| 15.11 Uhr

Gegen Rassismus in Freital
Protest-Plakate heißen Flüchtlinge willkommen

Freital. Mit einer Plakat-Kampagne hat eine Streetart-Gruppe die Ausländerfeindlichkeit in Freital verspottet. Ein Mitglied hängte über Nacht 21 Plakate mit Botschaften gegen Rassismus in der sächsischen Stadt auf und überklebte Werbeplakate.

"Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm. Der Nazi macht es andersrum". Dieser Text steht auf einem der Plakate, die die Streetart-Gruppe "Dies Irae" ("Tag des Zorns") über Nacht in Freitaler Bushaltestellen aufgehangen hat. Andere Botschaften lauten: "Wer kein Selbstbewusstsein hat, braucht ein Nationalbewusstsein" oder ganz schlicht: "Refugees welcome - Flüchtlinge willkommen". 

Plakate gegen die Werbung in Glaskästen ausgetauscht

Insgesamt 21 Plakate verteilte ein Mitglied der Gruppe in der Stadt. Dabei öffnete der Unbekannte sogar die Glaskästen und tauschte die dort hängende Werbung gegen die Protest-Plakate aus. 

 

Auf der Facebookseite der Gruppe postete er am Morgen nach seiner Aktion: "Freital startet den Tag mit 21 hübschen Plakaten. Bisher meine größte Intervention in einer verhältnismäßig kleinen Stadt, in der ein kleiner brauner pöbelnder Mob so viel unangenehme Aufmerksamkeit herbeiführte."

 

Die Stadt Freital war in der vergangenen Zeit durch Ausländerfeindlichkeit aufgefallen: Seitdem Flüchtlinge in einem früheren Hotel eingezogen sind, kommt es immer wieder zu rassistischen Protesten. Das bekamen die anonymen Künstler der Gruppe "Dies Irae" mit und wurden angesichts so viel Fremdenhass wütend: Ihre Meinung teilten sie den Freitalern dann durch die klaren Botschaften auf ihren Plakaten mit. 

Anzeige gegen Aktivisten geplant

Den Künstlern droht dennoch Ärger. Die "Deutsche Plakatwerbung GmbH2" (DPW) betreibt die Kästen und Plakatwände in der Stadt. Das Unternehmen schickte direkt Mitarbeiter nach Freital, um die Plakate abzunehmen oder zu verdecken. Wie der Unbekannte die Glaskästen geöffnet hat, steht noch nicht fest. Eigentlich sind sie verschlossen und ausschließlich ein Mitarbeiter kann sie öffnen. "Wir werden auf jeden Fall Anzeige erstatten", sagt Stefanie Probstfeld, Sprecherin der DPW. Die Protest-Plakate wurden mittlerweile entfernt. 

 

"Dies Irae" ist deutschlandweit aktiv: Schon seit Monaten überkleben sie in der ganzen Bundesrepublik Werbung mit ihren Protestplakaten. Sie selbst beschreiben sich so: "Dies Irae sind politische, künstlerische und selbstdenkende Menschen, die den öffentlichen Raum von der visuellen Umweltverschmutzung, auch Außenwerbung genannt, befreien."

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