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Sieben Jahre und neun Monate Haft
Ehemaliger Bamberger Chefarzt wegen Vergewaltigung verurteilt

Prozess in Bamberg: Ehemaliger Chefarzt wegen Vergewaltigung verurteilt
Der frühere Chefarzt wies alle Vorwürfe von sich. FOTO: dpa, nar cul sja
Bamberg. Das Landgericht Bamberg hat am Montag in einem bundesweit beachteten Vergewaltigungsprozess den früheren Chefarzt des Klinikums der oberfränkischen Stadt zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Dreimal platzt es während des Urteilsspruchs wütend aus Heinz W. heraus. Erst mit der Androhung eines Bußgelds bringen ihn der Richter und der Oberstaatsanwalt zum Schweigen. Der zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilte ehemalige Chefarzt des Bamberger Klinikums ist tief gefallen, doch gebrochen ist er nicht. Er sieht sich als ein Justizopfer - das Gericht dagegen sieht bei ihm sexuelle Abgründe.

Der inzwischen 51-jährige W. galt bis zu seiner Festnahme im Sommer 2014 als eine der Koryphäen der Gefäßchirurgie in Deutschland. Doch eine junge Medizinstudentin zerstörte mit ihrer Anzeige dieses Bild.

Die Frau machte damals als Praktikantin in W.s Abteilung bei einer angeblichen Studie mit. Doch weil sie danach unerklärliche Gedächtnislücken hatte, ließ sie sich von ihrem Vater - selbst ein Arzt - eine Blutprobe entnehmen. Das Ergebnis: Sie war ohne ihre Zustimmung betäubt worden.

Was in der Zeit der Betäubung geschah, hat der Arzt mit 18 Fotos und einem dreizehnminütigen Video dokumentiert. In dem zu großen Teilen unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Verfahren waren die Bilder gezeigt worden.

Sexspielzeug anal und vaginal eingeführt

Richter Manfred Schmidt schildert nun in seinem Urteil, dass W. Sexspielzeug anal und vaginal bei der wehrlosen Frau einführte. Das bestreitet W. auch gar nicht - er nennt es bei dieser und bei elf weiteren Frauen aber medizinisch notwendig.

Für den Richter eine nachgewiesene Falschbehauptung: "Hier zu behaupten, dass die medizinische Indikation in allen Fällen das Maßgebliche war, ist für uns ausgeschlossen."

Es ist ein wohl nur aus der egozentrischen Persönlichkeit des Arztes heraus zu erklärendes Phänomen des mit über hundert Zeugenbefragungen detailreich geführten Prozesses, dass der Angeklagte bis zum Ende an seiner Version festhält. Noch unmittelbar vor der Urteilsbegründung spricht er von "völlig absurden Anschuldigungen". Zu seinen Taten sagt er: "Stets und ausschließlich wurden sämtliche Untersuchungen medizinisch notwendig durchgeführt."

Absurde Behandlungsmethoden

Doch dem widersprechen nicht nur Staatsanwalt und Richter. Auch die in dem Prozess als Zeugen gehörten Ärzte halten die vermeintlichen Behandlungsmethoden für absurd.

Zwei Verhaltensweisen von W. sind nicht nur den Experten unerklärlich: Er machte die Videos und Bilder des Intimbereichs seiner Opfer, ohne sie irgendwo zu dokumentieren oder die Frauen darüber zu informieren. Und er betäubte die Patientinnen ohne deren Zustimmung und Wissen.

Mit dem Urteil hadern am Ende des Prozesses allerdings alle Prozessbeteiligten. Natürlich in erster Linie der einstige Chefarzt, der Familienvater geht laut seiner Verteidigerin "selbstverständlich" in Revision.

Staatsanwaltschaft nicht zufrieden

Aber auch die Staatsanwaltschaft hadert. Sie wollte für W. die Höchststrafe von fünfzehn Jahren Haft und ein lebenslanges Berufsverbot - nun soll dieser nur etwa halb so lang ins Gefängnis und lediglich fünf Jahre nicht praktizieren dürfen.

Besonders getroffen ist die junge Frau, die den Fall erst ins Rollen gebracht hat. Diese war von der Verteidigung des Angeklagten im Prozess massiv angegangen worden und in die Ecke einer Betäubungsmittelabhängigen gerückt worden - was das Gericht als widerlegt bezeichnete.

"Meiner Mandantin ging es nicht um Rache, es ging ihr immer um Wahrheit", sagt ihr Rechtsanwalt Jürgen Scholl. Nicht verstehen könne sie nun, dass die vielen Unterstellungen von W. nicht im Strafmaß berücksichtigt seien.

Und "gar nicht nachvollziehen" könne sie, dass W. womöglich irgendwann wieder als Arzt praktizieren dürfe - die insgesamt zwölf Opfer leiden bis heute unter dem Schock, von einem Arzt ihres Vertrauens missbraucht worden zu sein.

(felt/bur/das/AFP)
 
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