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Videobeweis
War die zugemauerte S-Bahn-Tür ein Werbegag?

S-Bahn-Tür zugemauert: Neues Video zeigt Täter in Aktion
Das veröffentlichte Video zeigt im Detail, wie die S-Bahn-Tür zugemauert wurde. FOTO: Screenshot / youtube.com / Nofugazi.org
Düsseldorf. Ende April lachte das Netz über eine zugemauerte S-Bahn-Tür in Hamburg. Bislang tappte die Polizei bei der Suche nach den Tätern im Dunklen. Jetzt taucht ein Videobeweis der Tat auf – veröffentlicht von einem britischen Modelabel. Von Henning Bulka

Anderthalb Stunden lang fuhr die S-Bahn mit der zugemauerten Tür im April durch Hamburg, bevor der Fahrer den kuriosen Vorfall bemerkte. Die Fahrgäste mussten den Zug verlassen. Der Schaden beläuft sich auf eine fünfstellige Summe. Seitdem sucht die Bundespolizei nach den Tätern, die der Behörde zufolge mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer empfindlichen Geldstrafe rechnen müssen.

Nun ist ein Video im Netz aufgetaucht, das vom Londoner Mode-Label "Nofugazi" hochgeladen wurde. Es zeigt im Detail, wie mehrere Vermummte den Mörtel anmischen, die Ytong-Steine zusägen, zur S-Bahn laufen und darin die Tür zumauern. Im Titel des Videos "The Wall" ist der Name des deutschen Graffiti-Kollektivs "Moses & Taps" zu sehen.

Die Gruppierung ist schon häufiger durch Formen des Aktions-Vandalismus aufgefallen. So hat "Taps" etwa 2010 in Hannover ein S-Bahn-Fenster täuschend echt so umlackiert, dass es wie eine Tür aussah – inklusive aufgeklebter Gummidichtung und einem Druckknopf.

Sehen Sie sich hier das Video der zugemauerten S-Bahn-Tür in Hamburg an:

Auf den ersten Blick scheint sehr deutlich, dass "Nofugazi" selbst für die kuriose aber strafrechtlich relevante Tat verantwortlich ist. Auf der Website des Labels ist jedoch ein Haftungsausschluss veröffentlicht. Darin ist zu lesen, dass die Seite "ausdrücklich jegliche Verantwortung für die Inhalte eingebetteter Videos oder verbreiteter Fotos abstreitet, die Graffiti oder Street Art oder jede andere Form des Vandalismus beinhalten."

Die Videos und Fotos seien auf anonymem Weg an "Nofugazi" gesandt worden und schon vorher im Netz verfügbar gewesen. Weiter heißt es, "Nofugazi" wolle keinesfalls zu kriminellen Handlungen anstiften und nutze die Inhalte nur, weil sie das Image der Marke "repräsentieren" und sie "authentisch" machen würden.

In jedem Fall passt das Video zur Beschreibung des Vorgangs durch die Bundespolizei. Demnach waren 17 schwere Ytong-Steine exakt auf den Eingangsbereich zugeschnitten und professionell aufeinandergestapelt. Bilder mehrerer Überwachungskameras zeigen drei vermummte Gestalten. Diese wussten offensichtlich ganz genau, was sie taten und gingen zielstrebig vor.

Einem Sprecher der Bundespolizei in Hamburg war das Video bis Dienstagmorgen einer Anfrage unserer Redaktion zufolge nicht bekannt. Die Behörde will das Video jetzt allerdings prüfen.

(RPO, HeBu)
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