Wie unsere Leser den "Deutschen Herbst" erlebten: RAF-Film weckt düstere Erinnerungen
VON JANA REIBLEIN - zuletzt aktualisiert: 02.10.2008 - 20:09Düsseldorf (RPO). Der blutige Terror der RAF versetzte die Republik in einen Ausnahmezustand. Viele erlebten die Angst am eigenen Leib. Uli Edels Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" hat auch bei unseren Lesern dunkle Erinnerungen geweckt. In unserem Leserportal OPINIO berichten sie, wie sie Terrorangst, Straßenkontrollen und Generalverdächtigungen erlebten.
In unserem Autoren-Portal OPINIO fragten wir unsere Leser, wie sie den Deutschen Herbst erlebten. Uns erreichten Zeitzeugenberichte, die von Furcht und Einschüchterung, aber auch von Fassungslosigkeit geprägt sind. Eine Welle bis dato ungekannter Gewalt paralysierte Bevölkerung und Gesetzeshüter gleichermaßen.
"Von Terror hatte keiner was gehört, geschweige denn, eine Ausbildung erhalten", erinnert sich ein Leser. "Vorstellbar war das, was sich ab Anfang der 70er da anbahnte, für niemanden. Weder für die Bevölkerung, noch für die Politik oder die Sicherheitsorgane. Da mußte aus dem Stehgreif improvisiert werden. Keiner wußte, wie weit der Terror sich ausdehnen würde, was als Nächstes kommt, wer als Nächster dran ist."
Plötzliche Kontrollen im Straßenverkehr gehörten zum Alltag. Die wahre Bedeutung der "bleiernen Zeit" erfuhr dieser Leser am eigenen Leib: "Ich wurde einmal nachts von der Polizei kontrolliert, als ich mit einem Bekannten im Auto saß. Plötzlich tauchte eine Streife auf, wollte die Papiere von uns sehen. Im Rückspiegel sah ich, wie einer der Beamten mit einer Maschinenpistole im Anschlag stand. Ein anderes blutjunges Bürschchen stand vorm Fahrzeug, gleichfalls die Bleispritze schussbereit. Da hab ich mir dann schon ernsthaft überlegt, wie ich mich im Fahrzeuginneren bewege, damit nicht einer was missversteht. Schließlich wusste ich ja keineswegs, wie nervös die Jungs und ob die MPs entsichert sind."
Dass die Gewaltakte kontraproduktiv waren, ärgert eine andere OPINIO-Autorin. Sie wünscht sich, "dass die RAF Mitglieder von damals ihr Hirn besser genutzt hätten. Im Grunde haben sie durch die Anwendung von Gewalt nicht nur jeglichen Widerstand gegen Ungerechtigkeiten stigmatisiert und somit auch boykottiert, sondern auch den vermeidlichen „Gegner“ gestärkt. Das machen extremistische ideologieverseuchte Gruppen aller Couleur heute noch genau so. Und was bringt es? Nichts, rein gar nichts außer sinnloses Blutvergießen."
Weitere Zeitzeugen-Stimmen von verstörender Authentizität haben wir hier in einer Zitatestrecke für Sie zusammengestellt.
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