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So schafft es ein Sportler durch den Ramadan
"Einmal bin ich fast umgekippt"

Ramadan als Sportler: So schafft Mohammed Al Masoodi die Belastung
Mohammed Al Masoodi gibt auch in der Fastenzeit vollen Einsatz. FOTO: Mohammed Al Masoodi
Mönchengladbach. Am Montag hat für alle Muslime der Ramadan begonnen. Die meisten können sich nur schwer vorstellen, den ganzen Tag nichts zu essen und zu trinken. Wie machen das eigentlich Amateur-Sportler? Das erklärt uns Mohammed Al Masoudi, Fußballspieler bei der zweiten Mannschaft des SV Mönchengladbach. Von Marie von Diergardt

Wie streng halten Sie sich an den Ramadan?

Mohammed Al Masoudi Wenn der Ramadan anfängt, herrscht immer eine religiöse Atmosphäre. Jeder versucht das irgendwie durchzuziehen, sofern es möglich ist. An diesem Montag fängt Ramadan an, aber ich arbeite dann noch zwei Wochen auf der Baustelle. Da werde ich es nicht schaffen. Dabei ist der Hunger jetzt nicht das Problem, eher das Trinken. Wenn man kurz davor ist umzukippen, dann sollte man das nicht machen.

Man muss ja eigentlich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang  fasten, also bis zu 17 Stunden. Das stelle ich mir ziemlich schwer vor.

Al Masoudi Es ist auch schwer. Letztes Jahr zum Ramadan habe ich komplett durchgefastet. Das hat sich mit der Vorbereitung für den Fußball überschnitten. Ich habe es geschafft, aber teilweise war es wirklich grenzwertig. Das Training war immer abends von halb acht bis halb zehn. Bei dem Wetter hatte ich kaum noch Kräfte.

Wie oft haben Sie denn überhaupt trainiert und gespielt?

Al Masoudi In der Vorbereitungsphase dreimal die Woche Training plus ein Freundschafts- oder Gästespiel am Wochenende. Das heißt, viermal die Woche.

Hat das Fasten Auswirkungen auf Ihre sportliche Leistung?

Al Masoudi Es geht. Es ist schon anstrengend – die ganze Zeit nichts trinken, der trockene Mund, Schwindelgefühle, das viele Laufen. Man muss das für sich entscheiden. Wenn man merkt: 'Ich kippe gleich um', dann muss man natürlich abbrechen.

Haben Sie denn über das Fasten auch mit Ihrem Trainer gesprochen?

Al Masoudi Natürlich. Die müssen ja wissen, dass ich in der Zeit vielleicht nicht immer zu 100 Prozent dabei sein kann. Obwohl mein Trainer Verständnis gezeigt hat, hab ich dennoch versucht, vernünftig mitzumachen.

Haben Sie noch andere muslimische Mannschaftskameraden?

Al Masoudi Ja, aber die haben das während der Vorbereitung letztes Jahr nicht wirklich gemacht. Denen war das zu anstrengend, vielleicht würden sie es nicht schaffen.

Werden Sie denn von der Mannschaft unterstützt?

Al Masoudi Klar. Die haben auch einen großen Respekt davor. Die waren nach dem Training kaputt vom Laufen. Ich hatte genauso mitgezogen, obwohl ich den ganzen Tag noch nichts gegessen und getrunken hatte.

Ist es für Sie denn schwerer, wenn Sie sehen: Alle anderen essen und trinken nach dem Training?

Al Masoudi Es geht. Die ersten Tage sind immer die schwersten, da muss ich mich erst dran gewöhnen. Hauptsächlich ist das Fasten jedoch Einstellungs- und Kopfsache. Wenn man den ganzen Tag wirklich noch nichts gegessen und nichts getrunken hat, dann kommt es auf die eine Stunde nach dem Training auch nicht mehr an.

Was ist das größte Problem beim Fasten?

Al Masoudi Klar, die letzten Stunden hat man großen Hunger, aber eigentlich ist der Durst das größere Problem. Speziell im Sommer. Es ist aber machbar. Mein 15-jähriger Bruder hat es letztes Jahr schon super durchgezogen.

Sind Sie mal umgekippt?

Al Masoudi Ja, einmal habe ich abgebrochen. Das war letztes Jahr, da ging es einfach nicht mehr. Ich hatte einen langen Tag, war arbeiten und dann noch beim Training. Mitten im Zwölf-Kilometer-Lauf musste ich schließlich abbrechen. Mir wurde schwindelig, und ich musste dann auch was trinken. Wenn es auf die Gesundheit geht, kann man mit gutem Gewissen unterbrechen.

Haben Sie denn mal mit einem Arzt drüber gesprochen?

Al Masoudi Nein, mit einem Arzt noch nie. Wenn man an seine Grenzen kommt, merkt der Körper das von selbst. Wenn einem total schwarz vor Augen wird, geht es nicht mehr.

Wie läuft ein typischer Tag im Ramadan bei Ihnen ab?

Al Masoudi Ich versuche, meinen Alltag normal weiterzuleben. Es bringt nichts, die ganze Nacht wachzubleiben, um sich vollzufressen, und dann den ganzen Tag zu schlafen. Man soll etwas vom Fasten merken, das Leiden gehört dazu. Es geht auch darum nachzuempfinden, dass es Menschen auf der Welt gibt, denen es ein Leben lang so geht und nicht nur in einer kleinen Zeitspanne. Die Zeit zwischen Sonnenuntergang  und Sonnenaufgang ist nicht groß. Man hat riesigen Hunger, man hat großen  Appetit, man würde alles essen – aber man schafft das gar nicht. Eine Suppe, viel Wasser – dann ist man erst mal satt. Dabei ist es wichtig, vernünftige Mahlzeiten einzunehmen. Ich esse zum Beispiel immer gekochte Eier, das ist am besten. Und trinke natürlich viel Wasser. Dann klappt das meistens.

Nehmen Sie in der Zeit ab?

Al Masoudi Das Gewicht bleibt eigentlich normal. Manchmal nimmt man sogar zu. Hier bei uns jetzt nicht, aber wenn wir die Familie in Jordanien besuchen, wie vor zwei Jahren. Da gibt es dann abends viel Gebäck und Süßes. Da kommt einiges auf die Rippen.

Nach dem Fasten gibt es das große, dreitägige Fest. Wie feiern Sie das?

Al Masoudi Am Tag nach dem Fastenmonat ist das Festgebet, da gehen wir in die Moschee. Danach frühstückt man gemeinsam mit der Familie. Man besucht sich gegenseitig, sofern man Familie hier hat. Bei mir sind alle sehr verstreut. Dann ist die Atmosphäre auch ganz anders, als wenn man mit der Großfamilie feiern würde.

Wie fühlen Sie sich danach?

Al Masoudi Ich fühle mich sehr gut dabei. Wenn man das am Ende des Tages geschafft hat, motiviert das auch. Ich habe ein reines Gewissen. Das gibt einem die Kraft, den Alltag zu schaffen. Ich tue das für mich selbst und bin nicht gezwungen, wenn ich nicht mehr kann.

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