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Dauerregen
Rügens Kreideküste gerät erneut ins Rutschen

Abgebrochene Kreidefelsen an der Küste von Rügen
Abgebrochene Kreidefelsen an der Küste von Rügen FOTO: Nationalpark Jasmund/dapd
Jasmund (RPO). Tagelanger Dauerregen bringt in diesem Sommer Rügens Kreideküste wieder ins Rutschen. Nach Angaben des Nationalparkamtes Vorpommern haben sich am Wochenende bereits an mehreren Stellen große Mengen Kreide und Mergel von der Steilküste im Norden der Insel gelöst.

Auch in den nächsten Tagen müsse man mit größeren Abgängen an den Steilküsten rechnen, sagt Amtsmitarbeiter Martin Gehrke am Montag der Nachrichtenagentur dapd.

Der vermutlich umfassendste Abbruch ereignete sich am Kieler Ufer zwischen Sassnitz und dem berühmten Königsstuhl. Allein dort sollen schätzungsweise mehrere 1.000 Kubikmeter Material auf den Strand und mehr als 20 Meter weit hinein in die Ostsee hinein gerutscht sein. Weitere Abbrüche habe es weiter nördlich, nahe der Wissower Klinken sowie bei der sogenannten Ernst-Moritz-Arndt-Sicht gegeben.

Amt mahnt zu Vorsicht bei Strandspaziergängen

Das Amt warnte inzwischen vor Spaziergängen am Steilküstenufer. Wer sich am Strand unterhalb der Kreideküste bewege, sollte sehr vorsichtig sein und überhängende Abschnitte am Kliff im Blick behalten, sagte Gehrke. Da es sich aber nicht um einen öffentlichen Weg handle, werde der Küstenabschnitt auch nicht behördlich gesperrt. "Wir sind uns aber sicher, dass in den nächsten Tagen noch etwas nachkommen wird."

Nach Angaben von Experten häufen sich Abbrüche an Rügens Küste vor allem in Tauperioden nach einem schneereichen Winter sowie nach tagelangem Dauerregen. Die großen Wassermengen, die in den vergangenen zehn Tagen auf Rügen niedergegangen seien, könnten vom Boden nun nicht mehr aufgenommen werden, sagte Manfred Kutscher, der als ehemaliger Mitarbeiter im Nationalpark Jasmund schon seit Jahrzehnten die natürliche Dynamik der Kreideküste verfolgt. Das Wasser durchdringe die lockeren Sandschichten und verwandle die darunter liegenden Mergel- und Kreideschichten in Rutschbahnen für das darüberliegende Material.

Bachläufe in den Buchenwäldern werden untersucht

Der Wasserhaushalt des Nationalparks Jasmund, dessen Buchenwälder kürzlich zum Weltnaturerbe der UNESCO erklärt wurden, wird bereits seit mehr als zwei Jahren von Experten untersucht. Man wolle herausfinden, wie viel Regenwasser aus dem weiten Einzugsgebiet auf die Steilküste treffe, sagte Gehrke. Im Moment hätten sich sogar sonst unscheinbare Waldbäche wie der Leescher Bach in sturzbachartige Gewässer verwandelt.

(apd)
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