| 17.07 Uhr

Panzer als Karnevalswagen
"Die Aufschrift ist dumm und unüberlegt"

Reinhard Heinrich zu Panzer-Wagen: "Aufschrift ist dumm und unüberlegt"
Dieser Karnevalswagen ist jetzt ein Fall für die Staatsanwaltschaft. FOTO: dpa, geb htf
Düsseldorf/Reichertshausen. Ein Karnevalswagen in Panzerform mit der Aufschrift "Asylpaket III" sorgt bundesweit für Gesprächsstoff. Gesichtet wurde er beim Faschingsumzug in der Gemeinde Reichertshausen in Bayern. Wir haben den Bürgermeister angerufen. Von Vassili Golod

Herr Heinrich, ein Karnevalswagen aus ihrer Gemeinde sorgt für Aufruhr. Halten Sie einen Panzer mit den Aufschriften "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III" für legitim?

Reinhard Heinrich Ein Faschingswagen ist kein Persilschein. Gerade in der jetzigen Situation mit den absurden Forderungen der AfD halte ich das für sehr bedenklich und grenzwertig. Aber viele Rückschlüsse, die jetzt gezogen werden, sind falsch: Der Oberilmtaler Carnevalsverein (OCV) hat keine rechte Gesinnung. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

Wie erklären Sie sich dann, dass ein solcher Wagen überhaupt dabei war?

Heinrich Das gilt es aufzuarbeiten. Warum der genehmigt wurde, kann ich nicht sagen. Wir werden uns aber mit dem OCV zusammensetzen und genau besprechen, wie es dazu kommen konnte. In meiner Gemeinde wird Willkommenskultur gelebt.

Heißt konkret?

Heinrich Beim Faschingsumzug war zum Beispiel auch eine Asylgruppe dabei. Überhaupt war der Umzug eigentlich wie immer eine richtige Gaudi! Gerade bereiten wir uns auf 76 neue Asylbewerber vor, die zu uns kommen. Wir haben einen großen Helferkreis und wir alle wollen Willkommenskultur leben. Es ist schade, dass jetzt alles auf diesen Panzer runtergebrochen wird.

Was wissen Sie denn über den Panzer? Wem gehört der?

Heinrich Ich weiß, dass er auch schon im letzten Jahr beim Faschingszug dabei war, allerdings in einem ganz anderen Kontext. Das ist ein alter Golf, der zu einem Papp-Panzer umgebaut wurde. Er wurde von jungen Burschen gestaltet. Die Aufschrift ist dumm und unüberlegt, aber ich glaube nicht an eine rechte Gesinnung. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie muss klären, ob die rechtliche Grenze überschritten wurde oder nicht.

 

Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durch unser Ilmtal (Anmerkung: Bayern, nicht das in Thüringen) und...

Posted by Florian Simbeck on  Sonntag, 7. Februar 2016

 

Vorwurf der Volksverhetzung

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt bestätigte unserer Redaktion auf Nachfrage ein laufendes Ermittlungsverfahren gegen "mehrere Beteiligte". Es stehe der Vorwurf der Volksverhetzung im Raum. Die möglichen Konsequenzen seien zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch unklar, sagte der Sprecher weiter. Ein Ergebnis wird in ein bis zwei Wochen erwartet.

Wagen als Protest

Auch die Panzer-Gestalter meldeten sich bereits zu Wort.  "Wir können das so nicht schaffen", sagte einer der Urheber in Bezug auf die Flüchtlingskrise. Ein anderer sagte dem "Donaukurier": "Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen."

Auch bei anderen Karnevalsumzügen waren fremdenfeindliche Statements zu beobachten, blieben allerdings die Ausnahme:

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