Der Winter hat Deutschland im Griff: Schnee und Eis legen Flughäfen lahm
zuletzt aktualisiert: 09.12.2010 - 21:32Berlin (RPO). Ein Land in der Winter-Zange: Schnee und Eis sorgen auf den Straßen und im Flugverkehr für erhebliche Behinderungen. Der Airport Frankfurt war zwischenzeitlich gesperrt. An vielen Flughäfen wird das Enteisungsmittel knapp. Teile von Thüringen waren ohne Strom. In NRW ereigneten sich bis zum Abend rund 260 Unfälle auf glatten Straßen. Laut Deutschem Wetterdienst soll es nasskalt bleiben.
Der Flughafen Frankfurt musste am Donnerstag zwischenzeitlich gesperrt werden. Mittlerweile ist das Start- und Landebahnsystem wieder voll in Betrieb. Der Flughafenverband ADV meldet bei einigen Flughäfen Nachschubschwierigkeiten für Enteisungsmittel. "Grund hierfür sind Lieferschwierigkeiten der wenigen auf die Produktion von Enteisungsflüssigkeiten spezialisierten Hersteller. Bei den Lieferengpässen handelt es sich um ein europäisches Problem", so der ADV.
3000 Passagiere saßen über Nacht auf dem Flughafen der Main-Metropole fest. Am Münchner Airport haben rund 700 Passagiere haben die Nacht auf Feldbetten am Münchner Flughafen verbringen müssen. Ihre Flüge waren in der Nacht zum Donnerstag aus Frankfurt umgeleitet worden, da sie dort wegen des Winterwetters nicht landen konnten, wie der Flughafen München mitteilte. Insgesamt seien 21 Maschinen betroffen gewesen.
Auch auf dem Münchner Flughafen saßen in der Nacht mehrere hundert Passagiere fest, weil ihre Maschinen Frankfurt nicht anfliegen konnten. Auf den Berliner Flughäfen wurde etwa jeder dritte Flug gestrichen.
Unfälle in NRW
In Nordrhein-Westfalen hat sich die Einsatzlage sich im Verlauf des Tages leicht entspannt. In der Zeit von 12 Uhr bis 20 Uhr ereignetet sich 258 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, bei denen eine Person schwer und 14 leicht verletzt wurden. Der Gesamtsachschaden beläuft sich auf zirka 500.000 Euro.
Die Anzahl der sonstigen witterungsbedingten Einsätze beläuft sich auf 91. Hierbei handelt es sich überwiegend um Gefahrenstellen durch umgestürzte Baüme und Schneeverwehungen.
Der Deutsche Wetterdienst warnt für die kommende Nacht vor gebietsweise schauerartigen Schneefällen. In Höhenlagen, insbesondere im Osten des Landes, können zudem stürmische Windböen auftreten und zu Schneeverwehungen führen. Es wird glatt.
Teile Thüringens ohne Strom
In einigen Regionen Thüringens ist indes das Stromnetz zusammengebrochen. Die "Bild"-Zeitung meldet online, dass Schnee und Eisregen die Stromverbindungen in Saale-Orla und Saalfeld-Rudolfstadt seit zwölf Stunden lahm gelegt haben.
In Leipzig brach am Mittwochabend der gesamte Straßenbahnverkehr zusammen, nachdem der Regen Oberleitungen und Schienen vereist hatte. 65 Züge waren auf der Strecke festgefroren. Auch am Donnerstag fuhren zunächst kaum Straßenbahnen, nachdem in der Nacht auch noch 20 Zentimeter Neuschnee gefallen waren.
Im Laufe des Tages ist vor allem an den Nordrändern der Mittelgebirge und der Alpen mit weiterem Schneefall zu rechnen. Am Alpenrand sind noch einmal Neuschneemengen um 20 Zentimeter möglich, in den Mittelgebirgen um 15 Zentimeter.
Es bleibt nasskalt
Trotz des Abzugs von Tief Monika bleibt es in den kommenden Tagen nasskalt. Vor allem im Bereich der Mittelgebirge sowie der Alpen kann es zudem wieder jede Menge Neuschnee geben, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag mitteilte. Dabei werden verbreitet Plusgrade erreicht.
Am Freitag schneit es zunächst im Süden, in der Mitte und im Westen leicht bis mäßig. Am Nachmittag setzt im Norden Regen ein. Die Temperaturen liegen bei minus vier Grad in Odernähe und am Alpenrand und bis zu vier Grad im Westen. Dabei weht ein mäßiger bis frischer, im Nordwesten und in den Bergen stürmischer Wind.
In der Nacht zum Samstag ist verbreitet mit Niederschlägen zu rechnen - in Süddeutschland mit Schnee, sonst mit Regen. Es besteht Glatteisgefahr.
Am Samstag bleibt es bedeckt. Im Osten und Süden fällt Schnee oder Schneeregen, im Nordwesten Regen. An den Nordhängen der Mittelgebirge und der Alpen kann es längere Zeit schneien. Bei teils stürmischem Wind muss mit Schneeverwehungen gerechnet werden. Es werden Werte zwischen null Grad am Alpenrand und sechs Grad im Emsland erreicht.
Am Sonntag lassen die Niederschläge von Westen her nach, es bleibt bewölkt. Im Südosten schneit es noch etwas. Die Temperaturen liegen zwischen null Grad am Alpenrand und sechs Grad am Niederrhein.
Gesperrte Bundesstraßen
In Thüringen sorgte der Flockenwirbel im ganzen Land für Behinderungen, teilte das Erfurter Innenministerium mit. Auf der Autobahn 9 hatte sich am frühen Morgen zwischen der Landesgrenze zu Bayern und dem Hermsdorfer Kreuz ein etwa 20 Kilometer langer Stau gebildet. Der Triptiser Berg im Saale-Orla-Kreis zwischen den Anschlussstellen Triptis und Dittersdorf wurde trotz aller Bemühungen des Winterdienstes unpassierbar.
In Fahrtrichtung Berlin staute sich der Verkehr zeitweise über 16 Kilometer bis zur Anschlussstelle Schleiz. Auf der A 4 zwischen Jena und Erfurt-West lassen liegengebliebene Lastwagen des Verkehr nur sehr langsam rollen. Die Bundesstraße 281 wurde am späten Mittwochabend zwischen Saalfeld und Neuhaus/Rennweg am Arnsgereuther Berg wegen starken Schneefalls und mehrerer umgeknickter Bäume bis in die frühen Morgenstunden voll gesperrt.
Regen, Schnee und Temperaturen unter Null führten auch in Sachsen zu Behinderungen. Besonders betroffen war das Gebiet um Pausa, Mehltheuer und Mühltroff nordwestlich von Plauen. Die Bundesstraße 92 musste zwischen Bad Brambach und dem Grenzübergang Schönberg wegen Schneebruch um umgestürzter Bäume voll gesperrt werden. Das Ende der dortigen Arbeiten wird am Donnerstagmittag erwartet.
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