AOK-Studie: Rheinländer leben kürzer
VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 05.06.2010 - 23:09Berlin (RP). Besonders alt werden die Menschen in Bonn und im Rheinisch-Bergischen sowie im Rhein-Sieg-Kreis: die Frauen im Durchschnitt 83 Jahre, die Männer fast 79 Jahre. Schlusslicht bilden die Ruhrgebietsstädte Oberhausen, Duisburg und Essen, wo die Frauen gerade mal 80 Jahre alt werden und die Männer nur 74 bis 75 Jahre. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwas über 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer. Die Düsseldorfer liegen nur knapp unter diesem Durchschnitt.
Diese Daten gehen aus dem Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg hervor, der unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Eine mangelnde ärztliche Versorgung ist nicht der Grund für die im Bundesvergleich geringere Lebenserwartung der Rheinländer. "In den Städten haben wir eine fachärztliche Überversorgung", betonte AOK-Chef Wilfried Jacobs. Dies gelte teilweise auch für die Hausärzte.
So liegen die Kreise Mettmann, Wesel, Viersen und Neuss mit ihrem Angebot an Hausärzten zehn bis elf Prozentpunkte über der Bedarfsplanung. Gleiches gilt für die Städte Mönchengladbach, Krefeld, Remscheid und Leverkusen.
Bei den Fachärzten ist die Überversorgung teilweise erheblich. Beispiel Kreis Neuss: Dort praktizieren mehr als doppelt so viele Internisten und Anästhesisten als laut Planung der Kassenärztlichen Vereinigung notwendig wären. Auch Düsseldorf ist gut ausgestattet: Die Stadt liegt bei Anästhesisten, Internisten, Gynäkologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten über dem Soll. "Wir haben im internationalen Vergleich ein ausgesprochen leistungsfähiges Gesundheitssystem", betonte Jacobs.
Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen sind im bundesweiten Vergleich teuer. 805 Euro müssen jährlich pro Einwohner aufgewendet werden. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 771 Euro. Eine hohe Zahl an Betten und eine lange Verweildauer der Patienten könnten die Gründe dafür sein. Während deutschlandweit die Patienten im Mittel nach 8,1 Tagen ein Krankenhaus wieder verlassen, bleiben die Rheinländer länger. Spitzenreiter ist Remscheid mit elf Tagen. Etwa neun Tage sind es in Mettmann, Duisburg, Viersen und Kleve. Düsseldorf, der Kreis Wesel und Mönchengladbach liegen mit weniger als acht Tagen unter dem Durchschnitt.
Der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt ist nach den Daten der AOK ein erfreulicher: die Geburt eines Kindes. Als weitere Diagnosen folgen an erster Stelle psychische und Verhaltensstörungen, danach Volkskrankheiten an Herz und Lunge sowie Schlaganfälle.
Mit Apotheken ist das Rheinland gut ausgestattet. Für 100 000 Einwohner stehen wie auch im Bundesdurchschnitt jeweils 26 Apotheken zur Verfügung. Die Düsseldorfer gönnen sich ein bisschen mehr: 32 Apotheken pro 100 000 Einwohner. Auch die Mönchengladbacher scheinen viele Salben und Pillen zu benötigen. Sie haben 29 Apotheken pro 100 000 Einwohner.
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