Schnelles Urteil: Sechs Jahre Gefängnis für Klatten-Erpresser
zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 - 13:48München (RPO). Der Prozess um die versuchte Erpressung der Milliardärin Susanne Klatten dürfte in die Geschichte eingehen. Nachdem der Angeklagte Helg S. am Morgen ein Geständnis abgelegt hatte, folgte bereits am Mittag das Urteil: Der 44-jährige Schweizer muss für sechs Jahre ins Gefängnis.
Das Landgericht München I sprach Helg S. am Montag des gewerbsmäßigen Betrugs, des versuchten gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer neun Jahre Haft gefordert. Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte, Helg S. habe zwar "ein Geständnis im Kern" abgelegt. Allerdings habe S. "weder Ross noch Reiter genannt". So habe der Angeklagte über den Verbleib des erpressten Geldes und vermutete Hintermänner geschwiegen.
Verteidiger Egon Geis verlangte in seinem Plädoyer lediglich eine Haftstrafe "um die fünf Jahre". Schließlich habe sein Mandant Klatten nicht ruiniert. Es sei eine Erpressung "nur mit Bekanntgabe sexueller Beziehungen" gewesen. Klattens Ehe sei auch nicht kaputt gegangen. Anders sehe es im Fall der um 1,5 Millionen Euro erpressten Marie Luise H. aus. Sie müsse noch immer den Kredit abbezahlen, den sie wegen der Erpressung aufgenommen habe. Der zweite Verteidiger Till Gontersweiler forderte "ein faires Urteil".
Geständnis zu Prozessbeginn
Der Erpresser der Milliardärin Susanne Klatten, Helg S., hatte seine Taten zu Prozessbeginn gestanden. Der ehemalige Liebhaber der BMW-Erbin sagte: "Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich in dieser Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit gegenüber den geschädigten Damen." In seinem Namen erklärte sein Anwalt Egon Geis: "Die im Anklagesatz genannten Vorwürfe treffen im Kern zu."
Der als Frauenschwarm geltende 44-jährige Schweizer hatte die reichste Frau Deutschlands und drei weitere Frauen verführt und um 9,3 Millionen Euro betrogen. Er gestand, sie belogen zu haben, um Geld zu erlangen. Außerdem habe er versucht, Klatten und eine weitere Frau mit heimlich aufgenommenen Sex-Videos zu erpressen. Fragen zum Verbleib der Millionenbeute, möglichen Hintermännern und der Videos werde sein Mandant nicht beantworten, sagte Verteidiger Geis. Das Geständnis erspart den Frauen einen Zeugenauftritt in dem spektakulären Prozess. Auf Antrag der Verteidigung hatte die Staatsanwaltschaft die Namen der drei anderen Opfer in der Anklage nicht verlesen, um ihnen weiteren Schaden zu ersparen.
Möglicher Hintermann wird nicht ausgeliefert
Auch zu den Hintermännern hätten die Opfer keine Angaben machen können, sagte Staatsanwalt Steinkraus-Koch. Sie hätten den verdächtigten Ernano B. auf Fotos nicht identifizieren können. Ob dieser Anstifter oder Mittäter sei, sei offen. Italien verweigere die beantragte Auslieferung. B. und andere Mitglieder seiner Gruppe sind laut Steinkraus-Koch in Italien wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt.
Helg S. habe den Auftrag gehabt, "das Geld auf diese Weise zu beschaffen", und habe sich "an die Damen herangemacht mit hoher krimineller Energie", sagte Steinkraus-Koch. Auf B.s Grundstück und an anderen Orten seien 1,8 Millionen Euro sichergestellt worden. B. stehe der italienischen Polizei zufolge unter Hausarrest, sagte ein Beamter des Landeskriminalamtes.
B. begleitete S., als dieser verhaftet wurde. Er sagte damals zwar, er kenne S. nur flüchtig, aber "dass dauernder Kontakt besteht, wurde deutlich", sagte ein LKA-Beamter. Die Ehefrau von S. habe auf einem Anwesen von B. gewohnt, B.s Audi Q7 sei von S. bezahlt worden, und in B.s Jackentasche fand die Polizei Telefonnummern von Klatten und anderen Frauen, die sich als weitere Opfer von S. entpuppten. Die Geschädigten versuchten derzeit, ihr Geld über zivile Verfahren in Italien einzuziehen, sagte Steinkraus-Koch.
Einfühlsamer Liebhaber
S. hatte die verheiratete 46-jährige Milliardärin Klatten im Sommer 2007 nach längerem, zuerst erfolglosen Werben verführt. Mit der Lügengeschichte, er habe ein Mädchen angefahren und müsse dem nun querschnittsgelähmten Kind das Geld für den weiteren Lebensunterhalt zahlen, um einem Prozess zu entgehen, brachte er sie dazu, ihm sieben Millionen Euro zu geben. Ähnliche Märchen hatte S. auch seinen anderen Opfern aufgetischt. Zwei gaben ihm Hunderttausende Euro.
Später versuchte S. Klatten mit heimlich gemachten Videos von intimen Treffen zu erpressen. Zunächst verlangte er 49 Millionen, später nur noch 14 Millionen Euro Schweigegeld und drohte, die Filme an ihre Familie, die Vorstände ihrer Firmen und die Presse zu schicken. Die Unternehmerin wehrte sich und ging zur Polizei, S. wurde am 14. Januar 2008 verhaftet.
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