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Glauben
Rheinische Kirche will homosexuelle Paare trauen

Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe
Hintergrund: In diesen Ländern gibt es die Homo-Ehe FOTO: afp, DM
Düsseldorf. Die Evangelische Kirche im Rheinland kann sich nach jahrelangen Spardebatten wieder auf Inhalte konzentrieren. Sie wagt einen Vorstoß zur Trauung homosexueller Paare. Damit wird auch eine Eintragung ins Kirchenbuch möglich.

Ein entsprechender Antrag soll der Synode als oberstes Leitungsgremium im Januar zur Beratung vorgelegt werden. Bisher können gleichgeschlechtliche Paare in der rheinischen Kirche nur gesegnet werden, was nicht als Amtshandlung gilt. Künftig solle die kirchliche Eheschließung homosexueller Paare auch rückwirkend ins Kirchenbuch eingetragen werden können, sagte der leitende Jurist der rheinischen Kirche, Johann Weusmann, am Donnerstag in Düsseldorf.

Nach wie vor gebe es aber "Unterschiede in der theologischen Bewertung der Homosexualität", sagte Weusmann. Wenn ein Pfarrer oder eine Pfarrerin sich nicht in der Lage sehe, die Trauung durchzuführen, dann sehe der Beschluss vor, dass sich der Superintendent um einen Ersatz kümmere.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist die Trauung homosexueller Paare nicht einheitlich geregelt. Die hessische Kirche ermöglicht bereits seit längerem Trauungen von schwulen und lesbischen Paaren mit kirchlicher Beurkundung. Die Landeskirche Berlin-Brandenburg will die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare im Frühjahr 2016 einführen.

Dank erneut steigender Kirchensteuereinnahmen und des drastischen Sparkurses kann die rheinische Kirche als zweitgrößte evangelische Landeskirche finanziell etwas durchatmen. Für das laufende Jahr rechne die Kirche trotz sinkender Mitgliederzahlen mit einem Steueraufkommen von 687 Millionen Euro, sagte Finanzchef Bernd Baucks. Das sind 54 Millionen Euro mehr als Anfang des Jahres geschätzt. Im Haushalt 2016 würden 698 Millionen Euro aus Steuereinnahmen eingeplant. Den finanziellen Spielraum will die Kirche dafür nutzen, um 1,5 Millionen Euro in die Flüchtlingsarbeit zu stecken und "rheinische Akzente" beim Reformationsjubiläumsjahr 2017 zu setzen.

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Der drastische Anstieg der Flüchtlingszahlen aus Syrien komme für die Kirche nicht überraschend, sagte Präses Manfred Rekowski. Als die Kirche Ende schon 2013 die Aufnahme von mindestens 100.000 Flüchtlingen gefordert habe, "wurde suggeriert, als sei dies eine Überforderung für unser Land". Kritisch äußerte sich Rekowski zur Beteiligung Deutschlands am internationalen Militäreinsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien. "Ich finde es schwierig, wenn wir in Konfliktsituationen zum Konfliktpartner werden", sagte Rekowski. "Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass durch Waffenlieferungen oder Ähnliches die Konflikte nicht gelöst werden."

Die rheinische Kirche will an ihrem Sparkurs trotz der bisher steigenden Steuereinnahmen festhalten. So soll die Zahl der Abteilungen im Landeskirchenamt von sechs auf fünf verkleinert werden. Zudem könne das jahrelange strukturelle Haushaltsdefizit 2016 auf drei Millionen Euro reduziert werden, sagte Finanzchef Baucks.

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Bis spätestens 2022 werde auch der Kapitaldeckungsgrad der Pensionskasse bei 70 Prozent liegen. Bis etwa 2030 erwartet die rheinische Kirche einen Mitgliederrückgang um ein Drittel und eine Halbierung der Kirchensteuereinnahmen.

(lnw)
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