Duisburger Mafia-Morde: Schwere Vorwürfe gegen Polizei
VON JÜRGEN STOCK UND GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007 - 07:22Düsseldorf (RP). Hätte die Bluttat von Duisburg verhindert werden können, wenn die Ermittler besser zusammengearbeitet hätten? In der NRW-Koalition ist die Rede von Pannen wie bei der Schleyer-Entführung. Die Polizei sucht 20 Zeugen.
Die Duisburger Mordkommission geht jetzt offiziell von einer Familienfehde innerhalb der kalabrischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta’ als Motiv für den Sechsfachmord in der Duisburger Innenstadt aus. Vor der Tat habe es jedoch keinerlei Hinweise aus Italien gegeben, dass die Kämpfe, die bislang 15 Todesopfer forderten, auf Deutschland übergreifen könnten. Die Ermittler suchen nun nach Zeugen. In dem Lokal „Da Bruno“ am Tatort hätten sich mindestens 20 Gäste aufgehalten.
Von einem der mutmaßlichen Täter hat die Polizei ein Phantombild erstellt. In Tatortnähe seien zwei Männer gesehen worden, die in einer dunklen Limousine in Richtung Duisburger Zoo davongerast seien. Der Fahrer ist 1,80 Meter bis 1,85 Meter groß, schlank, hat schwarze Haare und Koteletten. Die Polizei bittet um Hinweise unter 0203/280-4195.
Nach Informationen unserer Zeitung interessierten sich die Fahnder schon seit geraumer Zeit für „Da Bruno“. Einer der Getöteten war wegen Geldfälschung bekannt. Auch andere Opfer hatten kleinere Vorstrafen. Bei der Aufklärung wird die Polizei von vier italienischen Ermittlern unterstützt.
Der Polizei in Italien lagen Anhaltspunkte für einen geplanten Racheakt vor. Offenbar gab es darüber aber keinen Austausch zwischen den Behörden beider Länder. „Es muss eine Ermittlungspanne gegeben haben“, vermutet der FDP-Innenexperte Horst Engel, „ähnlich wie bei der Suche nach dem entführten Hanns-Martin Schleyer.“ Der Arbeitgeberpräsident war 1977 von den Terroristen der RAF ermordet worden.
Zuvor war ein Hinweis auf seinen Aufenthaltsort von der Polizei nicht bearbeitet worden. Das Innenministerium soll die Landtagfraktionen am Mittwoch unterrichten. „Offenbar liegt hier ein Organisationsversagen vor“, kritisierte Karsten Rudolph, innenpolitischer Sprecher der SPD. „Wie kann es sein, dass die Polizei in Italien bestens informiert ist, ohne dass das in NRW zu Konsequenzen führt?“
Wilfried Albishausen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter kritisierte, NRW-Innenminister Wolf (FDP) schaffe es nicht, „aus den Entwicklungen der Organisierten Kriminalität die richtigen Schlüsse zu ziehen“. Mehr Streifenpolizei suggeriere Scheinsicherheit. „Es fehlt Fachpersonal, um die mafiösen Strukturen unter die Lupe zu nehmen.“
Unter dem Eindruck des Duisburger Massakers versprach Italiens Premier Prodi einen energischen Kampf gegen die Mafia.
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