Duisburg: Rüttgers wirbt für mehr Moscheen in NRW
zuletzt aktualisiert: 26.10.2008 - 17:10Duisburg (RPO). Weit über 10.000 Menschen kamen am Sonntag nach Duisburg-Marxloh, um bei der Eröffnungsfeier einer der größten Moscheen in Deutschland teilzunehmen. Ihre Vertreter wie auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sprachen von einer Stätte der Begegnung. "Wir sind voll und ganz angekommen in Duisburg, in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland", sagte Mehmet Özay, Vorstandsvorsitzender der Merkez-Moschee. Rüttgers betonte: "Wir brauchen mehr Moscheen in unserem Land, nicht in den Hinterhöfen, sondern sichtbar.
Die Verbindung von Vernunft und Religion, die Trennung von Staat und Religion, die Religionsfreiheit und die Pflicht zur Achtung des anderen Glaubens seien notwendige Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben, sagte Rüttgers in seiner Rede. "Das wird leichter sein, wenn endlich der Wunsch als berechtigt angesehen wird, dass bei uns Moscheen gebaut werden." Das Konzept in Duisburg beruhe auf Offenheit und auf Begegnungen zwischen den Kulturen und Religionen.
Rüttgers sprach aber auch davon, dass es bislang zu wenig Miteinander gebe. "Wir haben mit 40 Jahren Integrationspolitik beispielhaft versagt, wenn ein 70-Jähriger, der als junger Mann nach Deutschland gekommen ist, kaum Deutsch spricht." Gemeinsame Aufgabe von Muslimen und Nicht-Muslimen sei es heute, das Verbindende zu sehen und sehen zu wollen, sagte der Regierungschef. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam müsse nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet werden. Eine Begegnungsstätte, in der Menschen ins Gespräch kommen, sei daher gutes Projekt.
Stätte der Begegnung
Özay sagte, die Muslime lebten nicht provisorisch in Duisburg, sondern seien hier zu Hause. Die Moschee sei kein Symbol der Ausgrenzung, sondern der menschlichen, religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Zuwendung, betonte Özay. Die Eröffnungsfeier stand unter dem Motto "Begegnung der Kulturen". Die Moschee solle eine Stätte des Gebets, der Begegnung und einer guten gemeinsamen Zukunft sein, hieß es im Eröffnungsgebet.
Vor dreieinhalb Jahren hatte der Bau der Merkez-Moschee begonnen. Die Kuppelhöhe misst 23 Meter, das Minarett ist 34 Meter hoch. Elif Saat, Vorstandsvorsitzende der Ditib Bildungs- und Begegnungsstätte, sprach auf der Eröffnungsfeier von dem "kleinen Wunder Marxloh". Aus der Sehnsucht nach einer Moschee sei ein einzigartiges Projekt geworden: eine Moschee mit einer angegliederten interreligiösen und interkulturellen Begegnungsstätte.
Anders als beispielsweise in Köln hatte es keine Proteste und hitzige Debatten gegeben. Özay erklärte dies damit, dass von Anfang an Bürger, benachbarte Kirchengemeinden und gesellschaftliche Gruppen einbezogen worden seien. Auf den Ruf des Muezzins hat die Ditib-Gemeinde verzichtet - aus Rücksicht auf die Bewohner.
"Wir wollen Islam und Modernität"
Der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei, Ali Bardakoglu, sagte in seiner Rede, die Moschee in Duisburg sei ein schönes Beispiel für die ganze Menschheit und werde sicher in der Türkei ein positives Echo finden. "Wir wollen Islam und Modernität, Islam und Demokratie und Islam und Fortschritt."
Zu den Rednern der Eröffnungsfeier gehörten unter anderen der Bischof von Essen, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen und der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten der Türkei.
Auf einem Platz vor der Moschee haben viele Zuschauer die Eröffnungsfeier auf einer Leinwand verfolgt. Zum Abschluss der Eröffnungsfeier in Duisburg-Marxloh wurde symbolisch ein rotes Tuch durchgeschnitten, das einmal rund um die Moschee gebunden war.
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