Krawalle bei "Anti-Islamisierungs-Kongress": "Pro Köln"-Funktionär angegriffen
zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 16:20Köln (RPO). Gewalttätige Proteste halten die Polizisten in Köln in Atem. Steine und Farbbeutel fliegen hin und her. Demonstranten verhinderten gewalttätig eine Pressekonferenz von "Pro Köln". Ein Funktionär der rechtspopulistischen Bürgervereinigung wurde angegriffen und verletzt.
"Pro Köln"-Vorstandsmitglied Bernd Schöppe wurde bei dem internationalen Treffen von Rechtsradikalen in Köln am Freitag angegriffen und verletzt. Nach Polizeiangaben hatte der Mann am Vormittag versucht, in das Rathaus im Stadtteil Rodenkirchen zu gelangen und war dabei von Linksautonomen erkannt und attackiert worden.
Daraufhin habe der Mann die Polizei um Schutz gebeten. In anderslautenden Medienberichten war zunächst von einem Übergriff von Rechtsextremisten auf eine südländische Person die Rede gewesen.
"Pro Köln"-Pressekonferenz verhindert
Krachend fliegen faustgroße Steine gegen das von Pro Köln gemietete Schiff "Moby Dick". Dort wollte die rechtspopulistischen Bürgerbewegung am Freitag die Pressekonferenz zu ihrem umstrittenen "Anti-Islamisierungs-Kongress" abhalten - doch als die Glasscheiben des Schiffes splittern, legt es ab und verschwindet unter den Pfiffen der Kongressgegner rheinabwärts. Die Polizei nimmt sechs Personen fest, einige Demonstranten greifen zu den Handys: "Wo müssen wir jetzt hin?"
Für "Pro Köln" und "Pro NRW" lief es bei der Veranstaltung am Freitag von Anfang an nicht gut: Die Gegendemonstranten zeigten deutlich, dass sie den Rechtspopulisten keinen Meter Raum lassen wollten. Bereits am Morgen versammelten sich etwa 100 bis 150 von ihnen mit "Nazis raus"-Transparenten vor dem Bezirksrathaus in Rodenkirchen, wo der Treffpunkt für die Auftakt-Pressekonferenz des Kongresses sein sollte.
Die Kongressgegner hinderten zwei Vertreter von "Pro Köln" und "Pro NRW" teils mit körperlicher Gewalt daran, ins Rathaus zu gelangen, warfen mit Farbbeuteln und Eiern nach den beiden Männern. Immer wieder erhoben sich "Haut ab"- und "Schämt euch"-Sprechchöre. Die Polizei bildete schützende Ketten um die Männer und schirmte sie vor den Demonstranten ab. Der Rodenkirchener Bürgeramtsleiter Reiner Lindlahr stellte derweil klar, dass die Rechtspopulisten ohnehin keinen Zutritt bekommen hätten: "Pro Köln hat kein Recht, das Rathaus für eine Pressekonferenz zu nutzen", sagte er. "Wir haben unser Rathaus gesichert."
Kölner versammelten sich zu Menschenkette in Ehrenfeld
Die "Moby Dick" mit den Kongressteilnehmern von "Pro Köln" stoppte am Mittag nach längerer Fahrt bei Köln-Niehl in der Mitte des Rheines und wurde dort über Stunden von Polizeischiffen geschützt. Später wollten die Teilnehmer in Busse umsteigen und zu einer Tour durch verschiedene Stadtteile Kölns aufbrechen - unter anderem zu dem Ort der in Köln-Ehrenfeld geplanten neuen Moschee, gegen die sich der Protest richtet.
Dort versammelten sich am Freitag ebenfalls mehrere hundert Kölner, um gegen den "Anti-Islamisierungs-Kongress" zu protestieren. Mit einer Menschenkette und zahlreichen bunten Luftballons demonstrierten die Menschen dort für kulturelle Vielfalt und gegen Rassismus.
Angesichts der massiven Proteste wurde zudem die geplante Bustour der rechtspopulistischen Bürgervereinigung durch die Stadt abgesagt. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben eine Platzsperre ausgesprochen. Die Rechtsextremen, die das Treffen als "Anti-Islamisierungs-Kongress" angekündigt hatten, wollten ursprünglich Stadtteile mit hohem Anteil muslimischer Bevölkerung mit dem Bus durchqueren.
Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet sagte am Rande der Veranstaltung, die Kölner hätten gezeigt, dass sie ihre Stadt nicht zum Treffpunkt Rechtsradikaler werden lassen wollten. Für "Pro Köln" sei die Veranstaltung ins Gegenteil umgeschlagen. "Die Maske ist herunter", sagte Laschet: "Das ist keine bürgerliche Gruppe, das ist eine rechtsradikale Gruppe."
Großkundgebung in der Innenstadt am Samstag
Die vor allem durch ihren Widerstand gegen den Bau einer repräsentativen Moschee in Köln bekanntgewordene Bürgerbewegung "Pro Köln" hatte zu dem "Anti-Islamisierungs-Kongress" zahlreiche Gesinnungsgenossen aus Frankreich, Italien und Österreich eingeladen. Am Samstag soll auf einer öffentlichen Großkundgebung auf dem Kölner Heumarkt unter anderem der Fraktionsvorsitzende der rechtsextremen belgischen Partei Vlaams Belang, Filip Dewinter, reden.
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