Geständnis: Rostocker Anwalt greift nach Bedrohung zur Waffe
zuletzt aktualisiert: 14.04.2006 - 16:36Rostock (rpo). Ein Anwalt aus Rostock ist zum Opfer und Täter gleichzeitig geworden. Nachdem der 35-Jährige in seinem Büro von zwei Männern bedroht worden war, griff er zur Waffe und schoss auf das Duo. Der Anwalt gestand den Angriff, bei dem ein Mann lebensgefährlich verletzt wurde. Nach seiner Flucht stellte sich der Täter eine Stunde später den Behörden.
Im Rostocker Bahnhofsviertel herrschte am Donnerstagabend Ausnahmezustand. Im Feierabendverkehr kurz vor dem langen Osterwochenende rasten Kolonnen von Polizeiwagen zum Tatort. In den Räumen der Kanzlei fanden die Beamten einen blutüberströmten Mann, der von Schüssen in Bauch und Hals getroffen worden war. Die Büroangestellten hatten Polizei und Notarzt alarmiert. Auch 24 Stunden später befand sich der aus Greifswald stammende Mann noch in einem kritischen Gesundheitszustand.
Ersten Ermittlungen zufolge hatten der 27-Jährige und ein weiterer Mann den Anwalt aufgesucht, um dessen "Verhalten als Verteidiger in aktuellen Strafverfahren zu beeinflussen", wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Das geschah mittels eines so genannten Schlaghandschuhs. Der Anwalt gab an, er habe dem Angriff ausweichen und seine Pistole ergreifen können. Dann habe er in kurzer Folge drei Schüsse in Richtung des Angreifers abgegeben.
Laut Staatsanwaltschaft handelte der Anwalt in Notwehr. Das hätten Zeugen bestätigt, sagte ein Ermittler. Jedoch hätte er keine Waffe besitzen dürfen, schon gar nicht geladen und ungesichert in den Räumen seiner Kanzlei. Der Rechtsanwalt wurde am Freitagnachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen den Begleiter des 27-jährigen Angreifers lägen ebenfalls keine Verdachtsmomente einer Straftat vor, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
In Rostock ist der Jurist, der unter anderem den so genannten Todesraser von Rügen verteidigt hatte, kein Unbekannter. Schlagzeilen hatte er unter anderem mit seiner Forderung von Honorarnachzahlung in erheblicher Höhe gegenüber Tatjana Gsell gemacht. Prozessbeobachtern war unklar geblieben, auf welchem Wege der Rostocker mit der Verteidigung der Witwe beauftragt wurde, die damals des Mordes an ihrem Mann angeklagt war und in Untersuchungshaft saß. Aktuell ist der 35-Jährige als Verteidiger an Gerichtsprozessen im Zusammenhang mit Rotlichkriminalität beteiligt.
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