kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

"Wir sind Kirche": Reform-Bewegung enttäuscht von Papst Benedikt

zuletzt aktualisiert: 14.03.2010 - 19:58

Düsseldorf (RPO). Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat sich enttäuscht gezeigt, dass sich Papst Benedikt XVI. auch beim Angelus-Gebet am Sonntag nicht zu den jüngsten Missbrauchsfällen geäußert hat.

"Viele kirchentreue Katholiken bedauern es, dass Benedikt XVI. nicht einmal ein kleines Wort des Mitgefühls geäußert hat", sagte Vorstandsmitglied Christian Weisner der Münchner Zeitung "tz". Offenbar habe das Kirchenoberhaupt "das wahre Ausmaß der Verunsicherung nicht wahrgenommen".

Weisner wies auch die Äußerungen von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi vom Samstag zurück, in denen dieser Kritik als persönliche Attacken gegen den Papst bewertet hatte. "Das ist die denkbar schlechteste Kommunikationsstrategie", wird der Sprecher der Reformbewegung zitiert. Schließlich könne man "auch aus Liebe zur Kirche heraus kritisieren", argumentierte Weisner.

Der Vatikan hat jede direkte Verwicklung von Papst Benedikt XVI. in einen Missbrauchs-Skandal in seiner früheren Diözese zurückgewiesen. Versuche, den Papst persönlich da hineinzuziehen, seien gescheitert, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst selbst äußerte sich nicht. Auch im Angelus-Gebet am Sonntag sprach er den Missbrauchs-Skandal nicht an.

Diskussion über den Zölibat

Ranghohe Kleriker und Laien der katholischen Kirche sprachen sich für eine Lockerung des Zölibats aus, sexuellen Missbrauch zu verhindern. Aus der Politik wurden Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchungskommission zur Aufklärung der Missbrauchs-Fälle laut.

Das Erzbistum München und Freising hatte am Freitagabend bestätigt, dass 1980 ein pädophiler Priester unter Zustimmung von Kardinal Joseph Ratzinger vom Bistum Essen nach München versetzt wurde, um dort eine Therapie zu machen. Entgegen dem Beschluss sei der Geistliche aber direkt in der Gemeindearbeit eingesetzt worden, wo er sich Jahre später erneut an Minderjährigen sexuell verging. Das Erzbistum sprach von einem schweren Fehler, für den der damalige Generalvikar Gerhard Gruber in der Erklärung die Verantwortung übernahm und sich bei den Opfern entschuldigte.

"Wir wollten nicht, dass er den ganzen Tag nichts zu tun hat, außer einer Stunde Therapie", sagte Gruber der "Süddeutschen Zeitung". Nach Angaben des Erzbistums ist kein Missbrauchsfall des Priesters aus der Zeit bekannt, in der Ratzinger die Diözese leitete. 1986 wurde der Priester, der bis heute weiter als Geistlicher tätig ist, nach neuerlichen Übergriffen wegen sexuellen Missbrauchs 1986 zu 18 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt.

Führende Kleriker nehmen den Papst in Schutz 

"Es ist offensichtlich, dass in den vergangenen Tagen einige mit einer gewissen Verbissenheit in Regensburg und München nach Elementen gesucht haben, um den Heiligen Vater persönlich in die Missbrauchs-Frage hineinzuziehen", sagte Lombardi Radio Vatikan. "Für jeden objektiven Beobachter ist klar, dass diese Versuche fehlgeschlagen sind." Die Stellungnahme des Erzbistums München zu dem Fall erkläre die Fakten, für die der Generalvikar die volle Verantwortung übernommen habe, sagte der Sprecher.

Wie Lombardi nahm auch der Präsident des des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, den Papst in Schutz. "Ich persönlich sehe da keinen weiteren Aufklärungsbedarf", sagte er im Deutschlandfunk.

Zugleich rief Glück die Kirche zu strukturellen Veränderungen bis hin zur Lockerung des Zölibats auf. Die Kirche müsse überlegen, ob es in ihr spezifische Bedingungen für den Missbrauch gebe. "Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals", sagte Glück der "Süddeutschen Zeitung". Die Lockerung des Pflichtzölibats sei ein Weg, allerdings sei das Problem damit allein nicht gelöst. Auch der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke forderte eine Überprüfung des Gebots der priesterlichen Ehelosigkeit. Diese Lebensform könne Menschen anziehen, die eine krankhafte Sexualität hätten, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Daraus könne eine Gefahrensituation entstehen.

3000 Missbrauchsfälle in 50 Jahren

Der Vatikan hält dagegen unverrückt am Zölibat fest, der für katholische Geistliche seit dem zwölften Jahrhundert gilt. Papst Benedikt erklärte am Freitag auf einer Konferenz zum Priesteramt im Vatikan, die Ehelosigkeit der Priester sei ein Geschenk Gottes, das nicht dem Zeitgeist geopfert werden solle. Vatikan-Sprecher Lombardi sagte der ARD, es gebe keinerlei Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch. "Es scheint mir etwas gewollt, beides miteinander in Zusammenhang zu setzen."

