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Schweiz und Baden-Württemberg stark betroffen: Rhein sorgt für Überschwemmungen

zuletzt aktualisiert: 09.08.2007 - 21:48

Düsseldorf (RPO). Heftige Regenfälle haben in Deutschland und der Schweiz zum Teil große Schäden angerichtet. Der Rhein hat im Süden Hochwasser, in Baden-Württemberg wurde der Schiffverkehr über das Wochenende eingestellt. 

In der Schweiz gilt vielerorts "Land unter".  Foto: KEYSTONE, AP
In der Schweiz gilt vielerorts "Land unter". Foto: KEYSTONE, AP

Wegen des starken Hochwassers wird die Schifffahrt auf dem Rhein zwischen Iffezheim und Germersheim voraussichtlich gegen 22 Uhr eingestellt werden. Wie die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg in Karlsruhe am Donnerstagabend mitteilte, wird nach der Vorhersage zwischen 21 Uhr und 22 Uhr beim Pegel Maxau die Marke von 7,50 Meter erreicht sein.

Dann müsse die Schifffahrt in diesem Bereich eingestellt werden. Die Schiffe könnten dann erst wieder fahren, wenn die Marke 7,50 Meter wieder unterschritten werde, was frühestens am Montag der Fall sein werde.

Im Dreiländereck am Oberrhein drohen wegen anhaltend starker Regenfälle Überschwemmungen von dramatischem Ausmaß. Für die Schweizer Voralpen entlang des Rheins, der Aare und der Biese galt am Donnerstag bereits die höchste Warnstufe.

Diese Flüsse führten nach Angaben der baden-württembergischen Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) bereits ein Jahrhunderthochwasser wie zuletzt 1999.

Im Kanton Aargau brach bei Döttingen ein Damm. Das Gebiet der Au und Schützenmatte wurde überflutet, berichtete der Online-Dienst "20 Minuten" in der Schweiz. Mindestens acht Menschen wurden nach Angaben der Behörden in der Nacht zum Donnerstag verletzt, ein Landwirt kam ums Leben.

Teilweise katastrophale Zustände bestanden vor allem im Kanton Solothurn. Eine gespannte Lage herrschte aber auch in Olten. Dort waren Teile der Stadt überflutet, ein Gebäude stürzte ein, und die Stromversorgung brach teilweise zusammen.

141 Liter Regen pro Quadratmeter in Zürich

In Zürich wurden die größten Regenmengen innerhalb von 24 Stunden seit rund 100 Jahren gemessen, nämlich 141 Liter pro Quadratmeter. In der Region Bern fielen 120 Liter. Mindestens acht Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. So wurde ein Mann im Kanton Luzern von einem angeschwemmten Baumstamm getroffen. Im Freiburger Sensebezirk zog sich ein Feuerwehrmann in Bösingen bei einem Sturz in einen Schacht Rückenverletzungen zu.

In Kehl im Ortenaukreis wurde unterdessen das Rhein-Vorland wegen steigender Pegel gesperrt. Das Regierungspräsidium Freiburg wollte noch am Donnerstagnachmittag entscheiden, ob der große Rhein-Polder bei Kehl geöffnet wird, um der Flutwelle die Spitze zu nehmen.

Reiche dies nicht aus, könnte zudem der Polder Söllingen bei Baden-Baden geöffnet werden. Es werde erwartet, dass der Rhein ansonsten weiter ansteige und sich die Lage rheinabwärts im Bereich Karlsruhe - Mannheim verschärfen könne.

In Rheinfelden wurde der Hochwassermeldewert von acht Metern bereits am Donnerstagvormittag um mehr als zwei Meter überschritten. In Waldshut-Tiengen und Küssaberg (Kreis Waldshut) wurden zwei Campingplätze überflutet, die nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums geräumt werden mussten.

Die Urlauber wurden von der Feuerwehr in Notunterkünften untergebracht. Im Kreis Lörrach standen in der Nacht auf Donnerstag bereits erste Straßen unter Wasser, Keller liefen voll und mehrere Bäume stürzten um.

