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Prozess gegen Werner Mauss
Vom Staubsaugervertreter zum Geheimagenten

Prozess gegen Werner Mauss: Der deutsche 007
Der Ex-Geheimagent Werner Mauss steht in Bochum wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. FOTO: dpa, a kno
Bochum. Er soll 15 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben - derzeit steht der ehemalige Geheimagent Werner Mauss in Bochum vor Gericht. Im Prozess müssen die Richter zwischen Geheimnissen und Legenden nach der Wahrheit suchen. Wer ist eigentlich Werner Mauss?  Von Franziska Hein

Es ist gar nicht leicht, dem "Phantom" Werner Mauss auf die Spur zu kommen. Jahrzehntelang gab es nicht mal ein öffentliches Foto des Geheimagenten. Nun ist er angeklagt, weil er 15 Millionen Euro Steuern nicht gezahlt haben soll. Das Landgericht Bochum entscheidet über seinen Fall und muss sich mit Dubiosem aus Mauss' Vergangenheit beschäftigen. Und das ist gar nicht so leicht, denn das, was über seine Biografie bekannt ist, stammt meist von ihm selbst. Ein Annäherungsversuch. 

Warum steht Werner Mauss vor Gericht? 

Dem 76-jährigen Geheimagenten wird Steuerhinterziehung vorgeworfen. Er soll laut Anklageschrift Millionenbeträge auf geheimen Konten im Ausland versteckt und die Gewinne nicht versteuert haben. Die Anklage basiert vor allem auf Daten einer Steuer-CD, die der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans im Jahr 2012 gekauft hat. Sie stammt von einem Mitarbeiter der Schweizer Großbank UBS. Noch im selben Jahr wurde Mauss' Anwesen im Hunsrück durchsucht, Haftbefehl erlassen. Mauss kam gegen eine Kaution von einer Million Euro frei. Im Prozess geht es um Nummernkonten, Firmen und dubiose Stiftungen. Mauss soll seit den späten 1980er Jahren unter verschiedenen Aliasnamen immer wieder Geld im Ausland angelegt haben. Er soll zwischen 2002 und 2013 Gewinne aus Kapitalanlagen von mehr als 40 Millionen Euro verheimlicht haben. Die Steuerschuld beträgt 15 Millionen Euro. Der Prozess läuft seit Ende September, ein Urteil wird im Dezember erwartet.

Was sagt Mauss zu den Vorwürfen?

Der Agent verteidigt sich bislang schweigend. Vor dem Prozess wiesen seine Verteidiger auf die Geheimhaltungspflicht ihres Mandanten hin. Über seine Anwälte ließ Mauss außerdem mitteilen, die Konten gehörten ihm nicht. Stattdessen handele es sich bei dem Konto um einen Treuhandfonds, den seine Auftraggeber eingerichtet hätten für geheime Missionen des Agenten. Daher sei er auch nicht für die Versteuerung verantwortlich. Die Richter glauben dieser Aussage nicht. Sie wollen Hinweise darauf haben, dass Mauss eine Erbregelung für die Konten getroffen habe, so dass Familienangehörige davon profitieren würden. 

Was tut die Verteidigung? 

Die Anwälte von Mauss halten an der These fest, dass das Geld auf dem Konto unter anderem vom Vatikan und von anderen westlichen Staaten stammt, als Unterstützung für Mauss' Einsätze. Die Verteidigung legte am Dienstag mehrere Schreiben vor. Eines davon stammt vom Kurienkardinal Dario Castrillón Hoyos, der die Einrichtung des Geheimfonds bestätigt, aber die Richter können bislang nicht zuordnen, welche Rolle der Kardinal überhaupt einnimmt. Ebso steht der ehemalige israelische Verteidigungs- und Umweltminister Amir Perez auf der Zeugenliste der Verteidigung. Seine Schreiben wurden ebenfalls verlesen. Auch er bestätigt den Treuhandfonds. Vor Beginn des Prozesses hatte die Süddeutsche Zeitung eine Geschichte über Werner Mauss veröffentlicht. Die Journalisten hatten genau diesen Minister gesprochen. Demnach soll der ehemalige Minister alle Informationen in seinen vier Briefen von Mauss bekommen haben. "Mauss habe ihn um die Briefe gebeten. Er selbst habe keine persönliche Kenntnis von dem Treuhand-Fonds", schreibt die Zeitung. Ob der Kardinal und der ehemalige israelische Minister im Prozess als Zeugen geladen werden, ist noch nicht klar. 

Was ist über Mauss' Vergangenheit bekannt?

Wer im Zuge des Prozesses die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen erwartet, dürfte enttäuscht werden. Das, was öffentlich über Werner Mauss bekannt ist, geht zum Teil auf Eigeninformationen des Ex-Agenten zurück. Er betreibt eine Internetseite, in dem er einige seiner Missionen und seinen bisherigen Werdegang aufzählt. Er schreibt dort, er habe sich zum Landwirt ausbilden lassen und habe sich dann Anfang der 1960er Jahre zum Kriminalisten und Detektiv ausbilden lassen. Seinen beruflichen Erfolg verdankt er nach eigener Aussage seinem "Kombinationsgenie". Weil es ihm während seiner Ausbildung an Geld mangelete, arbeitete er unter anderem als Staubsaugervertreter. Seit 1983 ist er mit Letizia Mauss verheiratet.

Was ist über die Agententätigkeit bekannt? 

Als Agent hat Mauss nach eigener Aussage unter anderem für das Bundeskriminalamt gearbeitet. Außerdem soll er in Zusammenarbeit mit Interpol mehrere Raubüberfälle aufgeklärt haben. Mauss schreibt auf seiner Internetseite, dass er bei der Festnahme des mutmaßlichen RAF-Terroristen Rolf Pohle 1976 in Athen mitgewirkt hat. In einem anderen Fall soll er 1987 an Verhandlungen mit der schiitischen Miliz Hisbollah teilgenommen haben und die Freilassung von zwei Geiseln mitbewirkt haben. Ab 1984 war Mauss nach eigenen Angaben in Kolumbien aktiv. Er soll von der Mannesmann AG beauftragt worden sein, den Bau einer Pipeline gegen den Widerstand von marxistischen Guerilla-Gruppen der ELN durchzusetzen. Diese Kontakte nutzte Mauss, um 1995 im Auftrag des Bundeskanzleramts die Freilassung eines von der ELN entführten Europäers zu erreichen. Aus seiner Zeit in Kolumbien kennt Mauss wahrscheinlich auch den jetzigen Kurienkardinal Dario Castrillón Hoyos. 

Was haben die jetzt aufgetauchten illegalen Parteispenden mit dem Prozess zu tun? 

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat Mauss mehrmals über eine Briefkastenfirma in Panama und einen Anwalt als Mittelsmann an die rheinland-pfälzische CDU gespendet – und zwar auch direkt an den Kreisverband Cochem-Zell. Dort lebt Mauss seit Jahren abgeschottet auf einem Anwesen mit seiner Familie. Die rheinland-pfälzischen CDU-Politiker Peter Bleser und Julia Klöckner sollen ihn dort auch einmal besucht haben. Die Spenden gehen auf die Firma "Nolilane N. V." zurück, die in den Panama Papers auftaucht und nach Recherchen der SZ auf Mauss zurückgeht. Als Teil des Konstrukts aus Briefkastenfirmen und Stiftungen wird die Firma "Nolilane" vermutlich auch in den Prozessakten auftauchen.  

 
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