Winterchaos in Norddeutschland: Schulfrei durch "Daisy"
zuletzt aktualisiert: 10.01.2010 - 18:00Berlin (RPO). Das Tief "Daisy" hält Norddeutschland in Atem. Während das übrige Deutschland weitgehend verschont blieb, sorgten im Norden starke Schneefälle, Schneeverwehungen und Sturmfluten für chaotische Verhältnisse. Zahlreiche Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten, bei Lübeck und auf der Ostseeinsel Fehmarn drohten vorübergehend die Deiche zu brechen. In ganz Mecklenburg-Vorpommern fällt am Montag die Schule aus.
Das Schneechaos hat weite teile Norddeutschlands regelrecht lahmgelegt. Züge fielen aus, Straßen waren wegen bis zu drei Meter hohen Schneewehen unpassierbar, zweitweise fiel der Strom aus. Nur langsam entspannt sich die Lage.
Schulfrei In ganz Mecklenburg-Vorpommern wurde wegen der Witterungsbedingungen für Montag der Schulbetrieb abgesagt, ebenso in den schleswig-holsteinischen Landkreisen Rendsburg-Eckernförde, Bad Segeberg, Plön und Ostholstein.
Kritische Lage an den Deichen Ernsthafte Schwierigkeiten bereiteten am Sonntag vor allem in Schleswig-Holstein auch unterspülte Deiche und die über die Ufer getretene Ostsee samt ihrer Zuflüsse. Tagsüber waren erste Risse aufgetreten. Am Abend gab es Entwarnung: Auf der Insel Fehmarn gelang es den Einsatzkräften am Sonntagabend, eine kritische Stelle mit großen und kleinen Sandsäcken zu verstärken. "Wir gehen davon aus, dass das hält", sagte der Feuerwehr-Einsatzleiter im NDR.
Ständig aktuell: In unserem Winter-Ticker halten wir Sie über die Geschehnisse auf dem Laufenden.
Auch ein Deichabschnitt bei Lübeck, in dem Risse aufgetreten waren, konnte nach Angaben der Einsatzleitstelle Eutin mit Steinen stabilisiert werden. Aus der Lübecker Altstadt sowie aus Flensburg wurden Überschwemmungen gemeldet, Hochwasser gab es am Abend auch in Kiel und Eckernförde.
Die Ostseeinsel Fehmarn ist vollständig eingeschneit. Am Abend war immer noch etwa die Hälfte der Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Das Schlimmste sei noch nicht überstanden, sagte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt im NDR. Nach Angaben der Stadtverwaltung waren zeitweise rund 5000 Einwohner von den Schneemassen eingeschlossen. Lediglich die Europastraße zum Fährhafen Puttgarden E47 sei geräumt. Der Fährbetrieb war allerdings eingestellt. Ein Stromausfall am Vormittag sei relativ schnell wieder behoben worden. Hauptproblem seien die bis zu zwei Meter hohen Schneeverwehungen. Es sei von der Bundeswehr zusätzliches Räumgerät im Einsatz. "Aber wir kämpfen gegen Windmühlen", sagte Burkhard Nass. Freigeräumte Strecken würden umgehend wieder von Schneemassen bedeckt.
Auch auf der Ostesee-Insel Rügen gabe es Problemen wegen ständiger Schneeverwehungen. Dort wurden Sturmböen mit Windstärke elf gemessen. Allerdings sei die Lage weniger dramatisch als auf Fehmarn, sagte ein Polizeisprecher.
Katastrophenalarm In Mecklenburg-Vorpommern wurde nach 30 Zentimetern Neuschnee im Landkreis Ostvorpommern Katastrophenalarm ausgerufen. Auf der Autobahn 20 saßen Autofahrer stundenlang im Schnee fest und mussten mittels Radladern befreit werden, weil auch normale Räumfahrzeuge nicht mehr vorankamen.
Für Montag kündigte die Landesregierung in Schwerin schulfrei an. Auch der Bahn-Nahverkehr kam im ganzen Norden am Sonntag weitgehend zum Erliegen. Dutzende Züge fielen aus. "Es herrscht bei uns das absolute Schneechaos", sagte Christoph Krohn, Sprecher des Katastrophenstabs des Landkreises Ostvorpommern und der Stadt Greifswald. >>mehr
Im Süden und in der Mitte bleibt das Chaos aus Auch im Süden und in der Mitte Deutschlands sorgte das Tief "Daisy" für zahlreiche Behinderungen. In NRW blieb das befürchtete Chaos jedoch trotz erheblicher Schneefälle weitgehend aus. Seit der Nacht zu Samstag hat es landesweit ergiebig geschneit, was mitunter zu Schneeverwehungen geführt hat. Die Schneehöhe betrug je nach Ort zwischen 5 und 20 Zentimetern. Bei Unfällen starben zwei Menschen. Die meisten Unfälle verliefen aber glimpflich. >>>mehr
Der Verkehr kam auch in Teilen von Hessen und Baden-Württemberg zum Erliegen. Das Innenministerium in Stuttgart meldete von Freitagnachmittag bis Sonntag 904 Unfälle mit 97 Verletzten. Am Grenzübergang Neuenburg hatten sich wegen der Sperrung einer französischen Autobahn in der Nacht zum Samstag 400 Lastwagen gestaut.
Entspannung an den Flughäfen: Entspannung meldeten am Sonntag die deutschen Flughäfen. In Frankfurt wurden nach Angaben eines Sprechers knapp 100 der geplanten 1180 Flüge annulliert. Am Vortag waren noch 255 Flüge gestrichen worden. Die anderen deutschen Flughäfen meldeten am Sonntag weitgehend normalen Verkehr. Ausfälle gab es zumeist bei Flügen aus Frankreich oder Großbritannien, wo das Winterwetter das öffentliche Leben auch stark beeinträchtigte.
Die Wettervorhersage: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes traf das von Süden her über Deutschland ziehende schneehaltige Tief "Daisy" im Norden mit dem Hoch "Bob" aus Skandinavien zusammen. Dies werde auch in den kommenden Tagen weiterhin für frostige Temperaturen sorgen und Deutschland fest im Griff behalten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







