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Deutsche Bahn: Schon wieder Jugendliche aus Zügen verwiesen

zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 17:48

München/Coesfeld (RPO). Die Deutsche Bahn kommt nicht zur Ruhe: Nach den Vorwürfen bezüglich defekter Bremsen und der jüngsten Skandale um das Hinauswerfen von Jugendlichen wegen fehlender Fahrkarten aus Zügen hat es  offenbar weitere Fälle gegeben, in denen Minderjährige entgegen den Dienstvorschriften von DB-Angestellten aus Zügen verwiesen wurden.

Schon wieder hat sich bei einer Bahnfahrt ein tödliches Unglück ereignet.  Foto: AP, AP
Schon wieder hat sich bei einer Bahnfahrt ein tödliches Unglück ereignet. Foto: AP, AP

Ein zwölfjähriges Mädchen musste auf der Fahrt von Fürstenfeldbruck nach München im Vorort Eichenau offenbar aus der S-Bahn aussteigen, weil seine Kinderfahrkarte nach einer Tariferhöhung ungültig war. Aus dem Münsterland wurde ein Fall bekannt, bei dem vier Mädchen ohne gültigen Fahrschein aus dem Zug geworfen wurden.

Zu dem Fall aus München erklärte die zwölfjährige Martina R. der "Abendzeitung", sie sei mit einer Schulfreundin in Fürstenfeldbruck gewesen und gegen 18.00 Uhr mit einer abgestempelten Kinderstreifenkarte zurückgefahren. Zwei Kontrolleure hätten die Karte aber für ungültig erklärt. Weil sie keine 40 Euro Strafe habe zahlen können, habe sie in Eichenau allein aussteigen müssen. "Es war schon dunkel, und am Bahnhof war niemand", sagte sie. "Ich hab' meinen Papa angerufen, der hat mir gesagt, dass ich mich in die nächste S-Bahn setzen soll."

Der Vorfall trug sich laut "Abendzeitung" am vergangenen Wochenende, laut Bahn bereits am 25. Oktober zu. Die Bahn erklärte, man nehme die Aussage der Schülerin sehr ernst. Man habe mit dem Vater telefoniert, Bedauern ausgedrückt und sich vorsorglich entschuldigt. Der Vater habe diese Entschuldigung angenommen. Die DB habe die Prüfung des Hergangs zur Stunde noch nicht abgeschlossen und könne deswegen die Details nicht abschließend bestätigen.

Bahn verstärkt Schulungen

"Für alle Mitarbeiter in den Zügen gilt, dass Minderjährige nicht des Zuges verwiesen werden dürfen", bekräftigte die Bahn. Neben den bundesweit eingeleiten Maßnahmen - einer aktuellen Anweisung per sms und verstärkter Schulung - habe die S-Bahn München am Donnerstag schriftlich die Anweisung an ihre Mitarbeiter wiederholt, dass diese Vorschrift unbedingt einzuhalten sei. Sollte sich nach dem Abschluss der Prüfung herausstellen, dass tatsächlich DB-Mitarbeiter gegen diese Vorschrift verstoßen haben, sei mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Suspendierung vom Dienst zu rechnen.

Foto: OPINIO ce comico

Auch im Münsterland wurden im September vier Jugendliche ohne gültigen Fahrschein aus dem Zug geschickt. Die Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren wurden vom Zugbegleiter vor die Wahl gestellt, entweder jede sofort 40 Euro Strafe zu zahlen oder in dem 65-Einwohner-Örtchen Lutum auszusteigen, wie ein Bahnsprecher am Donnerstag der AP berichtete. Der Vorfall ereignete sich samstags gegen 18 Uhr abends.

Verkehrsgewerkschaft GDBA warnt vor Pauschalurteilen

Nach Darstellung der Bahn fuhren die Mädchen mit dem folgenden Zug weiter. Mit dem Zugbegleiter hätten Vorgesetzte inzwischen ein "persönliches Gespräch" geführt, angesichts des weniger schweren Falls auf eine Suspendierung aber verzichtet, sagte der Sprecher. Zuerst hatte die "Münstersche Zeitung" über den Vorfall berichtet.

Der Bundesvorsitzende der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, nahm unterdessen die Zugbegleiter der Bahn vor pauschalen Verurteilungen in Schutz. "Es kann nicht sein, dass durch das mögliche Fehlverhalten einiger weniger ein ganzer Berufsstand öffentlich verunglimpft wird", sagte er. "Unsere Kolleginnen und Kollegen werden für alles verantwortlich gemacht, was bei der Bahn schief läuft." Der Bundesvorsitzende der Verkehrsgewerkschaft forderte Bahnchef Hartmut Mehdorn auf, sich öffentlich vor seine Mitarbeiter zu stellen und pauschaler Kritik entgegenzutreten.

Quelle: ap

 
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