Massaker im Kongo: Schaltzentrale Mannheim?
zuletzt aktualisiert: 19.10.2009 - 17:30Leipzig/Mannheim (RPO). Einer der Hauptverantwortlichen für zahlreiche Morde und mehrere Massaker im Kongo lebt einem Medienbericht zufolge weiterhin unbehelligt in Deutschland. Der Präsident der gefürchteten Hutu-Miliz FDLR, Ignace Murwanashyaka, lenke seine Truppen von Mannheim aus über ein Satellitentelefon, berichtet das ARD-Magazin "Fakt" am Montagabend (21.45 Uhr). Grausame Massaker im Osten des Kongo würden damit von Deutschland aus organisiert.
"Es gab Befehle von Murwanashyaka an seinen Armeechef, die Bevölkerung zu bestrafen und eine humanitäre Katastrophe zu verursachen", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) gegenüber "Fakt". Rund um ein Massaker im Mai 2009, bei dem die Hutu-Rebellen mindestens 96 Menschen - darunter Babys und Kleinkinder - getötet hätten, könnten die UN einen intensiven Telefonkontakt zwischen Murwanashyaka und seiner Armeespitze nachweisen.
Seit Jahren werde Murwanashyaka von Interpol wegen schwerer Kriegsverbrechen gesucht. Den UN lägen inzwischen eindeutige Beweise für die steuernde Rolle Murwanashyakas vor. Dennoch lasse ihn die deutsche Justiz auf freiem Fuß, berichtete "Fakt". Harald Hinkel, der für die Weltbank seit langem mit den FDLR über ihre Demobilisierung verhandelt, nannte das Vorgehen "nicht nachvollziehbar."
Die Bundesanwaltschaft teilte auf ddp-Anfrage mit, ein im Frühjahr 2006 eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen Murwanashyaka sei am 18. Juli 2007 eingestellt worden. Die durchgeführten Ermittlungen hätten nicht zu einem hinreichenden Tatverdacht geführt, der für eine Anklageerhebung erforderlich sei. Weitergehende Auskünfte lehnte die Bundesanwaltschaft ab.
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