Koblenz: Prozess gegen mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied
zuletzt aktualisiert: 01.12.2008 - 12:58Koblenz (RPO). Der 46-jährige Deutsch-Pakistaner Aleem N. muss sich seit Montag vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Koblenz verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz vor.
Der Prozess hat unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Der 46-jährige Angeklagte ließ direkt zum Auftakt über seinen Anwalt mitteilen, dass er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch mache. In einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Stern" im September 2007 hatte Aleem N. behauptet, er sei in Pakistan unter Folter zu einem Geständnis gezwungen worden. Neben diesem Artikel wurden zum Prozessauftakt auch private Aufzeichnungen des Angeklagten verlesen.
Aleem N. soll zwischen 2005 und 2007 in Deutschland neue Kämpfer für Al Qaida angeworben sowie die Terrororganisation mit Ausrüstung und Geld versorgt haben.
Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, wurde Aleem N. bei einem seiner Besuche im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet im Umgang mit Sprengstoffen ausgebildet. Bei dieser Ausbildung habe er sich am rechten Unterarm verletzt. Der 46-Jährige, der mit einer Deutschen verheiratet ist und zuletzt als Schmuckhändler tätig war, beteuert seine Unschuld. Der gebürtige Pakistaner gilt bereits seit 2001 als potenziell gefährlich. Aber erst Anfang 2008 reichten die Beweise aber für eine Verhaftung aus.
Reisen in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet
Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft soll der Angeschuldigte, der regelmäßig nach Pakistan reiste, spätestens im Sommer 2004 mit Verantwortlichen der Al Qaida im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vereinbart haben, sich an den Aktivitäten der Al Qaida zu beteiligen. Auftragsgemäß habe der Angeschuldigte zwischen April 2005 und Juni 2007 mindestens vier Reisen in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet unternommen.
Dabei soll er in einem Fall 15.000 Euro an Verantwortliche der Al Qaida übergeben haben, bei den weiteren drei Reisen jeweils mindestens 4000 Euro Bargeld sowie verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie Ferngläser, Funkgeräte, Nachtsichtgeräte, Laser-Entfernungsmesser, Digitalkompasse, ein Richtmikrofon und ein Wanzenaufspürgerät.
Der Angeschuldigte wurde am 14. Februar dieses Jahres in seiner Wohnung in Germersheim festgenommen. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft.
Hinrichtungs- und Attentatsvideos
Im Sommer 2004 habe er einen potenziellen Kämpfer nach Pakistan vermittelt, jedoch sei die Weiterreise in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet nicht zustandegekommen, berichtete die Bundesanwaltschaft. Im Jahr 2006 habe er eine in Deutschland lebende Person gewonnen, die sich - versehen mit einem Empfehlungsschreiben des Angeschuldigten - zur Ausbildung in ein Lager der Al Qaida begeben habe.
Anfang des Jahres 2007 soll der Angeschuldigte zwei weitere Personen mit Empfehlungsschreiben von Deutschland aus auf die Reise zu Ausbildungslagern der Al Qaida geschickt haben, wobei lediglich eine Person den Zielort erreicht habe und dann im Umgang mit Sprengstoffen ausgebildet worden sei.
Für die Werbung neuer Mitglieder und Unterstützer besaß der Angeschuldigte laut Bundesanwaltschaft ferner mehrere Propaganda-, Hinrichtungs- und Attentatsvideos.
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