Unterdessen gab der Vatikan bekannt, dass ihm 3000 Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aus den vergangenen 50 Jahren bekannt seien. Bei 300 davon handele es sich um pädophile Übergriffe, sagte Charles J. Scicluna von der Glaubenskongregation der Bischofszeitung "Avvenire".

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte die katholische Kirche und andere betroffene Institutionen auf, umfassendes und belastbares Zahlenmaterial zur Aufklärung von Missbrauch vorzulegen. Zudem regte sie in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" eine unabhängige Untersuchungskommission an. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, die Bundesregierung dürfe die Aufklärung nicht allein der Kirche oder anderen Institutionen überlassen. Nach dem Vorbild Irlands solle die Regierung eine nationale unabhängige Kommission einsetzen und mit den nötigen Geldern ausstatten, sagte sie der Zeitung "Bild am Sonntag".

Quelle: RTR/AP

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Polizist war auf Salafisten angesetzt

Beamter unter Islamismus-Verdacht

Polizist war auf Salafisten angesetzt

Ein wegen Salafismus-Verdacht vom Dienst suspendierter Essener Polizeibeamter war einem Medienbericht zufolge als Mitarbeiter des Verfassung ... mehr 

Großer Teil von Occupy-Camp brennt ab

Kieler Kriminalpolizei ermittelt

Großer Teil von Occupy-Camp brennt ab

Das Protestcamp der Occupy-Bewegung in Kiel ist am Samstag zu einem großen Teil abgebrannt. Die Ursache für das Feuer ist noch unklar. Die ... mehr 

mehr Panorama
Aus der Region

Beamter unter Islamismus-Verdacht

Polizist war auf Salafisten angesetzt

Kieler Kriminalpolizei ermittelt

Großer Teil von Occupy-Camp brennt ab

Vor der Küste Perus

Tausende verendete Krebse entdeckt

Großrazzia bei Hells Angels im Norden

Suche nach Beton-Leiche geht weiter

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Gefangen im Monster-Stau von Peking

In Chinas Hauptstadt gibt es nicht nur viele Menschen, sondern auch ziemlich viele Autos. Kein Wunder also, dass es dort immer wieder zu ... mehr 

Mehr Panorama Deutschland
Tunesien Salafisten platzhalter salafismus 2012

Beamter unter Islamismus-Verdacht

Polizist war auf Salafisten angesetzt

Ein wegen Salafismus-Verdacht vom Dienst suspendierter Essener Polizeibeamter war einem Medienbericht zufolge als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes auch auf Islamisten angesetzt. mehr

 

Kieler Kriminalpolizei ermittelt

Großer Teil von Occupy-Camp brennt ab

 

Vor der Küste Perus

Tausende verendete Krebse entdeckt

 

Großrazzia bei Hells Angels im Norden

Suche nach Beton-Leiche geht weiter

 

Großrazzia in Norddeutschland

Hells Angels führten angeblich Folterkeller

 
Top-Services
 
Mehr Panorama
Die schönsten Balkone unserer Leser
Die schönsten Balkone unserer Leser
Wir hatten unsere Leser gebeten, uns Bilder .. mehr 
 
Die schönsten Balkone unserer Leser
Die schönsten Balkone unserer Leser
Wir hatten unsere Leser gebeten, uns Bilder ..
mehr 
Bilder des Tages
Bilder des Tages
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier ..
mehr 
Zebra-Geburt im Burgers Zoo
Zebra-Geburt im Burgers Zoo
Zebra-Geburt im Burgers Zoo
mehr 
In der US-Stadt Camden regiert Anarchie
In der US-Stadt Camden regiert Anarchie
In der US-Stadt Camden regiert Anarchie
mehr 
Daniela Schadt übernimmt die Unicef-Schirmherrschaft
Daniela Schadt übernimmt die Unicef-Schirmherrschaft
Daniela Schadt hat Bettina Wulff als neue ..
mehr 
Groß-Razzia gegen Hells in Angels in Norddeutschland
Groß-Razzia gegen Hells in Angels in Norddeutschland
Mit einem Großaufgebot sind Staatsanwaltschaft ..
mehr 
Kein Tunnel, aber Freibad für Bud Spencer
Kein Tunnel, aber Freibad für Bud Spencer
Schwäbisch Gmünd hat dagegen entschieden den ..
mehr 
Amok-Alarm: Polizei fasst Schüler auf Sportanlage
Amok-Alarm: Polizei fasst Schüler auf Sportanlage
Nach dem Schuss an einer Memminger Schule hat ..
mehr