EKD bittet frühere Heimkinder um Verzeihung: Schneider bekennt "Versagen" der Kirche
zuletzt aktualisiert: 11.09.2011 - 15:01Berlin (RPO). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ehemalige Heimkinder um Verzeihung für erlittenes Leid und Unrecht in kirchlichen Einrichtungen gebeten. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier am Sonntag in Berlin zum "Versagen" der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren.
Es beschämt uns, dass die Atmosphäre in evangelischen Heimen oft nicht vom Geist christlicher Liebe geprägt war", heißt es in der Erklärung. "Damit sind Kirche und Diakonie schuldig geworden."
Im Namen der EKD und der Diakonie bitte er "die betroffenen Heimkinder für das in evangelischen Heimen erfahrene Leid um Verzeihung", erklärte Schneider auf einer Veranstaltung in Berlin. In den Nachkriegsjahren sei in evangelischen Heimen "nicht selten" Gewalt als erzieherisches Mittel angewandt worden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
"Kinder und Jugendliche wurden oft mit dem Ziel, ihren Willen zu brechen, auf menschenunwürdige Weise erniedrigt." Es habe Fälle von sexueller Gewalt gegeben. An menschlicher Wärme habe es gefehlt, die religiöse Erziehung sei oft mit Zwang verbunden gewesen. Die Kinder seien "dadurch für ihr ganzes Leben geprägt" worden.
Der Ratsvorsitzende und der Diakoniechef betonten, dass sie den begonnenen Weg der Aufarbeitung und des Dialogs mit den ehemaligen Heimkindern weitergehen wollen. Dabei solle es auch um "angemessene Hilfen und materielle Unterstützung" gehen. "Dabei sind wir uns bewusst, dass materielle Hilfen lindern und befrieden, aber verlorene Lebenschancen nicht wieder gut machen können", erklärten die Kirchenmänner. Mit der öffentlichen Bitte um Verzeihung erkennten EKD und Diakonie "das schwere Leid an, das Kinder und Jugendliche auch in den Heimen in evangelischer Trägerschaft erfahren haben", hieß es in der Erklärung.
Der Runde Tisch Heimerziehung hatte in seinem Abschlussbericht vom Dezember 2010 unter anderem die Errichtung eines Fonds für Folgeschäden und Rentenersatzleistungen in Höhe von insgesamt 120 Millionen Euro vorgeschlagen, aus dem Opfern der Heimerziehung in Deutschland in den 50er und 60er Jahren schnell und unbürokratisch geholfen werden soll. Bund, Länder und Kirchen beteiligen sich je zu einem Drittel an dem Fonds.
Die Höhe der Entschädigung soll je nach Einzelfall berechnet werden. Zahlreiche Opfer hatten sich mit der Regelung unzufrieden gezeigt und kündigten Klagen an, um lebenslange Renten zu erhalten. Rund 700.000 bis 800.000 Mädchen und Jungen lebten in den 50er und 60er Jahren in Heimen in der Bundesrepublik.
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