Robert-Koch-Institut: "Schweinegrippe-Virus ist nicht harmlos"
zuletzt aktualisiert: 13.06.2009 - 10:33München (RPO). Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt davor, den Erreger der sich immer weiter ausbreitenden Schweinegrippe zu unterschätzen. "Man kann keineswegs sagen, dass das Virus harmlos ist", sagte der stellvertretende Leiter der RKI-Abteilung Infektionsepidemie, Osama Hamouda, in einem Interview. Sorge bereitet demnach Medizinern weltweit, dass sich offenbar mehrheitlich junge, gesunde Menschen anstecken.
Aktuelle Berichte vor allem aus den USA deuteten darauf hin, dass der Erreger der Influenza A(H1N1) zunehmenden schwere Erkrankungen bei Menschen auslöse, "die keinen der Risikofaktoren aufweisen, die wir von der saisonalen Influenza kennen", sagte Hamouda dem "Focus".
Die bisher in Deutschland aufgetretenen Fälle sind nach Angaben des RKI in der Regel mild verlaufen. Todesfälle sind bislang nur auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten, die meisten in Mexiko. Außerhalb von Mexiko seien nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO fast alle Todesfälle bei Menschen mit Grunderkrankungen aufgetreten, heißt es auf der Internetseite des RKI.
Allerdings könne das Virus, das gut von Mensch zu Mensch übertragbar ist und bisher bei gesunden Menschen vorwiegend moderate Symptome verursacht, bei einer großen Verbreitung "große Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben".
In Ländern mit einer großen Verbreitung des Virus können laut WHO auch schwere und tödliche Infektionen auftreten. Grippeviren verändern ihr Erbgut ständig. Die WHO weist laut RKI darauf hin, dass das Virus vor allem in der bevorstehenden Grippesaison auf der Südhalbkugel Gelegenheit zum Austausch genetischen Materials haben könnte. Es sei zudem bekannt, dass sich Influenzaviren, die vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, unter Jugendlichen und Kindern besonders schnell ausbreiten können.
Zunehmend Ansteckung in Deutschland
In Deutschland sind bisher mehr als 115 Fälle von A(H1N1) gemeldet. Bis Freitagmittag wurden laut RKI 21 neue Fälle bestätigt, darunter elf Schülerinnen eines Gymnasiums in Köln. An einer japanischen Schule in Düsseldorf sind inzwischen 51 Kinder infiziert sowie ein Elternteil. Es gibt immer mehr Fälle, bei denen die Infektion nicht aus von der Schweinegrippe betroffenen Ländern eingeschleppt wurde, sondern die Ansteckung in Deutschland erfolgte.
Die WHO hatte die Schweinegrippe am Donnerstag zur Pandemie erklärt, bezeichnet die von dem Virus ausgehende Gefahr bisher aber als moderat. Am Freitag gab der Pharmakonzern Novartis die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffs bekannt. Die Massenproduktion könnte im Herbst anlaufen. Bislang wurden weltweit fast 30.000 Krankheits- und 145 Todesfälle als Folge der Schweinegrippe bestätigt.
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