Oskar Lafontaine leidet an Prostatakrebs: Ramelow fordert Führungswechsel bei der Links-Partei
zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 16:51Saarbrücken (RPO). In seiner letzten Rede vor dem saarländischen Landtag vor seiner OP am Donnerstag ist Oskar Lafontaine mit keiner Silbe auf seine Krankheit eingegangen. Der Chef der Linkspartei nutzte seinen Auftritt für Attacken auf die neue Jamaika-Koalition. Inzwischen wurde jedoch bekannt, dass der 66-Jährige an Prostatakrebs leidet. Die Linke muss nach Ansicht des thüringischen Fraktionschefs Bodo Ramelow nun die Weichen für einen Führungswechsel auf Bundesebene stellen.
Am Donnerstag berichtete die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung, dass Lafontaine unter der vergleichsweise weit verbreiteten Krankheit leide. Der Eingriff morgen solle "minimalinvasiv" erfolgen. Bei seiner überraschenden Pressekonferenz am Dienstag hatte Lafontaine selbst keine näheren Angaben zu seiner Krankheit gemacht.
Seinen Auftritt am Mittwoch nutzte Lafontaine zu scharfen Attacken auf die neue Regierung an der Saar. Bei der CDU sei der Begriff der "Wählertäuschung" angebracht. Auf die entscheidenden Fragen, die der Konsolidierung der Landesfinanzen, gebe die Landesregierung keine Antwort, sagte Lafontaine, der auch Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag ist.
Wer vor einer Landtagswahl sage, die Schuldenbremse sei der Weg, um die Landesfinanzen zu konsolidieren, und nach der Landtagswahl das Gegenteil behaupte, für den sei der Vorwurf der Wählertäuschung "sehr wohl aufrecht zu halten". Müller hatte zuvor in seiner Regierungserklärung angekündigt, die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht auf Finanzhilfen des Bundes wieder aufzunehmen, sollten Konsolidierungshilfen nicht in ausreichender Höhe an das Saarland fließen.
Genesungswünsche vom politischen Gegner
Genesungswünsche erreichten Lafontaine am Rande der Landtagssitzung aus den unterschiedlichen Lagern. Ministerpräsident Müller sagte, politisch trennten beide zwar Welten, "aber hier geht es um den Menschen Oskar Lafontaine. Und dem Menschen Oskar Lafontaine wünsche ich alles Gute." Der Fraktionssitzende der SPD, Heiko Maas, sagte: "Ich wünsche Oskar Lafontaine eine schnelle Genesung und einen guten Verlauf der bevorstehenden Operation."
Lafontaine hatte am Dienstag die Öffentlichkeit darüber informiert, dass er sich am Donnerstag einer Krebsoperation unterzieht. Einen Tag zuvor hatte er Parteiangaben zufolge seine Landtagsfraktion über die Krankheit unterrichtet. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei im Saarland, Heinz Bierbaum, sagte, er rechne damit, dass Lafontaine im Januar wieder zurückkehre.
Ramelow fordert Führungswechsel
Die Linke muss nach Ansicht des thüringischen Fraktionschefs Bodo Ramelow nun die Weichen für einen Führungswechsel auf Bundesebene stellen. Unabhängig von der Krebserkrankung von Parteichef Oskar Lafontaine müsse sich die Partei auf eine Zeit nach ihm vorbereiten, sagte Ramelow der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstagausgabe). Es müsse sowieso ohne Lafontaine gehen, dieser sei bereits 66 Jahre alt.
Ramelow sagte, die neue Parteiführung sollte aus einem Ost- und einem West-Vertreter, aus einem Mann und einer Frau bestehen. Er begrüße ausdrücklich, dass Lafontaine selbst die Doppelspitzen-Debatte für die nächste Parteiführung angestoßen habe. "Wir brauchen den Generationswechsel und wir müssen uns im kommenden Jahr endgültig auf die Perspektive als gesamtdeutsche Partei einrichten", sagte Ramelow.
Der Sprecher der NRW-Linkspartei, Wolfgang Zimmermann, kritisierte Ramelows Äußerungen scharf. "Oskar Lafontaine ist unverzichtbar und bleibt unser Parteivorsitzender. Diskussionen über einen Generationswechsel sind unsinnig und zu diesem Zeitpunkt auch pietätlos", sagte Zimmermann unserer Redaktion. Zimmermann rechnet fest mit Lafontaines Einsatz im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf im Frühjahr 2010. "Ich gehe davon aus, dass Lafontaine im neuen Jahr wieder voll im Einsatz ist und wünsche ihm eine gute Genesung."
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