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Ratten
  Foto: dapd, dapd
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Plage, weil Städte sparen: Ratten werden zum Problem

zuletzt aktualisiert: 08.02.2011 - 21:02

Düsseldorf (RPO). Es ist hellichter Tag, und es ist laut. Eine dicke Ratte stört das wenig: Völlig ungerührt von Lärm und Hektik um sie herum huscht sie über den Parkplatz in Richtung Müllcontainer. Obwohl es kaum eine Kommune zugeben mag: In den nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden sind inzwischen Millionen Nager zu Hause, wie der Deutsche Schädlingsbekämpferverband in Essen zu berichten weiß.

Neben achtlos weggeworfenen Essensresten sind es auch die leeren Kassen der Städte und Gemeinden, die die Zahl der Tiere wachsen lässt.

Weil es an Geld fehle, erhalte bei Ausschreibungen meist der billigste Schädlingsbekämpfer den Zuschlag, sagt Rainer Gsell, der Bundesvorsitzende des Schädlingsbekämpferverbands. Dieser sei jedoch nicht unbedingt auch der beste.

Zudem müsse auch ein billiger Anbieter schauen, an welcher Stelle er sparen könne. Eine umfangreiche Rattenbekämpfung sei dadurch nicht immer gewährleistet.

Schulhöfe als Futterquellen

Hinzu kommt, dass auch bei der Müllbeseitigung aus Kostengründen gespart wird. "Früher hatte beispielsweise jede Schule ihren Hausmeister. Direkt nach Schulschluss ist er mit einer Putzkolonne durchs Gebäude und über den Schulhof gezogen und hat aufgeräumt", sagt Gsell.

Heute hingegen sei ein Hausmeister zum Teil für mehrere Schulen zuständig, die Putzkolonnen kämen oft erst Stunden nach Schulschluss - wenn sie überhaupt täglich anrückten. "Da liegt das angebissene Pausenbrot dann länger rum", sagt der Verbandsvorsitzende. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Ratte dies mitbekommt und den Schulhof als neue Futterquelle für sich entdeckt, steige.

Doch das Rattenproblem vieler Städte ist nicht nur deshalb hausgemacht, weil viele Menschen Essen wegwerfen oder ihren Müll falsch lagern oder entsorgen. Auch Zuchtratten werden nach Angaben der Schädlingsbekämpfer zunehmend zum Problem. "

Die Ratte wird schwanger, für die vielen Nachkommen ist aber kein Platz im Haus, also werden sie freigelassen, weil man sie ja auch nicht töten will", berichtet Gsell. Gerade diese Ratten hielten sich jedoch auch nach ihrer Freilassung gerne im Umfeld der Menschen auf. Das Futter in der freien Natur zu suchen, seien sie schließlich nicht gewohnt.

Dortmund ruft zur gemeinsamen Rattenbekämpfung auf

Die Stadt Dortmund hat das Rattenproblem erkannt. Einmal im Jahr ruft sie ihre Bürger auf, gemeinsam gegen die Nager vorzugehen. "Nur so kann man die Population in einem gewissen Rahmen halten", sagt Pressesprecher Hans-Joachim Skupsch. Wie viele Ratten in der Ruhrgebietsstadt leben, ist unklar. Die Stadtverwaltung geht aber davon aus, dass auf jeden Einwohner mindestens eine Ratte kommt.

Auch in Mülheim an der Ruhr ist die Verwaltung bemüht, Lieblingsplätze der Ratten zu beseitigen. So seien etwa Blumenkübel in der Innenstadt entfernt worden, berichtet Stadtsprecher Volker Wiebels. "Das waren wahre Futtertröge für die Ratten, weil viele Leute einfach ihre Pommesschalen oder Essensreste da reingeworfen habe, anstatt sie anständig zu entsorgen." Diese "gedeckten Tische" hätten sich die Nagetiere natürlich nicht entgehen lassen.

Die Stadt Köln hat das Stadtgebiet im Kampf gegen die Ratten in "Raster" gegliedert, wie Ursula Bender von der Desinfektionsstelle des Kölner Gesundheitsamts berichtet. Orte, an denen sich die Ratten besonders gerne aufhielten, würden zum Teil einmal monatlich kontrolliert, um bei Bedarf Köder auszulegen. Dadurch sei die Rattenpopulation in der Domstadt gesunken. Aber natürlich sei man weiterhin auch auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. "Wenn Sie Ratten sehen, sollen sie das melden", sagt Bender daher.

Kosten für Rattenbekämpfung unklar

Wie viel sie für die Rattenbekämpfung jährlich ausgeben, geben viele Städte nicht preis. Die Kosten dürften aber mindestens in die Hunderttausende gehen. Allein die Landeshauptstadt Düsseldorf muss für die akute Bekämpfung von Rattenbefall jährlich rund 30.000 Euro zahlen, wie Sebastian Veelken vom Ordnungsamt sagt. Nicht eingerechnet sind dabei Vorsorgemaßnahmen.

Das Schlimmste an Ratten ist nicht der Ekel, den sie bei vielen Menschen hervorrufen, sie sind auch ein gesundheitliches Problem. "Bei vielen Erkrankungen spielen sie als Überträger eine Rolle", warnt Annette Jurke vom Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) in Münster.

Nager übertragen Krankheiten

Die bekannteste von Ratten übertragene Krankheit, die Pest, komme zwar in Europa heute nicht mehr vor. Dafür könnten die Nager jedoch über den Kontakt mit Lebensmitteln unter anderem Salmonellen oder Listerien verbreiten, die Magen-Darm-Erkrankungen verursachen. Kanalarbeiter oder Wassersportler haben zudem mit der von Ratten übertragenen Leptospirose-Infektion zu kämpfen, die zu grippeähnlichen Symptomen führen und sogar Leberschäden verursachen kann.

Quelle: DDP/pes-

 
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