft aufpassen, denn gewaltsame Übergriffe auf Uniformierte seien in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, sagte Holecek. Wendt kritisierte "übermotivierte" Helfer, die bei Kleinigkeiten sofort die Polizei riefen, wo es gar nicht nötig sei.

(dpa)
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