Tod des Ex-Spions Litvinenko: Radioaktiv belastete Jets flogen nach Deutschland
zuletzt aktualisiert: 30.11.2006 - 13:51Düsseldorf (RPO). Die drei Britisch-Airways-Flugzeuge, in denen Spuren des radioaktiven Materials Polonium-210 gefunden wurden, landeten auch in Deutschland. In einer der Maschinen saß ein russischer Kontaktmann des vergifteten Ex-Spions.
Der Geschäftsmann und ehemalige KGB-Agent beteuert, er habe mit dem Mord an Litvinenko nichts zu tun. Litvinenkos Kontaktmann, der Ex-Spion Andrej Lugowoi, sagte der Zeitung "Kommersant", er sei am 3. November in einer der radioaktiv kontaminierten Maschinen von London nach Moskau geflogen. Allerdings ließen sich vermutlich bei jedem, der mit dem Verstorbenen zusammengetroffen sei, radioaktive Spuren finden, verteidigte er sich gegen Verdacht.
Die drei Flugzeuge von British Airways, in denen radioaktive Rückstände entdeckt wurden, landeten auch in Deutschland. Dabei geht es auch um Flüge zwischen London Heathrow und Frankfurt beziehungsweise Düsseldorf. Die Fluggesellschaft hat möglicherweise betroffene Passagiere aufgerufen, sich zu melden. Gesucht werden rund 33.000 Menschen. Die Gefahr für die Passagiere sei sehr gering, betonte die Fluggesellschaft.
Aufruf an BA-Passagiere
Auf den deutschen Strecken handelt es sich laut BA um folgende Flüge: BA916 vom 26. Oktober und 2. November von London Heathrow nach Frankfurt und BA901 vom 27. Oktober und 3. November von Frankfurt nach London. --- Auf der Strecke London-Düsseldorf sollen die Flüge BA936 und BA937 von folgenden Daten überprüft werden: 30. Oktober sowie 6., 8., 9., 11., 13., 18., 19., 24., 25. und 27. November. Für internationale Anrufe wurde die Nummer +44 191 211 3690 geschaltet.
Den BA-Maschinen auf dem Londoner Flughafen Heathrow, in denen Spuren von Radioaktivität gefunden wurden, erteilten die Behörden bis auf weiteres Flugverbot. Alle drei Maschinen waren laut der Fluggesellschaft auf der Route London-Moskau im Einsatz.
Auch 49 Krankenhausangestellte in London werden nach dem Tod Litvinenkos auf Spuren des Isotops Polonium-210 untersucht. Die britische Gesundheitsbehörde teilte am Mittwoch mit, insgesamt seien möglicherweise 106 Beschäftigte des Barnet General Hospital und des University College Hospital dem Stoff ausgesetzt gewesen.
Acht Kontaktpersonen wurden bereits vorsorglich in eine Spezialklinik eingewiesen. Der vor knapp einer Woche gestorbene Litvinenko soll nach Angaben der Behörden am Freitag obduziert werden. Die Ärzte hatten zunächst fachlichen Rat eingeholt, weil sie wissen wollten, ob die Untersuchung der Leiche eine Gefahr für sie darstellt. Der frühere Spion hatte auf dem Sterbebett den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, einen Giftanschlag auf ihn befohlen zu haben.
Er war zunächst im Barnet General Hospital behandelt und nach einer Verschlechterung seines Zustands in die andere Klinik verlegt worden. Die Gesundheitsbehörde versicherte, die beiden Krankenhäuser seien überprüft worden und stellten keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar. Mittlerweile wurden in London radioaktive Spuren an mehreren Orten gefunden, an denen sich Litvinenko aufgehalten hatte. Darunter ist auch das Hauptbüro des im Exil lebenden russischen Milliardärs und Kreml-Kritikers Boris Beresowski.
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