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Kindstötungen im sauerländischen Wenden: Revisionsprozess dauert an

zuletzt aktualisiert: 10.08.2010 - 15:52

Münster (RPO). Es war ein grausiger Fund in der Tiefkühltruhe der Eltern: Unter Pizzakartons und anderen gefrorenen Lebensmitteln fand ein 18-Jähriger im Mai 2008 drei Babyleichen. Wenige Monate später wurde die Mutter der Säuglinge wegen wegen Totschlages zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Seit Dienstag wird der Prozess vor dem Landgericht Münster neu aufgerollt.

Der Prozess um den Fall dreier toter Babys in Wenden wurde am Dienstag in Münster erneut aufgerollt.  Foto: ddp, ddp
Der Prozess um den Fall dreier toter Babys in Wenden wurde am Dienstag in Münster erneut aufgerollt. Foto: ddp, ddp

Unter Tränen und mit stockender Stimme gestand die 46-jährige Hausfrau aus dem sauerländischen Wenden, neben ihren drei heute erwachsenen Kindern (26, 24 und 20) in den Jahren 1986, 1988 und 2004 heimlich drei weitere Babys auf die Welt gebracht zu haben. Diese seien unmittelbar nach der Geburt gestorben. Sie habe die Leichen danach in Tüten gepackt und in der Tiefkühltruhe versteckt. "Ich wollte sie doch bei mir haben", sagte die Angeklagte.

Das Schwurgericht Siegen verurteilte sie im Dezember 2008 deswegen wegen Totschlags durch Unterlassen in zwei Fällen zu vier Jahren und drei Monaten Haft. Die Tötung des dritten Kindes war nach Überzeugung der Richter verjährt.

Foto: ddp, ddp

"Fahrt mich sofort zur Polizei"

Doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil im November 2009 auf Antrag der Staatsanwaltschaft teilweise aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet. Dabei droht der Angeklagten eine härtere Strafe. Das Gericht muss prüfen, ob die Babys wirklich starben, weil sie nach der Geburt nicht versorgt wurden, oder ob die Angeklagte sie durch aktives Handeln tötete.

Der damals 18-jährige Sohn der Angeklagten fand die drei Babyleichen in der Kühltruhe, als seine Eltern übers Wochenende verreist waren. Er wollte sich eine Tiefkühlpizza auftauen und wurde beim Suchen in der Truhe auf drei merkwürdige Plastiktüten aufmerksam. Nach der Rückkehr stellte er seine Mutter sofort zur Rede. Dabei soll die Frau einen Zusammenbruch erlitten und gesagt haben: "Fahrt mich sofort zur Polizei. Ihr wollt mich jetzt ohnehin nicht mehr sehen."

Motiv bleibt rätselhaft

Zu ihren Motiven machte die Hausfrau im Verlaufe des Verfahrens unterschiedliche Angaben. Eine Psychiaterin, die die Angeklagte unmittelbar nach der Festnahme im Mai 2008 untersuchte, sagte dem Gericht als Zeugin: "Mir gegenüber hat sie erwähnt, sie habe die Schwangerschaften verheimlicht, weil sie ihrem Mann ein weiteres Kind nicht zumuten wollte."

In ihrer von den Verteidigern Katrin Braun und Andreas Batholomé verlesenen Erklärung vor Gericht erklärte die 46-Jährige jedoch, dass sie "panische Angst" vor gynäkologischen Untersuchungen dazu getrieben hätten, die Schwangerschaften zu verheimlichen. Schließlich habe sie die Situation verdängt und ihre Angst in Unmengen von Alkohol ertränkt. Zuletzt soll die Frau bis zu zwei Flaschen Kräuterschnaps täglich getrunken haben.

Die Angeklagte befindet sich seit Ende 2008 nicht mehr in Untersuchungshaft. Nach einer mehrmonatigen stationären Therapie lebt sie heute von ihrer Familie getrennt in Köln. "Die Ehe besteht aber weiterhin", erklärte sie vor Gericht. "Wir haben zwar über Scheidung gesprochen, wollen das wegen der Kinder aber nicht machen."

Das Schwurgericht Münster hat für den Prozess zunächst noch drei Verhandlungstage bis zum 3. September 2010 angesetzt.

Quelle: apd

 
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