Bluttat von Heilbronn: Polizistenmord - ein Racheakt?
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 27.04.2007 - 06:22Düsseldorf/Heilbronn (RP).Der Mord in Heilbronn geht möglicherweise auf das Konto der Drogenmafia. Die Arbeit werde immer gefährlicher, klagt die Gewerkschaft der Polizei. In NRW hefteten die Beamten gestern Trauerflore an ihre Autos.
In Heilbronn war am Mittwoch in der Nähe eines Veranstaltungsgeländes eine 22-jährige Polizistin tot neben dem Dienstfahrzeug aufgefunden worden. Sie war durch einen Kopfschuss umgebracht worden. Neben ihr lag ihr 24-jähriger Kollege, der ebenfalls mit einem Kopfschuss niedergestreckt worden war. Er erlitt schwere Verletzungen und schwebt noch immer in Lebensgefahr. Sein Gesundheitszustand sei inzwischen zwar stabil, aber weiterhin kritisch. Angaben zum Tathergang konnte der junge Beamte bislang nicht machen. Die Dienstwaffen und Handschellen der beiden Polizisten fehlen. Über die Täter und ihre Motive herrschte zunächst Unklarheit.
Nach Angaben des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, hatte die Polizei kurz vor dem Mord einen Einsatz in der Heilbronner Drogenszene. Sie sei in der Nähe des Tatorts „aufgeschlagen. Da gab es große Verärgerung unter den Drogendealern“, sagte Freiberg gestern unserer Zeitung. Allerdings sei es noch zu früh, um Rückschlüsse auf einen möglichen Racheakt zu ziehen. Fest stehe jedoch, dass die Gewalt gegen die Polizei generell wachse. Die Brutalisierung der Gesellschaft nehme zu, und „unsere Arbeit wird immer gefährlicher“.
"Wer das einmal macht, macht es vielleicht auch wieder"
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hatte gestern als erster von einem möglichen Racheakt gegen die Landespolizei gesprochen. Er schloss nicht aus, dass es weitere Anschläge dieser Art geben könnte: „Wer das einmal macht, macht es vielleicht auch wieder“, so der CDU-Politiker. Die SPD-Opposition im baden-württembergischen Landtag warf Günther Oettinger daraufhin vor, er habe Ermittlungsdetails öffentlich gemacht hat, die die Polizei strikt geheim halten wollte.
Die Ermittlungsbehörden nehmen an, dass es sich um mindestens zwei Täter handelt. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass aus zwei verschiedenen Waffen geschossen worden sei, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Es soll einen Zeugenhinweis geben, wonach ein blutverschmierter Mann, der außer Atem gewesen sei, beinahe eine Frau umgerannt habe. Er sei auf den Rücksitz eines Autos geklettert, das davongerast sei. Inzwischen ermittelt eine 35-köpfige Sonderkommission.
"Die aktuelle Sprache der Straße"
Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Baden-Württemberg, Joachim Lautensack, erklärte gestern, Brutalität und Aggression seien „die aktuelle Sprache der Straße“. Es nutze den Polizeibeamten nichts, wenn die Politiker sich nun vor sie stellten, aber bei der nächsten Haushaltsberatung wieder einmal an Gedächtnisverlust litten. Das Innenministerium ordnete an, die Polizeifahrzeuge mit Trauerflor zu versehen.
Auch in Nordrhein-Westfalen bekundet die Polizei seit gestern auf diese Weise ihre Trauer über ihre ermordete Kollegin. Nach Angaben des NRW-Innenministerium sind die Polizisten außerdem gehalten, ihre Unterzieh-Schutzwesten zu tragen. Sie seien nach dem spektakulären Polizistenmord 1999 im Ruhrgebiet für alle Beamten angeschafft worden. Damals waren drei Beamte von einem 35-Jährigen auf offener Straße erschossen worden. Auch die beiden Überfallopfer in Heilbronn hatten Schutzwesten getragen.
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