Neue Studie schlägt Alarm: Schweinefleisch mit Darmbakterien belastet
zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 13:11Berlin (RPO). Einer Stichprobe zufolge könnte ein großer Teil des in Deutschland verkauften Schweinefleischs mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet sein. Auf fünf von 20 Proben mit abgepacktem Schweinefleisch aus Frischetheken habe ein Fachlabor bei einer bundesweiten Stichprobe "mutierte Darmbakterien der Art Escherichia coli" nachgewiesen.
Die Bakterien produzieren dem "Stern"-Bericht zufolge das Enzym ESBL, das verschiedene Antibiotika unwirksam mache. Die Darmbakterien fielen "bei den üblichen Hygieneuntersuchungen von Lebensmitteln durchs Raster", weil nicht nach ihnen gesucht werde, berichtete die Zeitschrift.
Die Zahl der Infektionen von Menschen mit den Bakterien habe jedoch in den vergangenen fünf Jahren "stark zugenommen". Es gebe viele Hinweise darauf, dass ein massenhafter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg sei, sagte Elisabeth Meyer, Fachärztin für Hygiene an der Berliner Universitätsklinik Charité, dem "Stern".
Bundesregierung will Betriebe stärker überwachen
Zur Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung will die Bundesregierung auffällige Betriebe stärker überwachen. Die Befugnisse der zuständigen Länderbehörden sollten weiter ausgebaut werden, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Einer Stichprobe zufolge könnte auch ein großer Teil des in Deutschland verkauften Schweinefleischs mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet sein.
Unter anderem sollten Betriebe, die auffällig viele Arzneimittel einsetzten, zur Vorlage und zur Umsetzung eines "individuellen Minimierungskonzepts" verpflichtet werden können, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. "Wir müssen die Haltungsbedingungen für Nutztiere verbessern, um den Krankheitsdruck und die Ansteckungsrisiken für die Tiere zu verringern", erklärte Ministerin Ilse Aigner (CSU). Die Ursachen für übermäßigen Antibiotikaeinsatz lägen "häufig in grundlegenden Hygieneproblemen oder Managementfehlern".
Zur Ausarbeitung von Grundlagen für die sogenannten Minimierungskonzepte wolle das Ministerium "in Kürze die Länder an einen Tisch holen", teilte das Ministerium mit. "Damit Auffälligkeiten bei der Anwendung von Antibiotika schneller erkannt und Vergleichsmaßstäbe rechtssicher etabliert werden können, müssen die Behörden einen schnellen Zugriff auf die Arzneimittel-Dokumentationen in den Betrieben haben", hieß es. Dieser Zugriff solle in Absprache mit den Ländern "bürokratiearm, effektiv und rechtssicher" sein.
Mitte November hatte in Deutschland eine Studie für Aufsehen gesorgt, nach der fast alle Hähnchen aus deutschen Mastbetrieben Antibiotika als Wachstums- oder Gesundheitsdoping erhalten. Der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP, die nun getätigte Stichprobe beim Schweinefleisch "sehr bedingt aussagekräftig". Das Ministerium stelle sich aber dem Problem.
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