Engpässe beim Impfstoff: Rösler beruft Ländergipfel ein
zuletzt aktualisiert: 08.11.2009 - 18:24Hannover (RPO). Mehrere Bundesländer beklagen Engpässe beim Schweinegrippe-Impfstoff. Große Teile der Bevölkerung haben ihre anfängliche Skepsis abgelegt und stürmen die Arztpraxen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler will am Montag mit den zuständigen Länderministern sprechen. Der bestmögliche Schutz der Bevölkerung müsse gewährleistet werden, so Rösler.
Nach der anfangs mangelnden Impfbereitschaft gegen das neue Influenzavirus hätten steigende Infizierungsfälle mittlerweile zu einem Ansturm auf die Arztpraxen geführt, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums am Freitag in Hannover.
Er sprach von "Engpässen" bei der Impfstoffversorgung, die durch neue Lieferungen hoffentlich bald aufgehoben würden. Hintergrund der Verknappung sei die schleppende Lieferung der wöchentlichen Impfstoffrationen. Bislang seien von den für Niedersachsen vorgesehenen 4,85 Millionen Dosen erst 388.000 eingetroffen. Eine neue Tranche von 136.000 Impfstoffdosen soll ab Montag eintreffen.
Von Verzögerungen bei der Lieferung von Impfstoff sprach auch Saar-Gesundheitsminister Gerhard Vigener (CDU). "Wir müssen in einigen Praxen vorübergehend mit Wartelisten rechnen", erklärte er in Saarbrücken. Ab Dezember werde es für Schwangere auch einen Impfstoff ohne Wirkverstärker geben. Die Verstärker sind wegen möglicher Nebenwirkungen umstritten. Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen kritisierte, dass der Impfstoff nur in Großpackungen abgegeben werde, die für kleinere Apotheken nicht absetzbar seien.
Bereits Anfang dieser Woche hatte Bayern Probleme bei der Versorgung gemeldet. Viele Praxen hatten bis dato noch keinen Impfstoff erhalten und ihre Patienten auf die nächsten Wochen vertröstet. So gab es im Großraum München nach Auskunft einiger Ärzte kaum Möglichkeiten, überhaupt zeitnah an den Impfstoff zu kommen. Die Bayerische Landesapothekerkammer bestätigte, dass die Bereitstellung der Impfstoffe Probleme bereite. Ursache sei vor allem die beschränkte Lieferkapazität des Herstellers GlaxoSmithKline.
Rösler ruft Ärzte auf, sich an Impfung zu beteiligen
Angesichts der Engpässe will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am Montag mit den zuständigen Länderministern sprechen. "Unser Ziel ist, gemeinsam für den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung zu sorgen", versicherte Rösler laut "Bild"-Zeitung vom Samstag. Nach der Telefonkonferenz solle es im Laufe der Woche auch ein Treffen der Gesundheitsminister in Berlin geben, "um herauszubekommen, wo es mögliche Schwachstellen zum Beispiel bei der Versorgung mit Impfstoff geben könnte".
Im NDR äußerte sich Rösler am Sonntag zuversichtlich, dass in Kürze überall ausreichend Impfstoff gegen die Schweinegrippe zur Verfügung stehen werde. Zugleich rief er die Ärzte auf, sich an den Impfaktionen zu beteiligen, "da, wo das nur zögerlich geschieht".
Der FDP-Politiker betonte: "Wichtig ist jetzt, dass die Industrie den Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stellt." Er hoffe, "dass die Industrie bald die avisierten Produktionsmengen liefern kann". Dies werde die Situation in den Ländern bei der stufenweisen Impfung entspannen. "Dennoch bitte ich besonders diejenigen Menschen um Geduld, die in der Reihenfolge nach den Helfern und den Kranken an der Reihe sind."
Insgesamt seien die Impfaktionen der Länder aber gut angelaufen, sagte Rösler der "Bild"-Zeitung weiter. Wie Experten empfohlen hatten, würden zuerst das Gesundheitspersonal und chronisch Kranke geimpft. "Dann jeder, der will", fügte der Minister hinzu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich laut "Bild" bereits von ihrem Hausarzt mit Pandemrix impfen lassen. Dieser Impfstoff mit Wirkverstärkern steht allen Bürgern zur Verfügung.
Alles zur Schweinegrippe finden Sie in unserem Special.
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