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Studie weist erstmals Zusammenhang nach: Schlechte Bildung fördert Kriminalität

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 11.11.2010 - 11:46

Frankfurt/Main (RPO). Mach deinen Abschluss, sonst wirst du nichts. Wie oft trichtern Eltern diesen Satz ihren Kindern ein. Und auch Politiker betonen immer wieder, wie wichtig Bildung für die Zukunft ist. Nun weist eine Studie erstmals einen Zusammenhang zwischen schlechter Bildung und Kriminalität nach. Die Schlussfolgerung: Die Zahl der Straftaten könnte verringert werden, wenn es weniger Schulabbrecher gebe.

Die Zahlen klingen gewaltig: 416 Fälle von Mord und Totschlag, mehr als 13.000 Fälle von Raub und Erpressung sowie über 300.000 Diebstahls-Delikte hätten im vergangenen Jahr verhindert werden können - und zwar dann, wenn der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss halbiert worden wäre. Dieser Ansicht sind zumindest die Macher der Studie "Mehr Bildung - weniger Kriminalität".

Die Wissenschaftler von der Universität Frankfurt wollten im Auftrag der Bertelsmann Stiftung nachweisen, dass der Zusammenhang zwischen schlechter Bildung und Kriminalität kein Zufall ist. Mehr als 1000 Menschen befragten sie dazu - sowohl Häftlinge als auch Menschen ohne Vorstrafen - und stützten sich auf Erhebungen aus den Bundesländern.

Die Schlussfolgerung der Forscher: Zwar spielten Einflüsse wie Vorstrafen im Elternhaus auch eine Rolle, doch eine wichtige Ursache für Straffälligkeit und Kriminalität sei eben unzureichende Bildung. "Unser Schulssystem lässt viel zu viele Schüler scheitern", betont denn auch Dr. Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung.

Blick auf Häftlinge

Untermauert wird die Erkenntnis durch die Bildungsstruktur von Häftlingen. Ein Großteil der Straftaten sei von Menschen mit niedriger Schulübung verübt worden. Allerdings unterscheidet die Studie auch im Hinblick auf die Straftaten selbst. Demnach hat die Bildung vor allem einen Einfluss auf Delikte wie eben Raub, Mord oder Diebstahl. Bei Körperverletzung oder Sexualstraftaten dagegen konnte dies nicht nachgewiesen werden.

Zugleich weisen die Wissenschaftler auch darauf hin, dass durch die Kriminalität hohe Kosten für die Gesellschaft entstehen. Und auch dieser Aspekt wird in Zahlen gemeiselt. 1,42 Milliarden Euro pro Jahr hätten demnach eingespart werden können, wenn die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss halbiert worden wäre.

Daher lautet auch Jörg Drägers Appell an die Politik, Jugendlichen die Möglichkeit zu einem erfolgreichen Berufsleben zu ermöglichen. Sie bräuchten eine Perspektive. Damit steht Dräger natürlich nicht allein da. Schon lange fordert die Politik mehr Investitionen in die Bildung, um die Chancen von Jugendlichen zu verbessern.

Und so erscheint es fast logisch, dass die Gefahr, in die Kriminalität abzurutschen, größer ist, wenn man keine Perspektive hat. Nun aber wurde es eben mit der Studie erstmals nachgewiesen.

Zehntausende Schulabbrecher

Doch die Zahlen helfen nicht bei dem Hauptproblem, das die Politik hat. Wie können Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien gefördert werden? Wie lässt sich gesellschaftliche Teilhabe für alle ermöglichen? Und vor allem: Wie kann in Zeiten von rigiden Sparvorgaben genug für die Bildung getan werden?

Diese Fragen freilich beantwortet die Studie nicht und kann sie auch nicht beantworten. Denn auch die Bildunsgpolitiker zerbrechen sich auf ihren Konferenzen darüber den Kopf. Und eines der Ziele ist es eben, die Zahl der Schulabbrecher zu verringern.

Doch die ist noch immer hoch. Im Sommer vergangenen Jahres verließen 58.000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule. Ein Viertel kommt demnach aus Hauptschulen und mehr als die Hälfte aus Förderschulen.


 
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