Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg: Rektor greift katholische Kirche scharf an
zuletzt aktualisiert: 31.01.2010 - 08:27Berlin (RPO). Der Rektor des Berliner Canisius-Kolleg hat nach dem Bekanntwerden sexueller Missbrauchsfälle seine Kirche scharf kritisiert. Die Kirche leide an Homophobie, Homosexualität werde verschwiegen, sagte Pater Klaus Mertes einem Medienbericht zufolge.
Kleriker mit homosexueller Neigung seien unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert würden, so Mertes gegenüber dem "Tagesspiegel am Sonntag".
Mertes bemängelte zudem, dass sich die kirchlichen Lehren zur Sexualität derart weit vom realen Alltag und den Fragestellungen junger Menschen entfernt hätten, dass zwischen der Kirche und der jungen Generation Sprachlosigkeit herrsche. Obwohl die bekannt gewordenen Missbräuche weit zurückliegen, sei die Gefahr erneuter Übergriffe niemals auszuschließen, sagte Mertes.
Deshalb müsse jetzt an den katholischen Privatschulen vorbehaltlos geprüft werden, welche Unzulänglichkeiten Übergriffe begünstigen könnten. Dazu gehörten Mängel der kirchlichen Sexualpädagogik, unzureichende Beschwerdemöglichkeiten für die Schüler oder ein "zu autoritäres Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern".
Der Beauftragte der Bischofskonferenz bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, lobte Mertes im "Tagesspiegel" ausdrücklich dafür, dass er einen anderen Weg gehe, dass er sich offensiv um Aufklärung der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg bemühe und "sogar riskiert, den Ruf des Gymnasiums zu beschädigen".
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