Polizistenmord in Heilbronn: Profil einer Serienmörderin
VON JÜRGEN STOCK - zuletzt aktualisiert: 29.06.2007 - 10:00Düsseldorf (RP). Die Polizei jagt eine Frau, die mindestens drei Menschen umgebracht hat, darunter die Polizistin Michelle K. in Heilbronn. Die Fahnder wissen vieles von der Täterin. Doch ihren Namen kennen sie nicht.
Die Blutspuren ihrer Verbrechen ziehen sich durch Deutschland, Österreich und Frankreich. Schon seit Jahren wissen Fahnder, dass eine zu allem entschlossene Kriminelle raubend und mordend umherzieht. Zuletzt war die Unbekannte an der Ermordung der 22-jährigen Polizistin Michelle K. in Heilbronn beteiligt. „Wahrscheinlich sind die von ihr begangenen Verbrechen, die wir kennen, nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Schmid von der Polizei Freiburg.
Dort sucht die Sonderkommission St. Georgen seit 2001 die Mörderin des 61 Jahre alten Rentners Josef Walzenbach. Dem Mann wurde in seiner Wohnung von hinten mit einem stumpfen Gegenstand der Schädel eingeschlagen. Anschließend erdrosselte jemand das hilflose Opfer. Am Tatort fanden sich die gleichen DNA-Spuren wie beim Mord an der Rentnerin Lieselotte Schlenger, die 1993 in Idar-Oberstein Opfer eines brutalen Raubmordes wurde. Um ihren Hals war ein Blumendraht geschlungen. Möglicherweise kennen zwei in Österreich einsitzende Einbrecher die Täterin. Ihre DNA fand sich zum Teil an den gleichen Tatorten wie die der Gesuchten. Aber die beiden Osteuropäer schweigen – trotz 100 000 Euro Belohnung.
Serienmörderinnen
Bekannteste Serienmörderin der jüngeren Vergangenheit ist vermutlich die Prostituierte AileenWournos, die 2002 in den USA mit einer Giftspritze hingerichtet wurden. Nach ihrem Fall entstand der Film „Monster“, für den Charlize Theron einen Oscar erhielt.
Von 2000 bis 2001 ermordete die 1981 geborene drogensüchtige Deutsche Janette K. mit einem Komplizen drei Männer in Spanien, Holland und Belgien und raubte sie aus.
Weitere Fälle stellt Stephan Harbort in seinem Buch „Das Serienmörder-Prinzip“ (Droste) vor.
Ist die Mörderin eine Wahnsinnige? „Ich glaube nicht, dass die Frau geistig krank ist. Dafür gibt es zu deutliche Anzeichen von planvollem Vorgehen“, sagt der Düsseldorfer Kriminalist Stephan Harbort, Autor einer Studie über Serienmörder. „Allerdings zeigt die Frau deutliche Zeichen einer schweren Persönlichkeitsstörung. Sie ist offenbar nicht bereit, sich irgendwelchen Werten unterzuordnen.“
Offenbar verkehrt die Frau im Drogenmilieu. So verletzte sich in Gerolstein ein Kind an einer Einwegspritze mit Resten eines Heroingemischs, die sie weggeworfen hatte. Bei zahlreichen Einbrüchen, die sie zum Teil mit männlichen Komplizen beging – die letzte Spur vor dem Heilbronner Mord stammt aus Österreich – wurden Gegenstände von relativ geringem Wert gestohlen.
„Das spricht dafür, dass die Frau vermutlich in großer Armut lebt“, sagt Harbort. Allerdings halte sie sich wohl nicht in den typischen Obdachlosenkreisen auf. „Diese Menschen haben meist ein festes Revier, in dem sie ihre Schlafplätze kennen. Die Täterin aber bewegt sich über große Strecken.“
Der Düsseldorfer hält einen Ermittlungsersatz der Freiburger Fahnder für plausibel, die im Drückermilieu nach der Täterin suchte. Zeugen in Trier und Freiburg hatten beobachtet, dass kurz vor den Morden Werberkolonnen unterwegs waren und an den Haustüren klingelten. „Der Schlüssel zu dem Fall liegt in der Gruppe, in der diese Frau sich bewegt“, sagt Harbort.
Offenbar hätten diese Menschen einen starken Zusammenhalt und nur wenige Kontakte nach außen. Das würde auch erklären, warum es aus diesem Milieu trotz einer Belohnung von 100 000 Euro keine Hinweise für die Ermittler gab.
Ungeklärt ist bislang die Bedeutung einer weiteren DNA-Spur der Frau aus dem Jahr 2005, die in Zusammenhang mit einem versuchten Totschlag in Worms gesichert wurde. Ein 46-jähriger Möbelhändler hatte während Auseinandersetzungen innerhalb einer mehrere hundert Köpfe zählenden Sippe auf seinen Bruder geschossen. An einem der Projektile fand sich die Spur der Gesuchten. Aber für diese Tat kommt sie nicht in Frage.
Harbort kann sich auch vorstellen, dass die Frau möglicherweise gar nicht die treibende Kraft hinter den Verbrechen ist, sondern, dass sie von einem der Gruppenmitglieder abhängig ist. Dann wäre sie nur der tödliche Lockvogel.
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