Nach Protesten der Religionsgemeinschaft: Regisseurin entschuldigt sich für Aleviten-"Tatort"
zuletzt aktualisiert: 27.12.2007 - 09:40Köln (RPO). Nach der heftigen Kritik der Religionsgemeinschaft der Aleviten am "Tatort" vom Sonntag hat sich nun die Regisseurin und Drehbuchautorin geäußert. Die Proteste hätten sie "kalt erwischt", sagte Angelina Maccarone. Die Reaktionen hätten sie erstaunt. Trotzdem tue es ihr leid.
Wer ihre anderen Filme kenne, wisse, dass ihr daran gelegen sei, ein differenziertes Bild von Minderheiten zu zeichnen, sagte Maccarone am Donnerstag im Deutschlandfunk. Die Proteste gegen den Film "Wem Ehre gebürt" hätten sie "kalt erwischt".
Es sei ihr völlig fern gelegen, eine Minderheit wie die Aleviten so in Aufruhr zu versetzen. Sie habe in dem Film aufzeigen wollen, dass es nicht eine homogene Gruppe von türkischen Migranten gebe, sondern diese sehr differenziert sei.
In dem NDR-Krimi ging es um Inzest und einen Mord innerhalb einer alevitischen Familie. Der Film hatte scharfe Proteste der Alevitischen Gemeinde Deutschland ausgelöst.
Die Aleviten sind eine islamische Religionsgemeinschaft. Nach Ansicht des Kölner Vereins bestätigt der Inhalt des Films Anschuldigungen der sunnitischen Muslime, die Aleviten betrieben in ihren Gemeinden Inzest, in dem sie religiöse Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern exerzierten. Die Vorwürfe stammten aus der osmanischen Zeit zum Zweck der Unterdrückung des Alevitentums.
Maccarone: Wusste nichts von Inzest-Vorwürfen
Maccarone sagte, dieser Inzest-Vorwurf sei ihr neu gewesen. Sie habe im Vorfeld sehr ausführlich recherchiert. "Ich bin nicht auf dieses Vorurteil gestoßen und habe das dann für mich benutzt", fügte sie hinzu.
Der Inzest in der "Tatort"-Folge sei zudem in keinster Weise durch die alevitische Religion motiviert und gerechtfertigt. Sie habe extra nach einem Fall gesucht, der in jeder Familie vorkommen könnte und wollte nicht erneut einen Fall von "Ehrenmord" erzählen, der Vorurteile zementiert hätte.
Die Regisseurin betonte zugleich: "Ich breche mir auch keinen Zacken aus der Krone, wenn ich sage, es tut mir wahnsinnig leid". Dennoch finde sie auch die Reaktionen sehr erstaunlich, fügte sie hinzu. Ihren Angaben zufolge wird es Anfang Januar ein Gespräch mit Vertretern der Aleviten geben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







