Deutschland feiert Karneval: Regen konnte die Jecken nicht stoppen
zuletzt aktualisiert: 04.02.2008 - 19:15Berlin (RPO). Alaaf" und "Helau" in den Karnevalshochburgen: Über zwei Millionen Narren trotzten dem strömenden Regen und ließen ihrer Feierlaune am Rosenmontag freien Lauf. In Köln, Düsseldorf, Mainz und Stuttgart schunkelten sich die bunt kostümierten Jecken warm und jubelten vor allem den zahlreichen Motivwagen zu. Diese nahmen nicht nur die Arbeit der Großen Koalition in Berlin oder den Ausgang der Landtagswahl in Hessen aufs Korn. Auch die geplante Schließung des Nokia-Werks in Bochum oder der drohende Klimawandel wurden thematisiert.
"Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle" (Geschenke für Köln - unsere Kulturbonbons) war das diesjährige Motto des Kölner Rosenmontagszuges. 10.000 Narren beteiligten sich am närrischen Treiben. Die Jecken an der Wegstrecke konnten sich über rund 700.000 Tafeln Schokolade und 300.000 "Strüssjer" (Sträußchen) freuen, die von den 100 Fest- und Prunkwagen auf sie niederregneten.
Die Kölner Wagenbauer nahmen sich in diesem Jahr vieler verschiedener Themen an. So war Bundeskanzlerin Angela Merkel als "Miss Erfolgreich" zu sehen, die sich zu Auslandsreisen verabschiedet und die SPD-Politiker Kurt Beck und Frank-Walter Steinmeier mit der Koalitionskrise zurücklässt. Innenminister Wolfgang Schäuble überwachte auf einem Wagen im "Fachbereich Intimes" ein Liebespaar im Schlafzimmer.
Eine Heuschrecke mit Nokia-Handy machte sich derweil unter dem Motto "Die Karawane zieht weiter" auf einem Kamel davon, das Geldscheine im Maul trug. Und im leeren "Brauhaus Qualmfrei" langweilte sich auf einem Wagen ein gähnender Wirt, während die nach draußen verbannten Raucher sich vor der Eckkneipe tummelten.
Zoch zieht Massen in die City
In Düsseldorf zogen die Teilnehmer unter dem Motto "Mer kann och alles överdriewe!" (Man kann auch alles übertreiben) durch die Innenstadt. Der Umzug mit rund 70 Wagen und 50 Kapellen lockte rund 700.000 Narren in die Landeshauptstadt.
Die in Düsseldorf traditionell besonders bissigen Motivwagen bildeten in diesem Jahr unter anderem Roland Koch ab. Der Ministerpräsident von Hessen bekommt sein Fett weg nach der für die CDU katastrophalen Landtagswahl. Er war der große Verlierer der Wahl, sieht sich aber als Gewinner - die Düsseldorfer Jecken kommentieren das: Seine Hand zeigt das Siegeszeichen, aber den angeschlagenen Kopf hält Koch selbst in der Hand.
Auch die geplante Schließung des Nokia-Werks in Bochum ist im Düsseldorfer Zug Thema. Ein Handy des finnischen Herstellers diente als Griff eines Messers, das gleich drei Menschen von hinten durchbohrte und dem darunter stehenden Nokia-Slogan "Connecting People" ("Menschen verbinden") eine neue Bedeutung gab.
In Bonn lautete das Motto in diesem Jahr "Jeck op Bonn". Der "Zoch" startete um 12 Uhr mit Stargast DJ Ötzi. In Anlehnung an dessen Hit "Ein Stern (der Deinen Namen trägt)" wurden Fruchtgummis in Sternform sowie eine Sonderedition mit dem Konterfei des Sängers verteilt.
Pünktlich um 11.11 Uhr
In Mainz hatte sich der Rosenmontagszug pünktlich um 11.11 Uhr in Bewegung gesetzt. Trotz Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt versammelten sich nach Polizeiangaben rund 500.000 Narren entlang der 7,2 Kilometer langen Zugstrecke. Der 107. Mainzer Zug wies mit 9490 Teilnehmern einen neuen Rekord auf.
Auch außerhalb der Karnevalshochburgen versammelten sich zahlreiche Schaulustige zu Rosenmontagsfeiern, darunter in Münster und Dortmund. Über besseres Wetter konnten sich die Narren im Osten des Landes freuen. Bei strahlendem Sonnenschein jubelten tausende Zuschauer im anhaltischen Köthen den Teilnehmern des traditionellen Rosenmontagsumzugs zu. Auch in Halle gingen mehrere tausend Narren auf die Straßen.
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