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Berlin
Blitz-Raub in Berliner KaDeWe vor Gericht

Prozessbeginn um Blitz-Raub in Berliner KaDeWe
Der Angeklagte Khalil El-Z. versteckt sein Gesicht im Landgericht hinter einer Zeitung. FOTO: dpa, pil
Berlin. Mitten im Vorweihnachts-Trubel 2014 hatten Vermummte in das Luxuskaufhaus KaDeWe gestürmt, nach 79 Sekunden flohen sie mit Uhren und Schmuck im Wert von 817.000 Euro. Nun stehen drei Verdächtige vor Gericht. Von Anne Baum

Zwei Männer sitzen hinter Panzerglas, der dritte kommt als freier Mann in den Gerichtssaal: Elf Monate nach dem Blitz-Raub im Luxuskaufhaus KaDeWe ist am Mittwoch in Berlin der erste Prozess gestartet. Zwei 26- und 29-jährige Cousins sollen mitten im vorweihnachtlichen Trubel mit Komplizen Schmuck und Uhren im Wert von 817.000 Euro erbeutet haben. Einem 27-Jährigen wird Beihilfe vorgeworfen. Bei der Polizei soll er die Hauptangeklagten "direkt belastet" haben.

Die Dreistigkeit der Räuber erregte bundesweit Aufsehen: Um 10.24 Uhr stürmten die Täter am 20. Dezember 2014 in das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in der Nähe des Kurfürstendamms. Maskiert, bewaffnet, mit Reizgas um sich sprühend. So zeigten es die Überwachungskameras. 16 Menschen wurden bei dem Überfall am vierten Adventssamstag durch Reizgas verletzt. Eine Frau soll einen Asthmaanfall erlitten haben.

"Die Täter begaben sich gezielt zu den Geschäften der Firmen Chopard und Rolex", heißt es in der Anklage. Mit Äxten und Macheten hätten die Räuber mehrere Vitrinen zertrümmert. "Sie verließen nach 79 Sekunden mit 15 Uhren und fünf Schmuckstücken den Tatort."

Bewaffneter Überfall aufs KaDeWe FOTO: dpa, pdz fdt

Beute bleibt verschwunden

Die Männer hinter Panzerglas folgen den Vorwürfe ohne äußere Regung. Laut Anklage soll es insbesondere Aufgabe dieser mutmaßlichen Täter gewesen sein, nach dem Überfall die Beute abzusetzen. Ob es gelungen ist, blieb bislang unbekannt. "Über den Verbleib der Beute wissen wir nichts", sagt Staatsanwältin Susann Wettley vor Gericht.

Gefunden aber wurde das Fluchtfahrzeug. Ein schwarzes Auto mit einer noblen Ausstattung. Über den Wagen war der 27-Jährige ins Visier der Ermittler geraten. Im März wurde er festgenommen. Er gestand Angaben zufolge, den Wagen anderen Männern überlassen zu haben. Kurz darauf wurden die beiden Cousins verhaftet, der ältere in Griechenland. Der mutmaßliche Helfer wurde von der Untersuchungshaft verschont.

Die Staatsanwaltschaft geht von drei weiteren Komplizen aus, die mit im Luxuskaufhaus waren - zwei davon seien namentlich bekannt. Eine Anklage gegen diese Verdächtigen gibt es jedoch nicht. "Die Beweismittel reichen dafür derzeit nicht aus", erklärt Staatsanwältin Wettley. Es werde weiterhin ermittelt.

Prozess soll bis März dauern

Bei den Angeklagten handelt es sich um mehrfach vorbestrafte Männer ohne Beruf. Sie werden arabischen Großfamilien zugeordnet. Ihr mutmaßlicher Helfer mied im Gerichtssaal Blickkontakte mit den beiden Hauptangeklagten. Am zweiten Prozesstag wird sich zeigen, ob er im Prozess aussagt. Zunächst ist nur die Anklage verlesen worden.

"Warum hat er bei der Polizei Angaben gemacht?", fragen Journalisten einen Verteidiger des 27-Jährigen nach diesem ersten Verhandlungstag. "Das werden wir im Prozess erfahren", antwortet der Anwalt. Ob sein Mandant bedroht werde? "Dafür gibt es keine Anhaltspunkte." Die Staatsanwältin bestätigt dies.

Es wird mit einer monatelangen Beweisaufnahme gerechnet. Bislang haben die Richter 24 weitere Verhandlungstage bis März 2016 geplant. Der erste Tag endete bereits nach Verlesung der Anklage.

(dpa)
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