Auch im Bodenseekreis war die Feuerwehr in der Nacht mehrfach im Einsatz, um überflutete Keller auszupumpen. In Friedrichshafen floss am Donnerstagmorgen nach Angaben der Feuerwehr Wasser aus dem überfüllten Kanalsystem in eine öffentliche Tiefgarage, die deshalb gesperrt wurde.

Heftige Niederschläge auch in NRW

Auch Nordrhein-Westfalen war von den Unwettern betroffen. Am heftigsten war der Regen nach Angaben des Deutschen Wetterdienst (DWD) im Bergischen Land, in Münster sowie rund um Düsseldorf.

In Solingen, Remscheid und Heinsberg seien innerhalb von acht Stunden 25 bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Das entspreche einem Viertel bis einem Drittel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge für den ganzen Monat. Mit einer Entspannung der Wetterlage rechnete der DWD erst in der Nacht zu Freitag.

In Münster liefen wegen des Regens etwa 40 Keller in der Innenstadt voll, wie die Feuerwehr mitteilte. Außerdem seien Straßen überflutet worden.

Autofahrer hatten aber auch in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens mit nassen Fahrbahnen zu kämpfen. Auf der Autobahn 4 zwischen Eschweiler und Weisweiler prallte ein Sattelzug wegen Aquaplanings gegen die Leitplanken. Der Lkw habe einen Teil seiner Ladung verloren, teilte die Polizei mit.

Zwei Personen seien leicht verletzt worden, weil sie mit ihrem Auto der verlorenen Ladung nicht mehr hätten ausweichen können. Der Lkw-Fahrer blieb unverletzt. Die Autobahn musste für zwei Stunden gesperrt werden. Der Sachschaden betrug laut Polizei 150.000 Euro.

Aufmerksam, aber nicht besorgt beobachteten die Behörden am Donnerstag den steigenden Rheinpegel. "Wir machen uns keine großen Sorgen", sagte Yvonne Wieczorrek von der Hochwasserschutzzentrale in Köln.

Keine Hochwasser-Gefahr für Köln

Am frühen Donnerstagnachmittag stand der Pegel bei 3,15 Metern. Der Wasserstand werde am Freitag wegen starker Regenfälle am Oberrhein auf vier Meter, am Samstag auf 4,50 Meter steigen. Als erste Hochwassermaßnahmen würden Kanalschieber geschlossen, weil der Rhein in das Kanalsystem hineindrücke.

Für bewohnte Gebiete in Köln bestehe keine Gefahr, erklärte Wieczorrek. Sie seien erst am einem Wasserstand von acht Metern betroffen. Nasse Füße könnten hingegen Camper auf Campingplätzen entlang des Flusses bekommen. Manche davon seien schon ab einem Pegelstand von fünf Metern überflutet, sagte Wieczorrek.

Vorerst keine Folgen haben die Regenfälle für die Schiffe auf dem Rhein in Deutschland. Erst ab einem Pegelstand von 6,20 Metern dürfen Schiffe laut Wieczorrek nur noch in der Mitte des Flusses mit verminderter Geschwindigkeit fahren. Ab 8,30 Metern werde die Schifffahrt eingestellt.

Die Meteorologen hielten derweil ihre Unwetterwarnung für NRW bis zum Donnerstagabend aufrecht. Den ganzen Tag über müsse mit Starkregenfällen und zum Teil auch mit heftigen Gewittern gerechnet werden, hieß es. Es könne überschwemmte Straßen, Verkehrsbehinderungen und vollgelaufene Keller geben.

Wegen der Warnung sagte die Kreispolizeibehörde im Rhein-Sieg-Kreis einen für Donnerstag geplanten Sicherheitstag in Troisdorf ab. Da aufgrund des Starkregens viele geplante Programmpunkte nicht möglich seien, müsse der Termin verschoben werden, hieß es.


 
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