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Überraschungseier "nur für Mädchen“
"Rosa" Ü-Ei-Kampagne sorgt für heftige Kritik

Überraschungseier "nur für Mädchen“: "Rosa" Ü-Ei-Kampagne sorgt für heftige Kritik
Rosa und "nur für Mädchen" ist die neue Variante vom Überraschungsei. FOTO: Screenshot
Frankfurt. Seit ein paar Wochen zieren riesige rosa Plakate deutsche Großstädte. Darauf zu sehen ist ein Überraschungsei mit fliederfarbenen Blüten und einer Comic-Figur in kurzem Röckchen mit glitzernden Flügeln - "Neu. Und nur für Mädchen" steht auf den Plakaten. Ferrero zielt mit dem rosa Ei auf eine neue Zielgruppe und löst damit heftige Kritik aus. Von Anne Hemmes

Die "Taz" schreibt von "Spiel, Spaß und Sexismus", die Zeitschrift "Emma" wandelt den Spruch des rosa Eis von "Ei love rosa" in "Ei kotz gleich" ab und in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist die Rede von "Gender-Apartheid in der Spielwarenwelt".

In dem Ei, das in Papier mit Blümchenaufdruck gepackt ist, befinden sich Figuren aus der Zeichentrickserie Winx - dünne Feen-Figürchen in glitzernden, knappen Röckchen, mit langen Haaren und kurzen Tops. Und die sorgen für viel Ärger.

"Wir sind fast schon daran gewöhnt, dass Spielzeug oder andere Dinge nur mit rosa beworben werden. Was wir hauptsächlich kritisieren, ist, dass die Winx-Figuren bei dem Ei im Vordergrund stehen", sagt Genderforscherin Stevie Schmiedel, die zuletzt an der Uni Hamburg und der Hochschule für soziale Arbeit gelehrt hat.

Aussehen wie Models

"Die Figuren sehen aus wie Models. Das Produkt bekommt ein sexualisiertes Image und dient als eine Art Vorbild, die für das Alter der Zielgruppe nicht angemessen ist." Denn eigentlich, so Schmiedel, seien Überraschungseier etwas für jüngere Mädchen, die Winx-Figuren aber eher etwas für ältere. "Es ist unglaublich traurig, dass diese Figuren so eine zentrale Rolle spielen", meint Schmiedel. Insbesondere, weil es sich bei dem Überraschungsei, um ein "Traditionsprodukt" handele, dass schon Onkel und Tanten seit Jahren kennen.

Ferrero hat auf die wütenden Reaktionen bereits reagiert. Vor allem der Verein Pinkstinks, den Schmiedel Anfang Juli in Deutschland gegründet hat und der den Geschlechterwahn bei Spielwaren anprangert, hat Ferrero kritisiert. So postet eine Facebook-Nutzerin auf der Pinkstinks-Seite, was der Konzern ihr geantwortet hat.

Dort heißt es, dass "klassische "Mädchensachen" wie Blumen-Ringe und bunte Armbänder mit Tiermotiven" ebenso in dem Ei seien "wie aktivierende Überraschungen zum Werfen und Spielen wie Frisbees und solche, bei denen es auf Kreativität ankommt und gemalt, gepuzzelt und gebastelt werden darf."

Ferrero sagt, dass die Marktforschung gezeigt habe, dass sich "Mädchen eben auch mal klassische Mädchensachen wie Ringen und Puppen" wünschen würden. Mit dem bisherigen Überraschungsei hätte man diesem Wunsch nicht nachkommen können. Zudem ließen sich Mädchen heutzutage nicht mehr in nur eine Schublade stecken. "Pink und Ponyhof ist ihnen genau so wichtig, wie Fußball und Frauenpower."

Gegen Bedeutung der Farbe Rosa

Für Schmiedel ist diese Antwort nicht zufriedenstellend. "Es ist eine schlechte Ausrede. Natürlich wird da eine Schublade aufgemacht", sagt die 40-Jährige. Außerdem sei es traurig, dass man so extrem von Jungs weg dividieren würde. "Wenn ein Junge mal Lust auf das rosa Überraschungsei hat, gilt er als nicht normal."

Schmiedel kritisiert generell die starke Differenzierung der Geschlechter bei Kinderprodukten. "Es ist zum Beispiel völliger Blödsinn, Lego rosa zu machen, damit Mädchen da Lust drauf haben." Die Warenwelt würde das Spielverhalten prägen und nicht umgekehrt, wie oft behauptet würde. "Es wird auch häufig von einem Puppen-Gen gesprochen. Das ist absolute Pseudowissenschaft."

Gegen die Farbe Rosa, in die viele Winx-Figuren gehüllt sind, habe der Verein erstmal nichts, sagt Schmiedel. Aber das, wofür die Farbe steht. Nämlich Sexualisierung, wenig Kreativität und nur auf das Äußerliche bedachte. Dafür gibt es in der Spielwarenwelt ein Beispiel, meint Schmiedel.

"Prinzessin Lillifee ist der Guru des Rosa, die sich nur die Nase pudert. Da passiert nichts. " Heidi dagegen sei noch sehr bunt gewesen. "Sie vertrat noch eine Kinderwelt, in der etwas passiert ist." Was das rosa Überraschungsei angeht, plant der Verein in Hamburg, der sich an der britischen Initiative orientiert, eine Online-Petition gegen Ferrero.

(sap/das)
 
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